Durchführung

Durchführung eines World Cafés

Eröffnung und Einleitung

Ein World Café wird von einem oder auch mehreren Moderator/innen – je nach Gruppengröße – angeleitet. Nachdem die Teilnehmer/innen an den Tischen Platz genommen haben, begrüßt die Moderatorin/der Moderator und erläutert den Rahmen, die inhaltliche Ausrichtung, das Ziel des Treffens und den Ablauf.

Café-Etiquette

In einem World Café gibt es Konversationsregeln oder Umgangsformen: die Café-
Etiquette. Es handelt sich um eine Sammlung einfacher Prinzipien, die sich darin bewährt haben, eine bestimmte Qualität des Gesprächs zu befördern.

  • Fokussiere auf das Wesentliche.
  • Teile deine eigenen Gedanken mit.
  • Sprich mit Herz und Verstand.
  • Höre zu, um zu verstehen.
  • Knüpfe an Gedanken/Ideen deiner Gesprächspartner/innen an und verknüpfe Gedanken/Ideen zu Neuem.
  • Achte auf gemeinsame Erkenntnisse, Denkmuster und tiefgründige Fragen.
  • Geh spielerisch mit Gedanken um und schreibe, zeichne auf der Tischdecke mit.
Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Es gibt verschiedene Varianten dieser Gesprächsregeln. Die Formulierungen können an den jeweiligen Kontext angepasst werden. Wesentlich sind die Vermittlung der ihnen innewohnenden Haltung des achtsamen Zuhörens und Sprechens, der Verantwortung jedes Einzelnen zum Gelingen des Ganzen und der lustvoll-spielerische Zugang zur gestellten Aufgabe. Diese Regeln sollten gut sichtbar im Raum hängen, während die Moderatorin/der Moderator sie vorstellt.

Die Gesprächsrunden

Wenn es keine Fragen mehr zum Ablauf gibt, leitet die Moderatorin/der Moderator über zur ersten Gesprächsrunde. Die erste Frage wird vorgestellt – visualisiert auf einem Flipchart oder auf einer Power-Point-Folie – , sie eröffnet das Gespräch.

Während der Gespräche geht die Moderation von Tisch zu Tisch, ermuntert zur aktiven Teilnahme und erinnert an das Notieren/Zeichnen der Ideen auf dem »Tischtuch«. Nach Ablauf der Zeit wird mittels eines akustischen Zeichens das Ende dieser Gesprächsrunde angekündigt.

Eine Person pro Tisch wird gebeten, am Tisch zu bleiben, die neuen Gäste zu begrüßen und kurz die Ergebnisse der ersten Runde vorzustellen; alle weiteren Teilnehmer/innen wechseln an neue Tische, möglichst so, dass sie mit neuen Gesprächspartnern am Tisch sitzen. Die »Reisenden« tragen zentrale Ideen, Themen und Fragen in die neuen Gespräche.

Mit jedem Tischwechsel werden die Fäden aus dem letzten Gespräch mit denen der neu Hinzugekommenen verknüpft – so kann Neues entstehen.

In der dritten Runde kehren die Teilnehmer/innen entweder wieder an ihren ersten Tisch zurück und führen ihre jeweiligen Entdeckungen zusammen oder sie wandern wieder weiter an einen neuen Tisch. Die Gastgeber/innen können an ihren Tischen bleiben oder auch bei jeder Runde wechseln. Diese möglichen Varianten sollten im Vorfeld überlegt und festgelegt werden.

Es kann in der Veranstaltung einer einzigen Frage nachgegangen werden, die über mehrere Runden hindurch exploriert wird. Oder es sind mehrere Fragen, die die Entdeckungsreise durch mehrere Runden des Dialogs logisch weiter entwickeln und unterstützen.

Wenn die Gespräche an den Tischen hitzig werden und viele gleichzeitig sprechen, kann es empfehlenswert sein, einen Redegegenstand – einen Stein, einen Stift oder ein sonstiges Objekt – einzusetzen: Nur wer den Redegegenstand in der Hand hält, spricht. Alle anderen hören zu, bis der Gegenstand wieder in der Mitte liegt und der oder die nächste ihn in die Hand nimmt und zu sprechen beginnt.

Abschluss

Nach mehreren Runden erhalten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse aus den Gesprächsrunden mit der ganzen Gruppe zu teilen.

Die Ergebnisse können auf unterschiedliche Weise festgehalten und der gesamten Gruppe zugänglich gemacht werden:

  • Essenzen auf Kärtchen oder Post-its
    Die Teilnehmer/innen werden gegen Ende der letzten Gesprächsrunde aufgefordert, an jedem Tisch drei bis vier Essenzen – Ideen, Einsichten, Entdeckungen – auf Karten oder auf A5-Post-its festzuhalten. Diese werden dann reihum im Plenum von den Teilnehmer/innen vorgestellt.
  • Clustern
    Die Essenzen auf Kärtchen oder Post-its werden anschließend an der (Pinn-)Wand geclustert.
  • Graphic Recording
    Ergebnisse und Einsichten werden während der Präsentation von einer Person mit Hilfe von textlichen und grafischen Elementen festgehalten.
  • Gallery Walk
    Die »Tischtücher« aller Tische werden an die Wand gepinnt oder an einer Leine aufgehängt. Sie können bei einem Rundgang von den Teilnehmer/innen begutachtet werden.
  • Café-Zeitung
    Die Ergebnisse werden in einer Zeitung oder einem Bilderbuch zusammengefasst und herausgegeben und damit einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Als Abschluss kann die Moderatorin/der Moderator mit der gesamten Gruppe noch eine kurze Reflexion anleiten mit dem Ziel, die wichtigsten Einsichten zu sichern, entstandene Muster zu erkennen oder die nächsten möglichen Schritte anzudenken.