Praxisbeispiel Mylife 24/24

»Es geht ums ernst genommen werden – es geht darum, die Frage der Beteiligung der Jugendlichen möglichst früh zu stellen.« Eine Teilnehmerin

Jährlich findet auf Initiative des Stadt-Umland-Managements Wien-Niederösterreich eine große Stadt-Umland-Konferenz statt. Sie führt Politik und Verwaltung der Stadt Wien, des Landes Niederösterreich und der Gemeinden und Regionen des Wiener Umlandes zusammen. 2011 wurde diese Konferenz unter das Motto »Jugendbeteiligung« gestellt. Es war daher klar, dass die Veranstaltung mit Beteiligung Jugendlicher stattfinden muss, sowohl vor Ort, mit jungen Menschen als Gesprächspartner/innen auf gleicher Augenhöhe, als auch in der inhaltlichen Ausrichtung der Konferenz. »Es geht ums ernst genommen werden – es geht darum, die Frage der Beteiligung der Jugendlichen möglichst früh zu stellen.«, so eine junge Teilnehmerin.

In den kommenden Jahrzehnten werden immer mehr Menschen in Wien und auch im Wiener Umland wohnen. Mit dem Projekt »MyLife 24/24« sollte bei Jugendlichen Interesse für die langfristige Entwicklung des Wiener Umlands geweckt werden. Dabei ging es um »das ganze Leben«, also Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Freizeit, Umwelt und Nachbarschaft in einer Perspektive von 24 Stunden in 24 Jahren, also dann, wenn die Jugendlichen von heute die Erwachsenen von morgen sein werden.

Wer wurde beteiligt?

  • Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren aus Wien und Niederösterreich
  • Bürgermeister/innen der Gemeinden im Wiener Umland
  • Verwaltungsmitarbeiter/innen aus Wien und Niederösterreich
  • Planungsfachleute aus Planungsbüros

Wie ist die Beteiligung abgelaufen?

Im Vorfeld der Konferenz wurden junge Menschen aus dem Raum Wien/Niederösterreich aufgefordert, assoziative einminütige Videoclips zum Thema »Mein Leben in/um Wien im Jahr 2035« zu produzieren. Die jungen Regisseurinnen und Regisseure wurden dann zur Stadt-Umland-Konferenz Wien/Niederösterreich ins Wiener Rathaus eingeladen. Zu Beginn wurden die Videos vorgespielt, die die Jugendlichen zum Thema produzierten hatten. Einige junge Filmmacher/innen wurden dazu interviewt. Dann kamen die Jugendlichen mit politischen Entscheidungsträger/innen ins Gespräch. An den World-Café-Tischen saßen jeweils zwei Jugendliche und sechs Politiker/innen beziehungsweise Verwaltungsmitarbeiter/innen und freiberufliche Planer/innen. Sie diskutierten in Kleingruppen an ihren Tischen. In der ersten Runde behandelten sie die Frage: »Welche räumliche Zukunft wollen beziehungsweise brauchen wir?« In der zweiten Runde drehte sich das Gespräch um die Frage: »Wie können wir den frischen Wind nutzen?« Die Gesprächsrunden dauerten jeweils 20 Minuten. Abschließend wurden die Highlights der Diskussion an den Tischen präsentiert.

Das World Café wurde kombiniert mit

  • Infoflyern zur Bewerbung der Veranstaltung, sie wurden über Bildungseinrichtungen in Wien und Niederösterreich verteilt
  • einer Facebook-Seite
  • etwa 50 von Jugendlichen produzierten Videoclips.

Was hat die Beteiligung gebracht?

Die Gespräche zwischen Jugendlichen und Fachleuten verliefen sehr praktisch und konkret. Ein doch eher abstraktes Thema, wie die Stadt-Umland-Entwicklung, konnte mit Emotionen vermittelt werden. Die Videos, mit denen die Jugendlichen ihre Ideen vorstellten, irritierten die Fachleute anfangs. Dadurch entstanden neue Sichtweisen und Erkenntnisse.

Zahlreiche Folgeprojekte zur Beteiligung von Jugendlichen an der örtlichen Raumordnung in einzelnen Gemeinden waren die unmittelbare Folge dieses World Cafés. Anwesende Bürgermeister/innen, etwa aus Mödling, Heiligenkreuz und Wolkersdorf konnten sich nach dieser Erfahrung eine konkrete Arbeit mit Jugendlichen in ihrer Gemeinde vorstellen und haben entsprechende Prozesse gestartet.

Die kleinen Tischrunden des World Cafés ermöglichten Jugendlichen und Politiker/innen in einem überschaubaren Rahmen und in kurzer Zeit sehr konkret auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren. Die Fachleute aus Politik und Verwaltung konnten die Anliegen der Jugendlichen im O-Ton und ungefiltert kennenlernen. Wichtig ist, die Jugendlichen auf das Setting im World Café einzustimmen. Die angenehme Atmosphäre im Raum half den Teilnehmer/innen, sich wohl zu fühlen und bei den Diskussionen zu entfalten.