Diskurs

Seite 2: Analyse und Auswahl des Verfahrens
Die Verfahrensschritte Analyse und Auswahl, Planung und Durchführung sowie Umsetzung und Auswertung.
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Analyse und Auswahl des Verfahrens

Ziel- und Interessenanalyse (Kontextanalyse): Im ersten Schritt werden in einer Ziel- und Interessenanalyse die verfahrensspezifischen Rahmenbedingungen wie Akteure, Mandat, Kontext und Ergebnis geklärt. Dies kann in Gesprächen und Interviews mit möglichen Beteiligten erfolgen. Bei komplexeren Themen empfiehlt sich, die Vorplanung in einem kleinen Workshop oder einer offenen Veranstaltung, z.B. Open Space, durchzuführen. Erst nach dieser Ziel- und Interessensklärung sollte entschieden werden, welche Zielstellung mit welchem Diskursverfahren sinnvoll bearbeitet werden kann. Auch ist die Auswahl eines neutralen Prozessbegleiters in dieser Vorphase wichtig. Er oder sie koordiniert die weitere Vorplanung und moderiert das gesamte Verfahren.

Für die unterschiedlichen Zielsetzungen von Diskursen politischer Praxis erscheint eine Klassifikation in drei Diskurskategorien hilfreich (Renn 1999):

  • Der Wissensdiskurs umfasst Kommunikationsprozesse, bei denen Experten für Wissen (nicht unbedingt Wissenschaftler) um die Klärung einens Sachverhaltes ringen. Ziel eines solches Diskurses ist eine möglichst wirklichkeitsgetreue Abbildung und Erklärung eines Phänomens. Für den Wissensdiskurs bieten sich vor allem Verfahren mit Gutachtern oder Experten an, die die Sachverhalte erörtern und diskutieren. Die Experten können auch betroffene Akteure zu einem Sachverhalt sein oder, wie z.B. im Delphi-Interview, von diesen vorgeschlagen werden. Als Verfahren bieten sich zum Beispiel an:   
    – Workshop   
    – Gutachtergemeinschaft   
    – Expertentisch   
    – klassisches Delphi
  • Der Reflexionsdiskurs umfasst Kommunikationsprozesse, bei denen es um die Interpretation von Sachverhalten zur Klärung von Präferenzen und Werten sowie zur normativen Beurteilung von Problemlagen und Vorschlägen geht. Reflexionsdiskurse eignen sich vor allem als Stimmungsbarometer für Trends und neue Entwicklungen, als Hilfsmittel zur Entscheidungsvorbereitung und als Instrument zur vorbeugenden Konfliktvermeidung. Der Teilnehmerkreis ist eher im »angewandten« Umfeld der Themen zu suchen, also z.B. Bürger, die im Rahmen eines Bürgerforums Vorschläge zur Gestaltung eines Marktplatzes erarbeiten oder Ärzte, die in einer Fokusgruppe die Strahlungseigenschaften von technischen Geräten bewerten. Mögliche Verfahren für diese Kategorie können sein:   
    – Gesprächskreis   
    – Runder Tisch   
    – Fokusgruppe   
    – Bürgerforum
  • Der Gestaltungsdiskurs umfasst Kommunikationsprozesse, die auf die Bewertung von Handlungsoptionen und/oder die Lösung konkreter Probleme abzielen. Verfahren der Konfliktschlichtung und Mediation oder direkter Bürgerbeteiligung sind ebenso in diese Kategorie einzuordnen wie Zukunftswerkstätten zur Gestaltung der eigenen Lebenswelt oder politische bzw. wirtschaftliche Beratungsgremien, die konkrete Politikoptionen vorschlagen oder evaluieren sollen. Hierfür sind geeignet:   
    – Zukunftswerkstatt   
    – Runder Tisch   
    – Mediationsverfahren   
    – Bürgerforum

Alle drei Diskursformen bilden das Gerüst für eine demokratisch legitimierte und funktional erforderliche Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Politik. Die Ergebnisse der Diskurse haben dabei keine imperative Gültigkeit; sie müssen in legitime Formen der Beschlussfindung legitimierter politischer Entscheidungsträger eingebunden werden.
Ist ein Instrument für die entsprechende Zielsetzung ausgewählt, beginnt die eigentliche Planung des Diskursprozesses.