Ablauf

Ablauf der Zukunftswerkstatt

Das Kapital von Zukunftswerkstätten sind die vielfältigen Ideen und Wünsche, die in uns allen stecken. Sie sollen zum Klingen gebracht und produktiv genutzt werden. Doch mit dem Willen etwas zu verändern, ist es allein nicht getan. Gerade das Arbeiten in einem Team will gelernt sein. Da Menschen vielfältig sind, mit Problemen unterschiedlich umgehen und viele auch nicht darin geübt sind, sich in der Öffentlichkeit zu Wort zu melden, entwickeln Gruppen oft destruktive Eigendynamiken. Es gibt sehr rasch Rollenzuordnungen, die vom chronischen Nörgler bis zum überschwänglichen Optimisten, vom notorischen Vielredner bis zum verschüchterten oder arroganten Schweiger reichen können. So gilt es, Wege zu finden, die die Kreativität aller zum Tragen bringen und ein konstruktives Vorwärtskommen in der Gruppenarbeit ermöglichen. Dies gelingt durch klare »Strukturvorgaben« und »Spielregeln«, die für jede Zukunftswerkstatt charakteristisch sind.

Im Kern besteht jede Zukunftswerkstatt aus drei Phasen:

  • Kritikphase
  • Utopiephase
  • Realisierungsphase.

Vorgeschaltet ist eine Vorbereitungsphase, und auch die Weiterführung in Form einer »permanenten Werkstatt« ist sinnvoll.

Für gewöhnlich sind es Gruppen bis zu 25 Personen, die in 1 bis 3 Tagen an einem gemeinsamen Anliegen »werken«. Nach einer Verständigung über das Thema und einer Vorstellrunde, in der das Moderator/innen-Team auch über den Ablauf und die Spielregeln informiert, geht es gleich zur Sache.

Erhebung der Probleme – Kritikphase

In der einleitenden Kritikphase werden zunächst auf Grundlage der jeweils persönlichen Erfahrung in einem ersten »Brainstorming« Mängel benannt, Defizite und wahrgenommene Probleme gesammelt und auf Karten aufgelistet. Die Vielfalt der Aussagen wird zu Themen gebündelt (»Clusterung«). Während des Sammelns sind nur Verständnisfragen erlaubt, die Moderator/innen sowie die Gruppenmitglieder helfen beim Formulieren (wichtig Halbsätze bilden). Im Anschluss an das Brainstorming empfiehlt sich eine Diskussionseinheit, um Probleme noch besser herauszuarbeiten oder um Dinge, die unterschiedlich gesehen werden, besprechen zu können (letztere werden vor der Diskussionsrunde mit einem Blitz markiert). Das Clustern erfolgt gemeinsam mit der Gruppe; die Moderator/innen, die die Karten aufpinnen, können jedoch bereits »vorsortieren«. Die Themencluster werden mit einer Überschrift versehen. Abschließend zur Kritikphase werden die Teilnehmer/innen gebeten, die ihnen wichtigsten Problemkarten hervorzuheben. Jede/r kann beispielsweise drei Karten mit einem Punkt versehen. Bei kleinen Gruppen mit etwa 10 TN empfiehlt es sich, mehr Punkte vergeben zu lassen, um eine aussagekräftige Streuung der Prioritäten zu erreichen.

Symbol: »Weitere Infos« (eine Lupe über 2 Blatt Papier)

In Abwandlung zum Dreischritt von Robert Jungk beginnen wir die Zukunftswerkstatt häufig mit einer Abfrage über die wahrgenommenen Positiva – Erfolge, Dinge, die wir schätzen; diese dienen im Sinne der Stärken-Schwächen-Analyse für die Phantasiephase als »Stärkenspeicher«, auf den zurückgegriffen werden kann.

Freies Phantasieren von Zukunftslösungen – Ideenphase

Der Einstieg in die Utopiephase erfolgt mit einer positiven Umkehrung der zentralen Kritikaussagen. Wir tun so, als hätten wird den Wunschzustand erreicht, beamen uns damit mental in eine positive Zukunft. Formuliert werden Zukunftsziele oder Visionen. Aus »In unserer Firma stehen alle ständig im Stress« wird z.B. »In unserer Firma wird effizient gearbeitet, doch Stress kennen wir nicht.« Der Kritikpunkt »In unserer Schule gibt es keine Mitbestimmung« wird verwandelt in die Vision »In unserer Schule ist es gelungen, den Schüler/innen gebührend Mitbestimmungsmöglichkeiten zu geben.«

Zu den formulierten Zukunftsvisionen werden in der Folge in einem weiteren Brainstorming mögliche Ideen gesammelt, die uns die Zukunftsziele erreichen lassen. Dabei sollen die Gesetze der Wirklichkeit aufgehoben sein, die TN sollen ermuntert werden alles, was ihnen einfällt, zu nennen. Denn alles, was »denk-bar« ist – auch wenn es »ver-rückt« klingen mag – kann Sprungbrett für bessere Lösungen sein. »Killerphrasen« wie »Das geht doch nie und nimmer«, »Das ist doch pure Phantasterei« oder »Das ist zwar schön und lustig, aber viel zu teuer« sind hier fehl am Platz und werden von den Moderator/innen unterbunden.

Konkrete Pläne schmieden – Realisierungsphase

Das Beste, Spannendste und Wichtigste aus der Fülle der Anregungen »in die Wirklichkeit hereinzuholen« und (ein Stück weit) umzusetzen, ist Anliegen und Aufgabe der »Realisierungsphase«. Hier geht es darum, gemeinsam Erdachtes zu präzisieren, dafür Verantwortung zu übernehmen und Bündnispartner/innen für die Umsetzung zu finden.

Der Einstieg in die Realisierungsphase erfolgt mit der gemeinsamen Auswahl jener Ideen, die die Gruppe am spannendsten findet, wobei hier nun auch der Aspekt der Realisierungschancen mitbedacht wird (Methode: Bepunktung). Anschließend werden in Kleingruppen Projektpläne geschmiedet. Wir verwenden hierfür die W-Methode: Was? Warum? Wie? Mit wem? Bis wann? Mögliche Widerstände?

Die Projektskizzen werden in der Folge im Plenum präsentiert und einer wertschätzenden Diskussion unterzogen. Die Zukunftswerkstatt schließt mit der gemeinsamen Erstellung einer Prioritätenliste (Was wollen wir ab wann angehen? Was soll unbedingt umgesetzt werden? Was nehmen wir uns noch vor, falls freie Ressourcen bleiben?) sowie einem Aktionsplan (Was sind die nächsten Schritte und wer übernimmt welche Aufgaben?).