Praxisbeispiel ideenkanal

Förderung einer gesellschaftlichen Innovationskultur

Beim Busfahren, Duschen oder bei einem Glas Bier: Menschen haben täglich und überall auf der Welt Einfälle für neue Initiativen. Darin schlummert ein ungeheures Potenzial. Doch damit daraus auch sinnvolle Projekte wachsen können, braucht es einen fruchtbaren Boden. Dazu gehören neben dem Austausch mit Gleichgesinnten in erster Linie Zugang zu Fachwissen, entsprechende Kontakte, finanzielle Mittel und mediale Aufmerksamkeit.

Da es in ländlichen Regionen wie beispielsweise dem Alpenrheintal kaum entsprechende Angebote gibt, entstand im Jahr 2010 ein neuartiges Förderformat – der ideenkanal. In insgesamt zehn Durchgängen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz wurde dieses Format stetig verfeinert.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Das Augenmerk liegt auf der Förderung von Vorhaben, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden und einen positiven Beitrag zum Gemeinwohl leisten – egal ob in den Bereichen Ernährung, Bildung, Technologie oder Kunst und Kultur.

Entsprechende Initiativen dürfen dabei durchaus einen kommerziellen Hintergrund haben, um als Sozialunternehmen erfolgreich zu sein.

Unterstützer/innen, Mentoring und Crowdfunding – die Erfolgsfaktoren

Das Besondere am Ansatz des ideenkanals ist, dass die Einwohner/innen vor Ort aktiv in den Förderprozess einbezogen werden. Sie bewerten die Ideen, bringen sich als Mentor/innen ein und finanzieren die daraus resultierenden Projekte mittels Crowdfunding. Dadurch können bedürfnisorientierte Lösungen für lokale Herausforderungen entstehen, die von einer breiten Interessensgruppe getragen werden.

Öffentliches Ideen-Profil

Im Gegensatz zu herkömmlichen Förderformaten bewerben sich die Ideengeber/innen nicht mittels eines Förderantrags, sondern legen auf der Crowdfunding-Plattform www.startnext.com ein Ideen-Profil an. Die freigeschalteten Ideen erscheinen automatisch auf der Webseite des ideenkanals, wo auch die weitere Interaktion mit der Öffentlichkeit stattfindet. Gleichzeitig sind die Ideen aber auch auf Startnext sichtbar und können so von deren weitreichendem Netzwerk profitieren – ein großer Vorteil im Vergleich zu einer eigenen Software-Lösung.

Feedback einholen und Unterstützer/innen sammeln

Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung können die Ideengeber/innen Feedback einholen, Unterstützer/innen sammeln und ihre Idee laufend aktualisieren. Die zehn Ideengeber/innen, die bis zu einem vorab festgelegten Stichtag – ca. vier Monate nach Beginn der Einreichung – die meisten Unterstützer/innen gesammelt haben, qualifizieren sich automatisch für das Ideencamp. Aus den verbleibenden 30 meistgestimmten Ideen nominiert eine mehrköpfige Jury zehn weitere Ideengeber/innen.

Ideen mit Mentor/innen weiterentwickeln

Das viertägige Ideencamp verbindet Präsentations- und Mentoringformate mit inspirierenden Impulsvorträgen, Konzerten und kulturellen Auszeiten. Nach dem ersten Arbeitstag entscheiden sich die insgesamt 40 Mentor/innen für zehn Ideengeber/innen, mit denen sie an den Folgetagen – methodisch begleitet von jeweils einem Coach – tragfähige Projektpläne schmieden, an Geschäftsmodellen feilen und professionelle Crowdfunding-Kampagnen ausarbeiten. Abschließend präsentieren die Ideengeber/innen ihre gereiften Vorhaben der geladenen Öffentlichkeit.

Die Mentor/innen werden von der ideenkanal Stiftung gezielt eingeladen und vertreten die unterschiedlichsten gesellschaftlichen und beruflichen Bereiche. Hier trifft der Unternehmer auf die Sozialarbeiterin, der Treuhänder auf den Landwirt und die Spitzensportlerin auf den Handwerker. Das fördert den interdisziplinären Austausch von Expert/innen einer Region und stärkt Schnittstellen zwischen politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen.

