Diskurs

Seite 3: Analyse und Auswahl des Verfahrens

Planungsfaktor 1: Auswahl der Akteursgruppen: Ein erster Schritt der Planung ist die Auswahl der Akteursgruppen. Für die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Vorgehens ist es wichtig, möglichst frühzeitig in der Vorbereitungsphase alle relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen zu informieren und in die weitere Planung einzubeziehen. Die Art des Auswahlprozesses hat Auswirkungen auf die spezifische Zusammensetzung und Merkmale des Teilnehmerkreises und damit letztendlich auf die Zielsetzung und Ergebnisse des Verfahrens. Zur Zusammenstellung der Gremien können drei Vorgehensweisen unterschieden werden, die jeweils verschiedene Zielrichtungen haben:

  • Vorgehensweise A: Los- oder Zufallsauswahl: Eine Los- oder Zufallsauswahl ergibt in der Regel einen plural zusammengesetzten Teilnehmerkreis aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen mit einer breiten Interessen- und Meinungsvielfalt. Die verschiedenen subjektiven Meinungen nähern sich dem Gemeinwohlinteresse am Weitesten an und werden häufig für den Gestaltungsdiskurs – insbesondere im Bürgerforum – angewendet.
  • Vorgehensweise B: Öffentliche Ansprache, Aufrufe: Es können auch gezielt Personen angesprochen werden, die sich von der Thematik betroffen fühlen, in ihrem persönlichen Umfeld berührt sind oder großes Interesse an der Themenstellung aufweisen. Bei der Standortsuche von Mobilfunkanlagen würden sich zum Beispiel vor allem besorgte Bürger oder Anwohner in direkter Nachbarschaft zu geplanten Anlagen zur Mitarbeit melden. Die Ansprache der Personengruppen kann über öffentliche Aufrufe z.B. in Pressemitteilungen, auf Informationsveranstaltungen, kleineren Workshops oder durch Handzettel erfolgen. Die Personengruppen sind entsprechend engagiert und der Schwerpunkt liegt häufig auf der Erfassung bestimmter subjektiver Einschätzungen und Wertvorstellungen der Gruppen. Die Methode wird oft für Fokusgruppen verwendet und ist für den Wissens-  oder Reflexionsdiskurs sinnvoll.
  • Vorgehensweise C: Benennung von Teilnehmern in Gesprächen mit den Akteursgruppen: Als weiteres Verfahren bieten sich Gespräche mit einzelnen Akteursgruppen an, die wiederum potenzielle Teilnehmer benennen (Schneeballverfahren). Dabei sollten alle für das Verfahren relevanten Gruppen angesprochen und einbezogen werden. Das Gremium ist dann ebenfalls pluralistisch zusammengesetzt und präsentiert die verschiedenen gesellschaftlichen Sichtweisen im Verfahren. Dieses Vorgehen wird häufig in Konfliktschlichtungsprozessen (wie Mediationsverfahren und Runder Tisch) angewendet und daher regelmäßig in Gestaltungsdiskursen zur Teilnehmerrekrutierung eingesetzt.

Auch die Kombination der unterschiedlichen Auswahlverfahren ist möglich, um einen besonders großen Teilnehmerkreis mit heterogener Zusammensetzung zu erzielen.

Planungsfaktor 2: Erstellung eines Zeit- und Ablaufsplans: Um allen Beteiligten im Diskursverfahren einen Einblick in das Vorgehen und die einzelnen Schritte zu geben, ist die Erstellung eines Zeit-, Kosten-/Finanzierungs-, Meilenstein- und Ablaufsplans entsprechend dem Vorgehen im Projektmanagement sinnvoll. Informierte Akteure und Partner, die die einzelnen Schritte im Verfahren kennen, arbeiten zielgerichteter und vertrauensvoller mit. Auch stehen in der Regel nur begrenzte Finanzmittel zur Verfügung, so dass eine Schätzung der Kosten wichtig ist.

Planungsfaktor 3: Prozessbegleiter: Die Auswahl eines Prozessbegleiters, der das Diskursverfahren plant, steuert und moderiert, ist entscheidend. Verfahren mit größerer Teilnehmerzahl wie etwa Konfliktschlichtungsverfahren sollten von einem neutralen Moderator oder Mediator durchgeführt werden. Der Einsatz unterschiedlichster Moderations-, Verhandlungs- und Kreativitätstechniken ist dabei zu empfehlen. Allerdings sollte die Methode nicht über den Kopf der Teilnehmer hinweg eingesetzt werden. Besonders wichtig ist auch die Grundhaltung des Moderators, Vertrauen in die Akteursgruppe zu zeigen. Die Anforderungen an einen Moderator sind in der folgenden Übersicht zusammengefasst.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Weitere wichtige Grundhaltungen für Moderatoren und Mediatoren können sein

• Überparteilichkeit/Neutralität

• Akzeptanz bei allen Beteiligten

• Ausreichende Sachkenntnis (»Feldkompetenz«)

• Fähigkeit, Konflikte anzusprechen und damit umzugehen

Planungsfaktor 4: Öffentlichkeitsarbeit: Es kann sinnvoll sein, Diskursverfahren mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten. Diese kann schon zum Zeitpunkt der Konzeption des Verfahrens einsetzen oder zum Aufruf und zur Motivation von Teilnehmern zu Beginn des Prozesses genutzt werden. Während des eigentlichen Verfahrens sind in der Regel nur sehr wenige Personen am Prozess direkt beteiligt, so dass weitere Informationen zum Vorgehen und den Zwischenergebnissen Transparenz und Akzeptanz für das Verfahren und die Resultate schaffen können. Die Öffentlichkeitsarbeit sollte in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgen und flexibel gestaltet sein. Sie sollte Transparenz, wenn erforderlich, aber auch Vertraulichkeit zulassen. Gerne wird auch zur Vorstellung des Verfahrens und am Ende zur Präsentation der Ergebnisse die Öffentlichkeit informiert oder einbezogen (Sandwich-Methode). Gerade in Mediationsverfahren, Open Space- oder Konsensuskonferenzen bietet sich die Sandwich-Methode an, da nicht immer konsensfähige Zwischenergebnisse während des Verfahrensverlaufs vorliegen.