Moderationsmethode

Einführung

Die Moderation ist eine Methode zur Leitung von zielgerichteten Kommunikationsprozessen in Gruppen. Im Unterschied etwa zum lehrzentrierten Gruppengespräch zeichnet die Moderationstechnik ein partizipativer Ansatz aus. Der Moderator belehrt nicht, sondern steuert durch Nutzung spezifischer Moderationstechniken den Gedankenaustausch einer Gruppe so, dass in der Gruppe vorhandenes Wissen möglichst effizient zu Tage tritt.

Ein wesentliches methodisches Element der Moderation ist die Visualisierung, d.h. die Teilnehmenden werden vom Moderator angehalten, ihre Vorstellungen (auf Karten) zu verschriftlichen. Dabei gilt die Regel, auf eine Karte jeweils nur einen Gedanken oder eine Aussage kurz und gut lesbar festzuhalten.

Durchführung

Die Moderation startet in der Regel mit einer Interaktions-weckenden Frage, zu der die Teilnehmenden kurze Statements auf Karten (Postkartengröße) schreiben sollen. Während des Gedankensammelns (eine Form von Brainstorming) wird nicht diskutiert und kommentiert, um den »Gedankensturm« jedes Einzelnen möglichst ungestört verlaufen zu lassen. Die Karten dienen als Dokumentation der erfassten Statements während des gesamten Kommunikationsprozesses. Da die Gedanken jedes Teilnehmenden erfasst sind, spiegelt im Unterschied zu einer Diskussion, bei der sich nur wenige beteiligen können, die visualisierte, moderierte Kommunikation die gedankliche Repräsentanz der gesamten Gruppe wider. Dabei erfolgende Redundanzen stören nicht, sie sind ein Beleg für gleichartig vorhandene Meinungen.

Nach erfolgtem Niederschreiben der Gedanken werden die beschrifteten Karten der Teilnehmenden an eine Pinnwand geheftet. Dabei können sie mit Hilfe der Teilnehmer bereits nach Zusammengehörigkeit angeheftet werden. In dieser Phase darf rückgefragt werden, wie eine Aussage zu verstehen ist. Wenn z.B. nur ein Begriff niedergeschrieben ist, ohne dass daraus eine Aussage zu erkennen ist, kann der Kartenverfasser seine eigentliche Intention mit einer ergänzenden Erläuterung zum Ausdruck bringen. Bewertende Kommentare sollten in der Sammelphase vermieden werden, um Meinungsmanipulationen zu vermeiden. Ein Moderator sollte vor dem Beginn der »eigentlichen« Moderation die Regeln erklären, die für die Methode gelten, damit nicht während des Prozesses ständige Regelhinweise das Gedankensammeln stören.

Für den gesamten Moderationsprozess gibt es verschiedene Verfahrensmöglichkeiten. Bewährt hat sich das sogenannte »Trichterprinzip« , bei dem das Gedankensammeln vom Allgemeinen zum Konkreten schreitet. Hierzu muss eine Eingangsfrage möglichst offen, aber doch auch zielführend formuliert sein, um eine umfassende Palette von Gesichtspunkten einzufangen. Die gesammelten Karten werden im zweiten Schritt nach Zusammengehörigem sortiert (»geclustert«), so dass aus den allgemeinen Einzelstatements eine abstrahierende Struktur erkennbar wird. In einem dritten Schritt kann die Gruppe aufgefordert werden, für die Fragestellung Wesentliches vom weniger Wesentlichen zu unterscheiden. Dies erfolgt z.B. durch die »Punktetechnik« , d.h. jeder Teilnehmer erhält eine feste Anzahl Klebepunkte, die er nach seiner Prioritätensetzung an ausgewählte Karten kleben kann. Die Auszählung ergibt eine von der Gruppe erstellte Rangskala bewerteter Statements (oder Cluster).

Ein anderer Moderationseinstieg kann durch die Pro/Kontra- oder Stärken/Schwächen-Technik gewählt werden. Die Teilnehmenden sammeln in diesem Fall ihre Positionen in dieser polarisierten Vorgabe, um somit die Leistungsbilanz einer Problemstellung zu erhalten. In den weiteren Schritten kann auch hier wieder bewertet werden, und es kann eine Verdichtung der Fragestellung auf als wesentlich erachtete Detailpunkte betrieben werden.

Wenn bei hinreichend großer Teilnehmerzahl nach der Sammelphase Cluster gebildet wurden, die von den Teilnehmenden als gleich wichtig für die Weiterarbeit angesehen werden, kann auch in der Moderationsmethode in Kleingruppen (an je einem Cluster) weitergearbeitet werden. Ein Problem für den Moderator besteht hierbei, dass er nicht in allen drei Gruppen gleichzeitig sein kann. Die jeweilige Interaktions-weckende neue Fragestellung für die Kartensammlung in den Gruppen sollte auf einem großen Papier gut lesbar den Gruppen mitgegeben werden. Es empfiehlt sich, einen »Regelwächter« für die Gruppe zu benennen, der auf das Einhalten der Moderationsregeln und auf den Zeitplan achtet. Die Pinnwand hat hierbei den Vorteil, dass sie mit den Karten des Clusters in den Gruppenraum getragen werden kann. Auch die neu entstehende Pinnwand kann am Ende in einen neuen Plenarsaal getragen werden.

