Praxis Open Space: Nürnberg

»Die Tagesordnung besteht aus einer leeren Wand – und Sie werden sich wundern, wie gut das funktioniert, wenn Sie nur mit genügend Engagement und Leidenschaft Ihre Sache vertreten«, mit diesen Worten stimmte Coach Peter Bauer die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der »Zukunftskonferenz II Nürnberg Südstadt« ein. Ein Mangel an Engagement war kaum zu befürchten, denn zuvor waren bei einer ersten Konferenz zahlreiche Projektideen entstanden und umgesetzt worden. Am 16./17. November 2001 fand nun Teil 2 statt, Thema: »Bildung und Qualifizierung«.

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich in der Aula des Sigena-Gymnasiums zusammengefunden. Zu Beginn wurden kurz die Ergebnisse der ersten Zukunftskonferenz ausgeführt. Dann waren die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, ihre Ideen oder Themen, für die sie sich leidenschaftlich einsetzen wollten, auf ein Plakat zu schreiben und andere einzuladen, an diesen Themen mitzuarbeiten. Immerhin 29 Personen wagten den Schritt vor das Auditorium. Von Energieeinsparungen an Schulen über ein Arbeits- und Beschäftigungszentrum bis zu Fortbildungsmöglichkeiten reichten ihre Vorschläge. Alle Ideen wurden an einer Pinnwand angeschlagen, die als Marktplatz und Kommunikationsplattform diente. Aus den Ideen entwickelten sich 22 Workshops, die über das Thema ihrer Wahl diskutierten. All dies geschah ganz »Open Space« – also ohne starre Vorgaben und zwingende Regeln. So konnte eine Gruppe mal drei, eine andere auch 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben. In kleineren Gruppen wurde völlig frei diskutiert, größere Gruppen bestimmten meist einen Moderator. Am zweiten Tag wurden die ersten Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Im Laufe der Veranstaltung zeigte sich, dass sich die Arbeit und Diskussion immer mehr verselbstständigte. Bald wurde nicht allein in den Workshops, sondern auf den Gängen, in der Cafeteria oder der Aula geredet und die Gelegenheit zum »Netzwerken« genutzt. Von dem Erfolg dieses Vorgehens waren viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer überrascht. So stellte eine Mitarbeiterin des Bildungszentrums, die eine effiziente Zusatzqualifikation für arbeitslose Jugendliche ins Leben rufen wollte, verblüfft fest: »Ich hätte vorher nie geglaubt, hier das zu finden, was ich für meine Projektidee brauche, aber ich gehe mit genau den Partnern und Verbindungen nach Hause, die für eine Realisierung notwendig sind.«

Nachdem die einzelnen Workshops ihre Ideen und Ziele festgehalten hatten, überdachten sie die Umsetzung. Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen: Welche Unterstützung wird benötigt? Welche Hindernisse und Stolpersteine gibt es? Und wird die Arbeitsgruppe weitergeführt? Vor allem letzteres beantworteten die meisten Teams mit einem klaren »JA«. Viele Beteiligte stellten am Ende zufrieden fest, dass sie nun wieder »sehr motiviert« waren, weiterzuarbeiten und sich auch »in ihrer bisherigen Arbeit bestätigt fühlen«. Bei der Schlussrunde war dann Zeit für das persönliche Fazit und ein Feedback auf die Veranstaltung. Zahlreiche konkrete Projektideen sind bei dem Treffen entstanden und zur Umsetzung bereit. Dabei reicht die Palette von einem Bewerbungsbüro über das Musical Southside bis zu einem Senioren-Kompetenz-Center. Finanziert wurden die Konferenz, aber auch viele Projekte durch die EU-Ziel-2-Förderung, ein Programm der EU-Kommission, durch das vor allem Infrastruktur, Förderung und Aufbau wettbewerbsfähiger Unternehmen, Förderung des Tourismus und die Schaffung lebenswerter Stadtstrukturen unterstützt werden sollen.

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Peter Bauer
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