Ideen mittels Crowdfunding finanzieren

Nach dem Ideencamp legen die Ideengeber ein definitives Fundingziel und entsprechende Gegenleistungen fest. Jeder, der möchte, dass die Idee Wirklichkeit wird, kann das Projekt finanzieren helfen und mit einem freien Betrag fördern. Die Unterstützer/innen können sich als Gegenleistung »Dankeschöns«, wie beispielsweise das fertige Produkt, auswählen.

Wenn das Projekt die festgelegte Finanzierungssumme erreicht oder überschreitet, bekommen die Initiator/innen das Geld ausbezahlt und können ihr Projekt realisieren – wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, geht das Geld an die Förderer zurück.

Indem die Öffentlichkeit aktiv mithilft, die Projektideen zu finanzieren, werden diese auf ihre regionale Nachfrage und Attraktivität getestet und bekannt gemacht. Dies fördert das Eigenengagement und Selbstverantwortung der Bevölkerung und weckt deren Innovations- und Unternehmergeist.

Standortbestimmung und Neustart

Gut eineinhalb Jahre nach dem Ideencamp kommen die Ideengeber/innen, Mentor/innen und Coaches eines Durchgangs zu einer Standortbestimmung zusammen und präsentieren ihre Fort- oder Rückschritte der Öffentlichkeit.

Danach beginnt der ideenkanal von vorne, wobei das wiederkehrende Ideencamp allen Teilnehmer/innen der Vorjahre als kontinuierliche Präsentations- und Netzwerkplattform mit internationalen Vernetzungsmöglichkeiten dient.

50 geförderte Projekte

In den vergangenen sechs Jahren hat der ideenkanal über 500 Ideen hervorgebracht, von denen rund 50 mit tatkräftiger Unterstützung von über 200 Mentor/innen langfristig gefördert und mit über 200.000 Euro finanziert wurden. So zum Beispiel der »Free Velo Point«, ein kostenloses Fahrrad-Verleihsystem in Liechtenstein oder »frooggies«-Fruchtpulver, das sich nach dem ideenkanal in der TV-Sendung »Die Höhle der Löwen« behaupten konnte und seither in zahlreichen Supermarktketten erhältlich ist.

Starkes Netzwerk – breit abgestützt in Wirtschaft und Politik

Der ideenkanal steht unter dem Patronat der Liechtensteinischen Landesregierung und wird von namhaften Unternehmen wie beispielsweise der Hilti AG unterstützt. Den rechtlichen Rahmen des ideenkanals bildet die gleichnamige ideenkanal Stiftung mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein.

Florian Büchel, Initiator Projekt »mychoice.info«, Liechtenstein:

»Natürlich haben auch die mediale Aufmerksamkeit sowie die Crowdfunding-Kampagne die Entwicklung von mychoice.info positiv beeinflusst. Mit einem der Mentoren verbindet uns zwischenzeitlich eine Freundschaft und wir treffen uns auch heute noch regelmäßig, um unsere Dienstleistungen zu diskutieren.«

Simon Egger, Initiator Projekt »Free Velo Point«, Liechtenstein:

»Der ideenkanal war für uns ein Sprungbrett, das uns ermöglicht hat, mit unserem Projekt so richtig loszulegen. Damit meine ich nicht einfach das Startkapital, sondern die Motivation, die mit dem Gewinn einherging, die Kooperationen, die sich durch die Bekanntmachung ermöglichten, sowie durch die Begleitung über den Wettbewerb hinaus, durch Mentoren und durch den Zuspruch des ideenkanal-Teams selbst.«

Andreas Bong, Mentor und Forschungsleiter, Hilti AG:

»Innovation ist mein Beruf und meine Passion. Ich möchte die Umsetzung von Ideen zur Nachhaltigkeit nicht nur im Unternehmen, sondern auch außerhalb fördern. Dafür bietet der ideenkanal die ideale Plattform.«

Markus Wallner, Landeshauptmann Vorarlberg:

»Beim ideenkanal geht es darum, engagierte Menschen mit kreativen und innovativen Ideen dabei zu unterstützen, ihre Vorhaben zu verwirklichen. Der enorme Zuspruch ist sehr erfreulich, denn er zeigt auf der einen Seite, wie viele engagierte Menschen es in unserer Region gibt. Auf der anderen Seite wird sichtbar, dass das Format ideenkanal den Nerv der Zeit trifft.«