Konfliktlösungskonferenz

Seite 3: Erster Konferenztag: Wünsche, Zweiter Konferenztag: Fachaspekte
Die Comic-Figuren sitzen um einen runden Tisch.

Erster Konferenztag: Wünsche und Bedürfnisse herausarbeiten

Auf einer Konfliktlösungskonferenz treffen Menschen mit unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungshintergründen aufeinander. Der Wissensstand zum Konferenzthema wird unterschiedlich sein und viele Teilnehmer werden noch keine Erfahrungen mit partizipativen Verfahren gesammelt haben. Die daraus resultierende Unsicherheit müssen die Moderatoren den Teilnehmern rechtzeitig nehmen, damit aus den Interessengruppen schnell ein arbeitsfähiges Team entsteht. Der Leitsatz lautet: Jeder Bürger ist ein Experte seines Lebensumfeldes!

Am Anfang des ersten Treffens gilt es zudem, Verfahrensregeln für die Beratungen festzulegen. Die Interessengruppen müssen u.a. klären:

  • Wie gehen wir respektvoll miteinander um?
  • Wie verfahren wir bei Problemen innerhalb der Gruppe?
  • Wann arbeiten wir?
  • Wie viele Pausen brauchen wir?
  • Wie gehen wir mit der Presse und der Öffentlichkeit um?
  • Welche Arbeitsmethoden wählen wir?
  • Wie gelangen wir zu Entscheidungen und Positionen?

Im Anschluss an die Klärung der verfahrenstechnischen Fragen beginnen die Interessengruppen mit der inhaltlichen Arbeit. In dieser ersten Phase widmen sich die Teilnehmer der Themen- oder Aspektesammlung. Sie sind aufgerufen, den Problemkreis zu erfassen und aus ihren interessengeleiteten Blickwinkeln heraus darzustellen, welche konkreten Konfliktlinien sie sehen. Als Ergebnis dieses ersten Treffens liegt eine Liste »Aspekte des Konflikts« vor, die – nach Wichtigkeit geordnet – die Positionen der einzelnen Lager beschreibt. Entsprechend der Prioritätensetzung werden die Aspekte bzw. Themen später verhandelt.

Ähnlich wie in der Verhandlungsphase eines Mediationsverfahrens geht es in Konfliktlösungskonferenzen um die Aufarbeitung von Kontroversen bzw. Konflikten. Die Gruppen erweitern ihre Wahrnehmung des Problemkreises, indem sie in einen engen Dialog miteinander treten. Jede Partei hat die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge ausführlich darzulegen und wird vom Moderator gezielt nach ihren Bedürfnissen und Interessen befragt. Es geht darum, möglichst alle wesentlichen Aspekte einer gesellschaftlichen Kontroverse bzw. eines Konfliktes ins Gespräch zu bringen.

Konfliktlösungskonferenzen haben dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Parteien aufeinander zugehen und beginnen, sich für andere Sichtweisen und Blickwinkel zu öffnen. Deshalb müssen die Interessengruppen ihre Betroffenheit und Sicht der Dinge genau formulieren können. Je detaillierter und facettenreicher die Ausführungen ausfallen, umso leichter ist es, die Bedürfnisse und Wünsche der anderen Seite zu verstehen und anzunehmen.

Zweiter Konferenztag: Fachaspekte erschließen

Das zweite Treffen einer Konfliktlösungskonferenz sollte mindestens eine Woche nach dem ersten Treffen stattfinden, denn es braucht Zeit, die vielen Informationen, Positionen und Meinungsäußerungen zu verarbeiten und zu ordnen. Der zeitliche Abstand ist außerdem wichtig, da am zweiten Konferenztag das Thema rein fachlich betrachtet wird. Standen während des ersten Treffens hauptsächlich die Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Gruppen im Mittelpunkt, so ist es beim zweiten Treffen das objektiv Machbare, der emotionslose fachliche Zugang.

In dieser Phase hören die Bürger mehrere Fachexperten, die in ihren Präsentationen den Problemkreis aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln (ökologische, soziale, rechtliche oder finanzielle Gesichtspunkte) heraus beleuchten. Nach jedem Vortrag, der jeweils nicht länger als 30 Minuten dauern sollte, können die Parteien Verständnisfragen stellen. Die Moderatoren haben darauf zu achten, dass die Gruppen nicht beginnen, die Vorträge der Experten zu kommentieren oder Koreferate zu halten, denn es geht in dieser Phase allein um eine Erweiterung des fachlichen Horizonts und um mehr Gespür für das tatsächlich Umsetzbare.

Bei der Auswahl der Experten ist zu bedenken, dass sie neben ihrer fachlichen Qualifikation nicht mittelbar oder unmittelbar vom Konflikt betroffen sind. Das würde ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Damit die Fachvorträge nicht am Thema vorbei gehen, werden die am ersten Konferenztag erstellten Dokumente den Experten vorab zugestellt. Nur wenn sie genaue Kenntnis von den Positionen der Interessengruppen haben, lassen sich spezifische Aussagen zu deren Realisierbarkeit und Integration treffen.

Nach den Fachvorträgen besteht die Möglichkeit, den Experten Fragen zu stellen. Die öffentliche Erörterung von komplizierten Fragen ist für viele Bürger eine neue Herausforderung. Die Experten haben sich darauf einzustellen, dass sie ihre Expertise nicht mit einem Fachpublikum teilen, sondern mit Laien arbeiten. Da auf einer Konfliktlösungskonferenz gesellschaftliche Kontroversen diskutiert werden und es nicht nur um einen Konflikt zwischen zwei Parteien geht, findet der zweite Konferenztag unter Einbezug der Öffentlichkeit statt.

Das gesprochene Wort wird wie am ersten Konferenztag durch Stenografen erfasst. Das ist wichtig, damit keine Details verloren gehen, die die Teilnehmer am dritten Konferenztag bei der Ausarbeitung bzw. Verhandlung einer gemeinsamen Lösungsidee benötigen. Auch die Präsentationsmaterialien der Experten sollten den Interessengruppen für ihre weitere Arbeit zur Verfügung stehen. Es ist sinnvoll, dass die Organisatoren gute Unterlagen zusammenstellen.