Der erste Raum in U-Prozess

Raum der Bewusstwerdung – Der erste Raum im U-Prozess

1. Schritt: Stoppen des Downloadings

Die größte Schwierigkeit, die gewohnheitsmäßigen Strategien und Denkmuster bei der Bearbeitung von umfassenden sozialen Anforderungen zu verändern, ergeben sich bei der Wahrnehmung und der ersten Annäherung. Es geht darum, die Anwendung gewohnheitsmäßiger erfolgreicher Lösungen aus der Vergangenheit, den Prozess des »Downloadings«, der unreflektiert auf die neuen Herausforderungen angewendet wird, zu verhindern oder zu unterbrechen.

Dieser Prozess des Unterbrechens gewohnheits- und vergangenheitsorientierter Lösungsmuster (Suspension) ist die Eintrittskarte in das kreative Feld (Burow/Hinz 2003). Allerdings ist dies aufgrund eigener prägender Erfahrungen in der Lebens- und Berufsbiografie und den damit erworbenen »mentalen Modellen« und den Lösungsstrategien des »Mehr oder weniger von demselben« gar nicht so einfach zu realisieren.

Zudem ist die Illusion des »Downloadings« bewährter Strategien auch nicht für jeden sofort ersichtlich. Der Geschwindigkeitsdruck und der Wunsch nach schnellen Lösungen im Umfeld und bei einem selbst sind zum Teil übermächtig. Gelingt es nicht, das »Downloading« zu unterbrechen, zementiert dies die Fragmentierung der unterschiedlichen Perspektiven und festigen die einmal eingenommenen Standpunkte. Es zeigt sich eine scheinbar nicht auflösbare Erstarrung aller Positionen – zumeist als formuliertes Ergebnis aller Beteiligten: »alter Wein in neuen Schläuchen«.

In diesem Schritt beginnt der Zugang zu den persönlich bedeutsamen Geschichten. Alle Anwesenden bekommen ein Blatt, auf dem sie zuerst eine wertschätzende Situation/Geschichte zum Thema des Abends aufschreiben. Eine Situation/Geschichte, die sie selbst erlebt haben und die für sie persönlich eine hohe Bedeutsamkeit hatte. Als nächstes malen sie noch ein Symbol für die Geschichte auf ihr Blatt und geben dem Ganzen eine Überschrift oder einen Titel.

Als nächsten Schritt bekommen die Beteiligten den Auftrag, sich auf einen »Marktplatz« zu treffen und sich gegenseitig die Symbole zu ihren Geschichten zu zeigen. Welches Symbol spricht mich an, welches Symbol interessiert mich, mit wem möchte ich mich austauschen? Nach dieser Phase setzen sich jeweils 6 bis 7 Personen zusammen und erzählen sich gegenseitig ihre wertschätzenden und persönlich bedeutsamen Geschichten.

Der Übergang vom ersten Raum (Gemeinsam erforschen) zum zweiten Raum (Sich vergegenwärtigen) wird durch das Veröffentlichen der einzelnen Geschichten aus den Gruppen begleitet (siehe Abbildung »Der U-Prozess«). Für das Plenum wird dann aus jeder Gruppe jeweils eine persönlich bedeutsame Geschichte vorgelesen. Diese Phase erfordert sehr viel Sensibilität und eine Unterstützung seitens der Moderatoren. Aus jeder Gruppe meldeten sich Menschen, die ihre persönliche Geschichte erzählen wollten. Allerdings, erzählen die meisten Teilnehmer/innen zu Beginn nicht eine persönliche Geschichte, sondern sie reden über jemanden aus ihrer Geschichte. In dieser Phase unterstützt der Moderator die Teilnehmer/innen durch Fragen. Er fragt beispielsweise, was sie an dieser Situation so berührt hat, was sie gefühlsmäßig angesprochen hat, was für sie persönlich bedeutsam war.

2. Schritt: Seeing

Im zweiten Schritt geht es darum, die Wahrnehmung zu differenzieren, zu vertiefen und den Kern der sozialen Herausforderungen zu erkennen (Seeing). Das bedeutet für die Beteiligten, sich von ihren alltäglichen Denk- und Bewertungsmaßstäben zu lösen. Wichtig ist, diesen Prozess nicht mit einer klassischen Ist-Analyse über Daten und Zahlen zu starten. Vielmehr geht es darum, den Kern der sozialen Herausforderungen und die entsprechenden Fragestellungen ganzheitlich zu erfassen. Von großer Bedeutung ist in diesem Raum die Auseinandersetzung mit Menschen, die wirklich an Veränderung interessiert sind (Stakeholder) und mit Schlüsselpersonen (Key-Persons). Hier können beispielsweise Interviews durchgeführt werden, die nach spezifischen Dialogkriterien aufgebaut sind (vgl. Hinz/Garz 2005).

Gelingt es einer Gruppe nicht, die Wahrnehmung der gestellten Herausforderungen zu differenzieren, fällt sie wieder in die alten Muster des »Downloadings« zurück. Die Beteiligten haben sich zwar angestrengt, zeigen sich engagiert und haben in hohem Maße ihre Energie eingesetzt – aber es ist alles beim Alten geblieben oder die Lösungen werden dem Aufwand in keinster Weise gerecht.

3. Schritt: Sensing

Werden der Kern der Herausforderungen und die dazugehörenden Fragen deutlicher, sind die Beteiligten in der Lage, sich tiefer mit den Herausforderungen und den sich daraus ergebenden Anforderungen zu beschäftigen. Sie können sich nun in einer anderen Qualität mit den zukünftigen Aufgaben auseinandersetzen. Die Fragmentierungen, die an der Oberfläche noch deutlich wahrgenommen werden können, lösen sich langsam auf. Es werden unterschiedliche Perspektiven eingenommen – »Lernreisen« werden unternommen, Dialogveranstaltungen und Formen prozessorientierter Zukunftsmoderation werden durchgeführt. Die Beteiligten generieren gemeinsam ein kreatives Feld (vgl. Burow 2002, Burow &Hinz 2003), in dem die gemeinsame Basis der Beteiligten in den Mittelpunkt rückt. Bisherige Fragmentierungen lösen sich auf, alte Strategien können losgelassen, tiefere Quellen der Kreativität erschlossen, innovative Gestaltungskompetenzen entwickelt werden. Es entstehen neue gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten.

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