Glossar

Netzwerk
Unter »Netzwerken« versteht man in der Regel informelle Sozialformen, in denen sich die unterschiedlichsten Gruppen, Einrichtungen und Personen zueinander in Beziehung setzen können, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit aufgeben zu müssen.

Sie sind deshalb besonders geeignet für Formen der Zusammenarbeit, die über traditionelle bürokratische, politische oder kulturelle Grenzen hinausgehen. Sie beruhen auf der Bereitschaft ihrer Mitglieder, sich bei Bedarf die jeweiligen Fähigkeiten und Kenntnisse gegenseitig zur Verfügung zu stellen.

Online Volunteering
Unter »Online-Volunteering« wird das freiwillige Engagement von Menschen verstanden, die für gemeinnützige Organisationen unter Zuhilfenahme der technischen Möglichkeiten des Internets in der Regel von zu Hause aus tätig sind.

Online-Volunteering (engl. online=in Verbindung; engl. volunteer=Freiwillige/r) ist in Deutschland – im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum – ein noch weitgehend neues Betätigungsfeld. Zu den Aufgaben im Online-Volunteering gehört es, Webseiten zu erstellen, Übersetzungen anzufertigen, Recherchen im Internet durchzuführen oder in Foren und per E-Mail zu beraten. Online-Volunteering bietet vor allem weniger mobilen Personen oder Menschen mit Behinderungen gute Möglichkeiten sich zu engagieren. Durch Online-Volunteering können mehr Menschen als zuvor in immer weiteren Teilen der Erde zusammenarbeiten. Das Prinzip der Lokalität des Engagements, nach dem sich Freiwillige dort engagieren, wo sie wohnen, wird beim Online-Volunteering außer Kraft gesetzt.

Partizipation
Der Begriff Partizipation meint in einem engeren politischen Sinne die Einbindung von Individuen und Organisationen in öffentliche Entscheidungs- und Willenbildungsprozesse.

Der Begriff Partizipation (von lat. particeps: an etwas teilnehmend) wird im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Wissenschaft in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Grundsätzlich bedeutet Partizipation oder Teilhabe, am Leben in der Gesellschaft oder auch am Arbeitsleben teilnehmen zu können. In einem engeren politischen Sinne meint Partizipation die Einbindung von Individuen und Organisationen (sog. Stakeholdern) in öffentliche Entscheidungs- und Willenbildungsprozesse. Darunter fallen beispielsweise alle Verhaltensweisen von Bürgerinnen und Bürgern, die allein oder in einer Gruppe Einfluss auf politische Entscheidungen auf allen Ebenen des politischen Systems ausüben wollen. Zur Idee der aktiven Bürgergesellschaft gehört also die Einmischung in und die Mitgestaltung von politischen Entscheidungsprozessen unmittelbar dazu. Politische Partizipation und Teilhabe kann durch unterschiedliche Modelle und Methoden sichergestellt werden. Dabei werden verfasste (gesetzlich garantierte und geregelte) von nicht verfassten (gesetzlich nicht garantierte und ungeregelte) Formen der Partizipation unterschieden.

Selbsthilfe
Die Selbsthilfe ist eine Bewältigungsform von Krankheit, Behinderung und psychosozialen Problemen. Sie wird in der Regel unterschieden nach individueller und gruppenorientierter Selbsthilfe.

Zur individuellen Selbsthilfe gehört beispielsweise die Pflege kranker Angehöriger ohne Mitwirkung anderer Personen. Im Rahmen einer gruppenorientierten und sozialen Selbsthilfe schließen sich Menschen mit gleicher Problembetroffenheit außerhalb ihrer alltäglichen Beziehungen zusammen, um sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Selbsthilfegruppen engagieren sich in jüngerer Vergangenheit auch in den Bereichen Alter, Nachbarschaft, Kultur und Migration sowie im Kontext von Lebensproblemen.

Service Learning
»Service Learning« ist ein innovativer Ansatz des Lernens und Lehrens, der gesellschaftliches Engagement von Jugendlichen fest im Schulalltag verankert und mit fachlichen Unterrichtsinhalten verbindet.

»Service Learning« ist ein innovativer Ansatz des Lernens und Lehrens, der in Schule und Hochschule wie auch in anderen Bildungseinrichtungen umgesetzt werden kann. Service Learning will gesellschaftliches Engagement von Jugendlichen fest im Schulalltag verankern und mit fachlichen Unterrichtsinhalten verbinden. Unterricht wird praxisnah und handlungsorientiert. Junge Menschen können ihr in der Praxis erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen in den Unterricht einfließen lassen. Sie trainieren soziale und demokratische Kompetenzen. Dabei lernen Jugendliche, dass es sich lohnt, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Das Konzept stammt aus den angelsächsischen Ländern.

Sozialkapital
Soziales Kapital umfasst Werte und Normen, die solidarisches und auf die Gemeinschaft bezogenes Denken und Handeln unterstützen und so die gesellschaftliche Entwicklung fördern.

