Open Space

Seite 2: Gesetz der zwei Füße, Vier Prinzipien, Dokumentation, Themen, Wirkung

Das Gesetz der zwei Füße

Das Gesetz der zwei Füße ist das Gesetz der selbstgesteuerten Freiheit und Selbstverantwortung: Es besagt, dass jeder Teilnehmer immer am richtigen Ort sein sollte, in derjenigen Arbeitsgruppe, in der er einen Beitrag leisten und etwas lernen kann. Es ist die wichtigste Regel von Open Space: Damit hat jeder Teilnehmer Einfluss auf Inhalt und Form. Personen, die versuchen, Kontrolle auszuüben, werden abgelehnt, man verlässt höflich die Gruppe. In der Kultur von Open Space ist dies ein nicht nur akzeptiertes, sondern ein erwünschtes Verhalten: Jeder Teilnehmer ist selbst verantwortlich für die Effizienz der Tagung, für sich und für das Ganze.

So können sich die Geister scheiden in »Hummeln« und »Schmetterlinge«: Hummeln sind diejenigen Personen, die sich die Freiheit nehmen, von einer Gruppe zur anderen zu »fliegen«, sich in ein Thema vertiefen, weiterfliegen und so von einer Gruppe zur anderen »befruchtend« wirken. Schmetterlinge dagegen nehmen es leichter; ihre Hauptaufgabe ist es, schön und attraktiv zu sein, so dass um sie herum möglicherweise spontan wieder Arbeitsgruppen entstehen (mit dem Nachteil, dass diese meistens auch das Protokollieren auf die allzu leichte Schulter nehmen). Man findet sie auch auf der Terrasse und im Garten. Sie tragen aber nur scheinbar nicht so bei zum Rahmenthema; oft dienen sie auch als Zentrum von Leichtigkeit, Spaß und Erholung und es entwickelt sich kreative Interaktion.

Hummeln und Schmetterlinge sind in besonderem Maße – wie jede Person durch die Teilnahme an vielen verschiedenen Gruppen – Träger von Informationen des Gesamtprozesses und in diesem Sinne eine Art  »Wissensmanager«.

Die vier Prinzipien

  • Wer immer kommt, ist gerade die richtige Person.
  • Was auch geschehen mag – es ist das einzige, was geschehen kann.
  • Wann immer es beginnt, es ist die richtige Zeit.
  • Vorbei ist vorbei.

Dies sind die Prinzipien des » go with the flow «, durch sie wird alles, was ist, wertgeschätzt. Sie werden sichtbar aufgehängt und sind selbsterklärend. Dennoch ist es gut, sich immer daran zu erinnern, dass man Vertrauen hinsichtlich des Prozesses bewahrt und in die Richtigkeit dessen, was sich ereignet. Es ist erstaunlich, dass auch der Zeitrahmen im Wesentlichen selbstorganisiert eingehalten wird und nicht der ständigen Kontrolle bedarf.

Dokumentation

Jeder Initiator oder Themengeber einer Arbeitsgruppe wird gebeten, auf einem der bereitgestellten Computer die Ergebnisse nach dem »KEKK-Prinzip« (kurz, einfach, knackig, konkret) zu dokumentieren.

Dabei kann die Rolle des Protokollanden wie auch die Rolle des Zeitverantwortlichen und sogar die Rolle des Moderators vom Themengeber abgegeben werden an einen Teilnehmer seiner Wahl.

Die Protokolle, oft sehr viele Seiten, werden in meist durchwachten, fröhlichen Nächten ausgedruckt und kopiert und so kann jeder Teilnehmer das aktuelle Werk aller getrost »schwarz auf weiß« nach Hause tragen.

Ordnung und Gewichtung der Themen

Open Space in seiner strengen Definition als Prozess der Selbstorganisation ist hier bereits beendet.

Das Thema lautet nun: Was sind unsere brennendsten Themen?

Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, je nach zur Verfügung stehender Zeit und logistischen Möglichkeiten, Größe der Gruppe und Präferenz.

Eine Möglichkeit im Sinne von Open Space: Alle Teilnehmer werden aufgerufen, noch einmal ihre Themen vorzustellen, und zwar die allerwichtigsten, die brennendsten, für die sie sich von heute an einsetzen möchten. Nach kurzer Vorstellung, einem neuen Marktplatz und erneuter Kleingruppenbildung werden in einer Stunde die nächsten aktuellen Schritte besprochen und beschlossen und auf extra Formularen »Schritte in die Zukunft« festgehalten. Meist bleibt keine Zeit, diese auch noch in den Computer einzugeben, da dies die letzte Runde vor Abschluss der Veranstaltung darstellt. Bei diesem Verfahren mischen sich die Teilnehmer noch einmal neu, es besteht nochmals Gelegenheit, konkrete Verantwortung zu übernehmen.

Eine andere Möglichkeit: Die Titel sämtlicher Themen werden nochmals auf Flipcharts aufgeschrieben. Alle Teilnehmer können durch Verteilung von Punkten die fünf bis acht ihnen wichtigsten Agendathemen wählen. Daraus lässt sich dann eine kollektive Rangliste erstellen. Bei Hunderten von Teilnehmern kann diese Wahl auch computerunterstützt ablaufen. Danach kann sich jeder Teilnehmer nochmals einem der gewählten Themen zuordnen und in der Kleingruppe, wieder in ca. einer Stunde, nächste Schritte beschließen zu den Fragen: Wer macht mit? Wann und wo treffen wir uns? Wie kann das Projekt organisiert werden? Wer aus der Organisation kann uns unterstützen?

Wirkung von Open Space

Die Leistung der Open Space-Methode hat quantitative und qualitative Aspekte. Die Dokumentation von Visionen, Fragestellungen und Aktionsschritten, die sich aus der Arbeit der Arbeitsgruppen ergeben, sind messbares Ergebnis. Die Zunahme an Vernetzung und konstruktiver Kommunikation sowie die Schritte in die Selbstorganisation und Verantwortung dagegen führen zu einer entscheidenden qualitativen Veränderung der Organisationskultur. Die Bereitschaft, mit Mut zum Risiko und Ehrlichkeit zu kommunizieren, verbindet die Teilnehmer schnell zu einer lernenden Gemeinschaft.

Diese Veränderung geschieht schnell und wird oft von den Teilnehmern und kollektiv vom ganzen System bewusst erlebt und getragen.