Praxisbeispiel

Planspiel »Demokratie-Bausteine – Mein Land. Dein Land. Unsere Union«

Politisches Handeln erproben

In der politischen Bildung in Schule und Ausbildungsinstitutionen stand lange Zeit der sachkundliche Zugang zum Thema Politik im Mittelpunkt, also das politische Denken und nicht das politische Handeln. Die Praxis politischer Bildung zeigt allerdings, dass Handlungs- und Partizipationsmöglichkeiten stärker genutzt werden sollten, um den aktuellen Gegebenheiten gerecht zu werden. Das Planspiel wurde unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit größtmöglicher Partizipation von 16 Jugendlichen der Altersgruppe von 14 bis 16 Jahren erstellt und gemeinsam so konzipiert, dass die Spielerinnen und Spieler politisches Handeln erfahren und erproben können.

Demokratie erleben

Ziel des gesamten Projektes war es, einer Gruppe von Jugendlichen das vielfältige Erleben von Demokratie zu ermöglichen, um dann mit ihnen gemeinsam einen Weg zu finden, auch anderen jungen Menschen eben diese Erfahrung zu eröffnen. Im Fokus stehen dabei das Erleben von Ziel- und Interessenskonflikten und die Gestaltung von Problemlösungsprozessen. Ziel ist es, Jugendlichen Erfahrungen anzubieten, die neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen und ihnen die Chance bieten, ein Rollenverständnis als politisch handelnde Person zu entwickeln.

Durch die aktive Gestaltung von verschiedenen Identitäten und Kulturen können junge Menschen ihre fachlichen, methodischen, sozialen und ethischen Kompetenzen erweitern. Sie erkennen die Bedeutung von Toleranz und die Zusammenhänge in Entscheidungsabläufen. Sie erfahren, wie und warum Entscheidungen fallen und erweitern ihre selbstständige Urteilsbildung und kommunikativen Kompetenzen wie Zuhören und Argumentieren. In der Zusammenarbeit vertiefen sie ihre Demokratie- und Europakompetenz und lernen die Europäische Union als Problemlösungsplattform kennen.

Junges Entwicklungsteam

16 Jugendliche im Alter von 14–16 Jahren aus der Steiermark (Schüler/innen der Bundeshandelsakademie und der Bundeshandelsschule Eisenerz) und der Gemeinschaftsschule in Itzehoe, Schleswig-Holstein, haben mit einem professionellen Entwicklungsteam in 18 Monaten das Grundgerüst eines Planspiels weiterentwickelt und zur Produktionsreife geführt. In Projektwochen, Arbeitsgruppentreffen und Testspielläufen wurde das Planspiel entwickelt. Der Verein beteiligung.st hat das partizipative Konzept erstellt und umgesetzt. Zentral war die größtmögliche Einbindung des jungen Projektteams. Im Mittelpunkt standen dabei immer das eigene Erfahren und das wiederholte Durchspielen des wachsenden Planspielgrundgerüsts. Gemeinsam mit dem Entwicklungsteam und der Unterstützung von Studierenden der Karl-Franzens-Universität Graz bauten sie das Planspiel inhaltlich aus (vgl. Verein beteiligung.st, 2011).

Die Spielerinnen und Spieler steigen in die Welt des Spieles ein und lernen fiktive Länder kennen, für die sie eigene Kulturen schaffen. Damit erzeugen sie auch ihre eigene Identität. Diese und die sozioökonomischen Faktenlage führen aufgrund der zu bewältigenden Ereignisse zu Ziel- und Interessenkonflikten, die unmittelbar erlebt und gelöst werden müssen.

Ergebnisse des Prozesses

Ab Herbst 2011 wurde das Planspiel mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Bundeshandelsakademien und Allgemein Bildenden Höheren Schulen in der Steiermark in Zusammenarbeit mit der Universität Graz getestet. Mittlerweile geht die zweite Forschungsphase mit Landesberufsschulen und Berufsbildenden Höheren Schulen zu Ende, bei der auch die BHAK/BHAS Eisenerz wieder teilgenommen hat.

Nach dem Einarbeiten der neuen Erkenntnisse wird das Spiel steirischen Schulen und Jugendgruppen nach einem Einführungsseminar zur Verfügung gestellt. Die BHAK/BHAS Eisenerz war im Mai mit der Klasse 2 b vertreten. Die oben erwähnten Fertigkeiten und Erfahrungen trafen auch in dieser Klasse zur Gänze zu. Die Schüler/innen – auch diejenigen, die sich im Normalfall nicht sehr an ihrem politisch-gesellschaftlichen Umfeld beteiligen – waren von ihren Rollen und dem Spielaufbau im Gesamten gesehen begeistert. »Ich habe gar nicht gewusst, dass Planspiele so spannend sein können« oder »Es wundert mich, dass ich mich so im Spiel engagiert habe. Super!« waren nur zwei der positiven Rückmeldungen.