Glossar

Ehrenamt
Der Begriff Ehrenamt bezeichnet ein freiwilliges, formalisiertes, verbindliches und andauerndes Engagement durch die Übernahme eines Amts, das ohne Entgelt und oft neben einer Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.

Als Ehrenamt gilt das klassische, auf das Gemeinwohl gerichtete Engagement in Verbänden und Vereinen, in politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Gremien sowie die Ämter der Schöffen, Betreuer und Bewährungshelfer.

Ehrenamtskarte
Eine »Ehrenamts-Karte« ist ein Instrument der Anerkennung für engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Die von einzelnen Städten oder Kommunen ausgestellte Karte würdigt dieses individuelle Engagement, indem der/die Kartenbesitzer/in beispielsweise Rabatte in öffentlichen Einrichtungen und Einzelhandelsgeschäften der entsprechenden Kommune erhält.

Enquete-Kommission
Enquete-Kommissionen sind offizielle Ausschüsse zu verschiedenen gesellschaftlichen Fragestellungen, die vom Deutschen Bundestag oder einem bundesdeutschen Landtag eingesetzt werden können.

Enquete-Kommissionen (enquete, frz. für: Untersuchung) dienen der Vorbereitung von Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe. Für die Dauer der 14. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (1998-2002) setzte der Deutsche Bundestag eine Enquete-Kommission zur »Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements« ein. Die Arbeit der Enquete-Kommission diente – neben der Entwicklung und Formulierung von konkreten politischen Handlungsempfehlungen – vor allem dazu, Engagementpolitik als eigenständiges Politikfeld zu etablieren. In Folge dieser Arbeit gründete sich neben dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) auf Empfehlung der Enquete-Kommission auf parlamentarischer Ebene der Unterausschuss »Bürgerschaftliches Engagement«. Die Mitglieder des Unterausschusses arbeiten an der Umsetzung der Beschlüsse der Enquete-Kommission. Darüber hinaus befassen sich die Abgeordneten mit laufenden Gesetzesvorhaben und Initiativen, die die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement betreffen und verfolgen Entwicklungen in der Bürgergesellschaft.

Freiwilligenagentur
Träger- und themenübergreifend informieren und beraten Freiwilligenagenturen Engagierte und Interessierte vor Ort zu den Aspekten der Freiwilligenarbeit, bieten und vermitteln Engagementmöglichkeiten unterschiedlicher Art.

Freiwilligenagenturen (oder auch: Freiwilligenzentren, Ehrenamtsbörsen, -büros) verstehen sich als Brücke zwischen engagementbereiten Menschen und gemeinwohlorientierten Einrichtungen, die mit Freiwilligen arbeiten. Viele Freiwilligenagenturen machen zudem Qualifizierungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit für das Thema Bürgerschaftliches Engagement. Sie entwickeln neue Engagementmöglichkeiten und entsprechende Projekte. Häufig verstehen sie sich als Plattform für die Freiwilligenkultur vor Ort mit Kontakten zu allen Akteuren der Gesellschaft: zu Organisationen des Dritten Sektors wie zu Kommune und Unternehmen. Träger- und Finanzierungsstrukturen variieren stark. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa) ist der Zusammenschluss kommunaler und regionaler Freiwilligenagenturen. Die bagfa agiert als bundesweites Netzwerk und unabhängige Interessenvereinigung der Freiwilligeneinrichtungen und vergibt seit 2005 ein Qualitätssiegel für Agenturen.

Freiwilligenarbeit
In der Regel bezeichnet der Begriff eine freiwillig gewählte und ohne Entlohnung geleistete Arbeit im gemeinnützigen Bereich.

Freiwilligenarbeit wird informell als individuelle Hilfe und Nachbarschaftshilfe oder institutionalisiert im Rahmen von Organisationen und Institutionen geleistet. Freiwilligenarbeit ist in vielen Bereichen der Gesellschaft möglich. Freiwilligenarbeit ergänzt und unterstützt bezahlte Arbeit, tritt aber nicht in Konkurrenz zu ihr. Freiwilligenarbeit kann auch im Rahmen von gesetzlich geregelten Freiwilligendiensten geleistet werden. Freiwilligenarbeit ermöglicht Einblicke in andere Lebensbereiche, erweitert die Sozialkompetenz, bietet Kontaktmöglichkeiten und kann Ausgleich zu Alltag oder Berufsarbeit sein. Die mit Freiwilligenarbeit beschriebenen Tätigkeiten können teilweise auch mit den Begriffen Ehrenamt, Selbsthilfe, freiwilliges Engagement oder bürgerschaftliches Engagement erfasst werden, so dass diese Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch nicht immer trennscharf benutzt werden.

Freiwilligendienst
Ein Freiwilligendienst ist ein freiwilliger Einsatz einer Person in einer gemeinwohlorientierten Einrichtung in einem zeitlich festgelegten Rahmen zwischen einigen Wochen und einem ganzen Jahr oder mehr.