Dem interdisziplinär verwendeten Begriff Sozialkapital (oder soziales Kapital) liegen zwei Verständnisse zugrunde: die akteursorientierte Definition nach Pierre Bourdieu meint zum einen individuelle soziale Beziehungen, die sich vor allem aus Aktivitäten in Vereinen und Netzwerken ergeben, und die daraus entstehenden aktuellen und potenziellen Ressourcen. Dagegen umfasst der Begriff in der systemorientierten Definition nach Robert D. Putnam Werte und Normen, die solidarisches und auf die Gemeinschaft bezogenes Denken und Handeln unterstützen und so die gesellschaftliche Entwicklung fördern. Soziales Kapital entsteht durch die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger als Akteure des Gemeinwesens miteinander zu kooperieren. Dabei gilt als Grundannahme: Je mehr Sozialkapital - d.h. je mehr bürgerschaftliches Engagement und je mehr gemeinschaftliche Werte und Normen in einer Gesellschaft vorhanden ist - umso besser funktionieren Demokratie und Wohlfahrtsstaat. Zwei Formen von Sozialkapital werden unterschieden: Bindendes Sozialkapital (»bonding«) führt zu einer Festigung von Bindungen innerhalb von sozialen Gruppen und somit zu einer Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen. Überbrückendes (»bridging«) Sozialkapital überwindet dagegen die Grenzen zwischen Ethnien, Geschlechtern und sozialen Klassen und hat eine demokratiefördernde Bedeutung.

Stiftungen
Der Begriff der Stiftung ist gesetzlich nicht definiert. Als Oberbegriff bezeichnet er eine komplexe Vielfalt von Körperschaften, die im privaten, öffentlichen und kirchlichen Recht verankert sein können.

Stiftungen sind ein konstitutives Element der Bürgergesellschaft, Stiften ist eine Ausdrucksform aktiven Bürgerengagements. Der Begriff der Stiftung ist gesetzlich nicht definiert. Als Oberbegriff bezeichnet er eine komplexe Vielfalt von Körperschaften, die im privaten, öffentlichen und kirchlichen Recht verankert sein können. Stiftungen weisen zudem eine Vielzahl von Rechtsformen auf (z.B. rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts, Stiftungs-GmbH oder Stiftungsverein). Der Prototyp einer Stiftung ist die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie ist das klassische Instrument zur Verwirklichung eines auf Dauer angelegten Zwecks und untersteht der staatlichen Stiftungsaufsicht. Ihre Entstehungsvoraussetzungen sind in den §§ 80 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt, die durch die jeweiligen Landesstiftungsgesetze ergänzt werden. Eine Stiftung ist gemeinnützig, wenn ihr Zweck darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern. Mit dem Status der Gemeinnützigkeit ist regelmäßig die Steuerbefreiung der Stiftung verbunden. Auch sind gemeinnützige Stiftungen berechtigt Spenden entgegenzunehmen.

Volksentscheid
Der Begriff Volksentscheid bezeichnet die direkte Abstimmung der Bürgerinnen und Bürger über eine bundes- oder landespolitische Sachfrage. Synonym wird vielfach der Begriff »Volksabstimmung« verwendet.

In Deutschland sieht das Grundgesetz den Volksentscheid auf Bundesebene nur bei einer Neugliederung von Bundesländern vor. In den Bundesländern selber gibt es aber bei vielen Fragen die Möglichkeit des Volksentscheids. Bei einem Volksentscheid entscheiden die stimmberechtigten Bürger/innen in einer Abstimmung über bestimmte Sachfragen (in den Bundesländern meist im Bereich Bildungspolitik, Demokratie/Staatsorganisation, Infrastruktur). Weitere Begriffe für Volksentscheide sind meist definiert über die Einleitungsart: Während etwa ein Plebiszit von einem Staatsorgan ausgelöst wird (z.B. Präsident) und oft einen suggestiven Charakter aufweist, wird der Begriff Referendum zumeist für obligatorisch stattfindende Volksentscheide (z.B. zu Verfassungen) oder volksinitiierte Abstimmungen (fakultatives Referendum) verwendet.

Zivilgesellschaft
Das Leitbild der Zivilgesellschaft stützt sich auf bürgerschaftliches Engagement und eröffnet Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit für selbstorganisierte Mitgestaltung und Beteiligung, so wird der Begriff im Freiwilligensurvey 2004 verstanden.

Im deutschen wie im englischen werden diverse Begriffe gebraucht: Zivilgesellschaft, Bürgergesellschaft, civil society, civic society. Die Wurzeln der Zivilgesellschaft als politisch-philosophischer Begriff gehen zurück bis in 18. Jahrhundert, wichtig für den heutigen Stellenwert von Zivilgesellschaft in Europa waren aber vor allem die Freiheits- und Demokratiebewegungen in Osteuropa. Zivilgesellschaft wurde so zum Schlüsselbegriff für das antidiktatorische Bemühen, die Entmündigung durch den Staat zu beenden und neue Freiräume für gesellschaftliche Selbstorganisation zu schaffen.

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