Da in der Moderationsmethode kein fremder fachlicher Input (auch nicht durch den Moderator) gegeben wird, setzt sie voraus, dass die Expertise bei den Teilnehmenden liegt. Damit sind alle Anwendungen begünstigt, in denen das Wissen von Expertengruppen kanalisiert und fruchtbar gemacht werden soll. Unter Experten sind hier auch beginnende Lernende zu verstehen, wenn es darum geht, von deren Alltagswissen, Vorerfahrungen etc. auszugehen. Da die Methode explizit das individuelle Diskutieren über einen Sachverhalt unterbindet, eignet sie sich hervorragend in Situationen, in denen verbale Selbstdarstellungen der Beteiligten, die meist mit fachlichen Ausuferungen oder Abschweifungen verbunden sind, vermieden werden sollen. Methodisch kann in Seminaren ein Wechsel von mehr diskursiven mit moderierten Phasen eingeplant werden.

Anwendung

Die Moderationsmethode soll in effizienter Form eine komplexe Fragestellung der Problemlösung zuführen. Dem Moderator muss es gelingen, durch professionelles Handeln möglichst viel konstruktives Wissen aus der Gruppe entstehen zu lassen. Neben einer fachlichen Aufarbeitung strebt die Methode auch eine verbindliche Aufgabenübernahme in einem sogenannten Aktionsplan an, in dem festgehalten wird, welche Ergebnisse und Konsequenzen die Moderationssitzung haben soll.

Organisation

Da die Methode von der Visualisierung lebt, ist ein begrenzender Faktor die Kartenzahl. Eine zu große Anzahl gesammelter Karten führt zu Unübersichtlichkeit und langen »Kartenphasen« . Insofern sind überschaubare Gruppen zwischen 10 und 25 Teilnehmern ideale Gruppengrößen. Um den gleichwertigen Rang zwischen Teilnehmenden und Moderator anzuzeigen und um einen leichten Zugang zu den Pinnwänden zu haben, setzt sich eine Moderationsgruppe in einen geöffneten Kreis vor die Pinnwände. Tische vor den Teilnehmenden und »Nackenblick« sind unerwünscht, weil sie als Barrieren der gemeinsamen Kommunikation wirken. Neben der Pinnwand steht ein »Moderationskoffer«, der Karten in rechteckiger Form und in anderen Formen (für Überschriften), hinreichend dicke Filzstifte und Nadeln oder Klebestreifen zum Anheften der Karten enthält. Professionelles Gerät von Markenfirmen ist für kleine Einrichtungen teuer. Wer seine Karten aus farbigem DIN A-4-Karton selber schneidet, kann Kosten sparen. Um geclusterte Kartenbereiche visuell besser mit farbigen Filzumrandungen markieren und um Kartenergebnisse unabhängig von einer Pinnwand transportieren zu können, empfiehlt es sich, auf eine Pinnwand einen Packpapierbogen zu heften, auf den die Karten am Ende angeklebt werden.

Der Moderator muss bezüglich der Fachfrage kein Spezialist sein, sollte aber über fachliches Hintergrundwissen verfügen, damit er weiß, wovon gesprochen wird und damit er in der Lage ist, Interaktions-weckende Fragen zu formulieren. Er sollte eine Moderationsausbildung haben oder zumindest mit den unterschiedlichen Methoden vertraut sein. Für einen gedeihlichen Verlauf ist es wichtig, dass die Gruppe den Moderator auch menschlich-atmosphärisch akzeptiert.

Am Gelingen einer guten Moderation sind der Moderator und die »Moderierten« gleichermaßen beteiligt. In Gruppen, die sehr dominierende Mitglieder haben, kann die Moderationsmethode sehr nützlich sein, weil sie ein demokratisierendes Element enthält, das zu mehr Wissenspartizipation führt. Eine große Stärke der Technik besteht darin, dass die Methode Akzeptanz zur gemeinsam erarbeiteten Problemlösung erzeugt. Sehr nützlich ist der Dokumentationscharakter der Methode, das heißt, alles »Gesagte« ist letztlich auch geschrieben. Geeignet ist sie besonders bei der Sammlung und Bewertung von Fragestellungen und der Suche nach Problemlösungen. Über die Statements entstehen wesentlich »Spiegelstrichlisten« , also additive Punkte, die linear aneinander gereiht sind. Komplexe Vernetzungen, Korrelationen, Interaktionen, Feindifferenzierungen, Sowohl-als-auch-Lagen werden weniger gut erfasst, obwohl das über Pfeile und Kommentierungen ansatzweise möglich ist.

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Dr. Heino Apel
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