Organisatorischer Rahmen

Notwendiger organisatorischer Rahmen

Community Organizing ist ein Prozess, der in der Regel mehrere Jahre für den Aufbau und erst recht für die längerfristige, wirkungsvolle Umsetzung benötigt.
Ein Community Organizing Prozess braucht eine/n Organizer, der/die den Prozess vorantreibt, viele Gespräche führt, strategisch versiert ist, aber selber im Hintergrund bleibt. Die Finanzierung eines Organizers sollte sichergestellt sein.

Für die Bürgerplattformen, die in Zusammenarbeit mit dem DICO entstehen, sind drei Schritte im Verlauf von 2 bis 3 Jahren spezifisch (Penta/Düchting 2014, S. 58).

  • In der ersten Phase werden finanzielle Mittel akquiriert und erste Sondierungsgespräche geführt, um die Möglichkeit und die lokale Resonanz zu erkunden.
  • Gelingt dieser Schritt, findet sich im zweiten Schritt ein wachsender »Kernkreis« von Menschen und Gruppen, die konkret mit einer Organizing Kraft des DICO daran arbeiten, weitere Gruppen für die Plattform und einen beständigen Kreis von Förderern zu gewinnen.
  • Ist eine »kritische Masse« an Gruppen erreicht, gründet sich die Plattform mit einer großen öffentlichen Veranstaltung, bei der die Gruppen einander ihre Mitarbeit und ihren finanziellen Beitrag zusagen.

Bedingungen für Projekte, die CO im Rahmen von (öffentlich finanzierter) Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit umsetzen

Die Frage der unabhängigen Finanzierung ist zwar sehr wichtig, aber nicht allein entscheidend dafür, ob Community Organizing auch in Projekten der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit umgesetzt werden kann. Ob es gelingen kann, handlungsfähige, mächtige Organisationen der Zivilgesellschaft aufzubauen, hängt nach unseren Erfahrungen an folgenden Faktoren:

  • Gibt es professionelle Begleitungen, die über ein fachliches Know How aus dem CO verfügen (Organizer) und die eine klare, ständig reflektierte, innere CO Haltung haben, mit der sie ihre Aufgaben gestalten?
  • Ist der Anstellungsträger konzeptionell offen oder besser noch überzeugt davon, dass die Entwicklung von Selbstorganisation angestrebt wird?
  • Erarbeitet sich die neu geschaffene Organisation der Zivilgesellschaft, zumindest teilweise, eine eigenständige Finanzierung, so dass sie auch auf »eigene Mittel« zurückgreifen kann (so gering sie vielleicht zunächst auch sein mögen)?
  • Ist der Organizer und die Organisation eingebunden in ein CO–Netzwerk, das fachliche Reflexion, Anleitung, Training und kollegialen Austausch ermöglicht – sowohl für die beratenden Profis als auch für die aktiven freiwillig Engagierten?

Anwendungsfelder

Community Organizing ist vor allem überall dort eine wichtige Strategie und Methode, wo es darum geht, Teilhabe an demokratischen Prozessen mit den Menschen umzusetzen, die sich bisher eher als ohnmächtig und »überflüssig« erleben. Es ermöglicht den Blickwechsel vom Tun für andere – hin zum wirkungsvollen gemeinschaftlichen Tun mit anderen. Was mit einer aktivierenden Befragung begann, sollte möglichst mit Community Organizing weiter begleitet und »bearbeitet« werden.

Neben dem bleibenden Ziel, dauerhafte Organisationen aufzubauen, werden Methoden aus dem Werkzeugkasten des Community Organizing zunehmend in lokalen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten eingesetzt und führen dort zu Erfolgen, wo es eher um das Herbeiführen positiver Veränderungen geht.

Wenn hingegen nur zum Zweck organisiert werden soll, um eine bestimmte Fehlentwicklung zu verhindern, ist weiterhin den in »Bürgerinitiativen« entwickelten Spontan-Taktiken der Vorrang zu geben.

Nachbarschafts- und Stadtteilorganisationen in Deutschland

Seit über 20 Jahren wird Community Organizing in Deutschland praktiziert. Community-Organizer unterstützen aktivierende Sozial- und Gemeinwesenarbeit, Mieterinitiativen, unabhängigen Bürgerorganisationen und Stadtteilentwicklungen. Gefördert, vernetzt und beraten wird dies vor allem durch den Verein FOCO.

Das »Deutsche Institut für Community Organizing« (vgl. DICO) widmet sich dem Ansatz »broad based organizing« und baut erfolgreich Bürgerplattformen auf.

Situatives Community Organizing

CO lässt sich nicht nur in der Nachbarschaft des Stadtteiles anwenden, sondern auch auf die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in einer speziellen Lebenssituation. An den unten genannten Internet-Beispielen (vgl. ARBEIT ZUERST eG, myself e.V., SG) wird klar, was damit gemeint ist.

Eine Grenze der Methode?

CO kann nicht 1:1 aus den USA nach Deutschland übertragen werden

Der US-Mentalität entspricht es, sich ohne öffentlichen Auftrag im eigenen Interesse um Organisationsaufbau und Geld beispielsweise für Personal zu kümmern. In Deutschland wird darauf verwiesen, dass die Finanzierung professioneller Unterstützung in der Zivilgesellschaft eigentlich staatliche, öffentliche Aufgabe ist. Deshalb bedarf es weiterhin großer Kreativität und Klarheit, um die Finanzierung des CO-Arbeitsansatzes zu verwirklichen. Verschiedene Beispiele zeigen allerdings, dass es auch unter Nutzung staatlicher Fördermittel möglich ist.