Stärken und Grenzen

Organisatorischer Rahmen

In der Regel sind 1 bis 2 Tage zur Durchführung einer Zukunftswerkstatt notwendig, möglich sind aber auch sogenannte »Kurzwerkstätten«, in denen für jede der drei Phasen 1-2 Stunden verwendet werden. Ideal ist eine Gruppengröße zwischen 15 und 25 Personen (Großwerkstätten erfordern ein anderes Design und mehrere Moderator/innen). Die Gestaltung der Einladung zur Zukunftswerkstatt erfolgt ebenso wie die Klärung der anzusprechenden Zielgruppen oder Personen gemeinsam mit den Auftraggeber/innen.

Man benötigt wenig Hilfsmaterialien: Einen Plenumsraum mit Sesselkreis und 2 bis 3 Pinnwänden, Moderationsstifte und Karten, Papier. Notwendig sind zudem Möglichkeiten für Kleingruppenarbeit. Wir verwenden für alle Phasen Vordrucke, die das Arbeiten erleichtern. Um den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt höhere Verbindlichkeit zu geben und diese auch in der Öffentlichkeit präsentieren zu können, empfiehlt sich insbesondere im Hinblick auf die Realisierung der Ideen, eine ansprechende Dokumentation zu erstellen, die entweder von der Gruppe gemeinsam, von einem Redaktionsteam oder von den Moderator/innen angefertigt wird.

Anwendungsfelder

Zukunftswerkstätten eignen sich als Startworkshops für Bürgerbeteiligungsprozesse in Kommunen ebenso wie als partizipative Mitarbeiter/innen-Meetings in Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen.

Gut geeignet sind Themen, die im Nahraum der Menschen liegen und eigene Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten aufweisen. Es kann aber – im Sinne Jungks – durchaus sinnvoll sein, in Zukunftswerkstätten Ideen und Vorschläge auch zu größeren gesellschaftlichen Themen zu entwickeln, etwa zur Zukunft der Erwerbsarbeit oder zu zukunftsfähigen Verkehrssystemen.

Hinsichtlich der Realisierungsphase müssen hier jedoch die begrenzten Einflussmöglichkeiten bedacht werden. In den Blick geraten dafür die Entscheidungs- und Verantwortungsräume in Demokratien, ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeitsbildung (Holzinger 2012, 2013).

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Nicht geeignet sind Zukunftswerkstätten zur Bearbeitung von Konflikten. Hier bietet sich das Verfahren der Mediation an.

Stärken und Grenzen

Zukunftswerkstätten sind für vielfältige Themen und unterschiedliche Gruppen einsetzbar. Bei entsprechender Unterstützung ist ein niederschwelliger Zugang auch für weniger wort- oder schreibgewandte Gruppen möglich.

Probleme in Zukunftswerkstätten sind vor allem dann zu erwarten, wenn (mit dem Auftraggeber) nicht geklärt ist, welche Bedeutung den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt zukommt (Grad der Verbindlichkeit) oder wenn das Thema zu allgemein oder umfassend gewählt wurde.

Insbesondere ist im Sinne von Nachhaltigkeit auf die Fortführung der Arbeit nach der Zukunftswerkstatt zu achten, ein Schwachpunkt mancher Projekte (Stracke-Baumann, 2008).

Positive Effekte von Zukunftswerkstätten

Im Verlauf einer Zukunftswerkstatt wird für die Teilnehmenden erfahrbar, dass es möglich ist,

  • konstruktiv und zielgerichtet miteinander ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Standpunkte auszutauschen (Kommunikationseffekt),
  • an der Gestaltung gemeinsamer Anliegen teilzuhaben (Demokratieeffekt),
  • frei von hierarchischen Vorgaben lustvoll mit- und voneinander zu lernen (Lerneffekt),
  • Probleme auf Basis kollektiver Erfahrung auch ohne Expertenwissen und bürokratisch-staatliche Bevormundung (ein Stück weit) zu lösen (Selbstbestimmungseffekt),
  • durch gemeinsames »Werken« positive Energien freizusetzen, auch dann, wenn (noch) keine »Patentlösungen« gefunden werden (Motivationseffekt),
  • das in uns allen – vielfach unbewusst und ungenützt – schlummernde kreative Potenziale im Interesse der Persönlichkeitsentwicklung und gemeinsamer Anliegen zu entfalten (Kreativitätseffekt).

Netzwerk für Zukunftswerkstätten

Nicht nur in den deutschsprachigen Ländern, auch in Skandinavien, im angelsächsischen Raum und Südeuropa hat die Methode »Zukunftswerkstatt« Fuß gefasst. Die Aus- und Fortbildung der Moderator/innen erfolgt in der Regel in selbstorganisierten Kursen und Lehrwerkstätten. In der BRD existieren mehrere Gruppen, die Ausbildungsprogramme anbieten. Einmal jährlich findet ein Erfahrungsaustausch von Moderator/innen des deutschsprachigen Raumes statt. Die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen sehen wir als Informationsplattform für Zukunftswerkstätten. Wir betreuen eine Moderator/innendatenbank sowie ein Archiv über Ergebnisse von Zukunftswerkstätten und führen selbst Werkstätten sowie Moderationsausbildungen durch. Der Verein »Zukunftswerkstätten« informiert über Aktivitäten und Ausbildungen.