Internet und Demokratie

Seite 3: Herausforderungen und Tendenzen

Herausforderungen und Tendenzen

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag hat in einer Studie bereits im Jahr 2005 die Auswirkungen der Internetkommunikation auf die Demokratie und ihre kulturellen Grundlagen untersucht. Darin sind eine Reihe von Veränderungen durch die netzbasierte Kommunikation deutlich geworden, aus denen sich bis heute allgemeine Herausforderungen ableiten lassen:

  • »Auf Seiten politischer Akteure wird das Netz als Medium politischer Kommunikation (Selbstdarstellung, Mobilisierung) und auf Seiten der Nutzer als Quelle politischer Information an Bedeutung gewinnen.
  • Ohne dass die massenmediale Öffentlichkeit an Bedeutung verlieren würde, wird eine Reihe von politischen Prozessen im Internet stattfinden (politische Information, Meinungsbildung und Deliberation, Agenda Setting, Organisation und Mobilisierung) und in Form von Themen, Debatten, politischen Aktionen auf die massenmediale Öffentlichkeit ausstrahlen.
  • Die Ausbildung »virtueller« politischer Kommunikationsgemeinschaften (entlang von politischen Interessen, Befindlichkeiten, Themen, Weltanschauungen) wird durch das Internet erleichtert. Damit nimmt nicht nur die Vielfalt politischer Kommunikation, sondern auch die Segmentierung von Öffentlichkeit zu.
  • Die Ansprüche politisch interessierter und gut informierter Bürger hinsichtlich des Zugangs zu politischen Informationen, der Transparenz politischer Prozesse und auch der Teilhabe an der Entscheidungsfindung über das Netz werden wachsen.
  • Für Nutzergruppen mit geringer Kompetenz im Umgang mit den Möglichkeiten politischer Kommunikation und Information im Netz (aufgrund des sozioökonomischem Status, Bildungsabschlusses, Alters) kann das Internet als Quelle politischer Information und Teilhabe verschlossen bleiben.
  • Die Offenheit des Netzes impliziert als negative Begleiterscheinung auch einen Mangel an Instanzen der Qualitätssicherung. Die Bewertung der Zuverlässigkeit und Seriosität der vielfältigen im Netz verfügbaren Informationen und Quellen und entsprechende Selektionsprozesse könnten nicht nur für die letztgenannten Nutzergruppen zu Problemen werden.«
Symbol: »Literaturtipp« (ein stilisiertes geöffnetes Buch)

Armin Grunwald et al: Internet und Demokratie – Analyse netzbasierter Kommunikation unter kulturellen Aspekten. TAB-Arbeitsbericht Nr. 100, Berlin, 2005 (Zitate S. 6/7 der Online-Zusammenfassung)