Einige Freiwilligendienste sind gesetzlich geregelt (z.B. Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr). Die Freiwilligendienste unterscheiden sich damit im Selbstverständnis von anderen Formen des bürgerschaftlichen Engagements oder einer ehrenamtlichen Mitarbeit und grenzen sich mit dem Charakter der Freiwilligkeit auch deutlich von Pflichtdiensten wie dem Zivildienst ab. Bekannt ist in Deutschland vor allem das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr, daneben gibt es aber in jüngerer Zeit auch andere Formen wie z.B. den Europäischen Freiwilligendienst im Ausland oder generationsübergreifende Freiwilligendienste.

Freiwilligenmanagement
Der Begriff Freiwilligenmanagement beschreibt die strategische Komponente der Arbeit mit Freiwilligen.

Für die Gewinnung und Begleitung freiwillig und ehrenamtlich Engagierter wird in immer mehr Trägerorganisationen ein sog. Freiwilligenmanagement eingerichtet. Dabei sollen die Ziele, Aufgaben und Interessen der Organisation mit den Interessen, Erwartungen, Motivationen und Bedürfnissen der Engagierten aufeinander abgestimmt werden. Der Begriff Freiwilligenmanagement beschreibt eher die strategische Komponente der Arbeit mit Freiwilligen bzw. in der Organisation, bei der Freiwilligenkoordination stehen die konkreten Aufgaben im Vordergrund. Freiwilligenkoordination und -management richten sich an den Rahmenbedingungen, dem Handlungsfeld und der Zielgruppe eines Verbandes, einer Organisation oder einer Einrichtung aus. Organisationen formulieren damit auch in der Regel (überprüfbare) Standards. Aufgabe von Freiwilligenmanagement ist beispielsweise die Betreuung und Anwerbung der Freiwilligen, die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt sowie die Qualifizierung von Freiwilligen.

Freiwilligensurvey
»Freiwilligensurvey« ist die Kurzbezeichnung für eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zum freiwilligen Engagement in Deutschland.

»Freiwilligensurvey« ist die Kurzbezeichnung für eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die im Jahr 2009 zum dritten Mal (nach 2004 und 1999) vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Auftrag gegeben wurde. Ziel des Freiwilligensurveys ist es, das empirische Wissen über die vielfältigen Formen des bürgerschaftlichen Engagements zu verbreitern. Zugleich soll er die Voraussetzung schaffen, um Veränderungen im Bereich des freiwilligen Engagements zu erkennen und zu bewerten. Die Untersuchungsergebnisse sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern sollen insbesondere Politik, Verwaltung, Organisationen des Dritten Sektors sowie Wirtschaftsunternehmen Informationen bereitstellen, um die Rahmenbedingungen und Förderstrategien für freiwilliges, ehrenamtliches Engagement zu verbessern.

Fundraising
Fundraising meint die Beschaffung von Ressourcen für nicht-kommerzielle Organisationen.

Fundraising (engl.: »fund«, Geld, Kapital, Vermögen; »to raise«, beschaffen) umfasst auch die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle der Beschaffung von Ressourcen, die neben Geld auch Sach- und Dienstleistungen sowie Zeit- und Wissensspenden sein können. Die Ressourcen werden ohne eine materielle Gegenleistung erbracht. Zielgruppen der Ressourcenbeschaffung sind vorrangig Privatpersonen, der Staat, Stiftungen und Unternehmen. Unerlässlich für erfolgreiches Fundraising ist die intensive Auseinandersetzung mit potenziellen Ressourcengebern.

Gemeinnützigkeit
Unter dem Begriff »Gemeinnützigkeit« werden in der Regel die steuerbegünstigten Zwecke im Sinne der §§ 51 bis 68 der Abgabenordnung verstanden. Die Gemeinnützigkeit ist Voraussetzung für zahlreiche steuerliche Vergünstigungen.

Außerdem berechtigt sie unter bestimmten Voraussetzungen zum Empfang steuerbegünstigter Spenden. Der deutsche Staat gewährt privaten, gemeinnützigen Körperschaften Steuerbegünstigungen, weil sie entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip (Prinzip der Nachrangigkeit) Gemeinwohlaufgaben übernehmen, die der Staat sonst selbst wahrnehmen und für die er öffentliche Gelder aufwenden müsste. Die steuerliche Begünstigung spielt dann eine Rolle, wenn der Verein gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt; dabei wird im Sprachgebrauch »gemeinnützig« häufig als Oberbegriff für alle drei begünstigten Zwecke benutzt. Als gemeinnützige Zwecke führt § 52 AO unter anderen an: Förderung von Kunst und Kultur, der Religion, der Völkerverständigung, der Entwicklungshilfe, des Umwelt- und Denkmalschutzes, der Jugend- und Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens, des Wohlfahrtswesens und des Sports sowie ganz allgemein die Förderung des demokratischen Staatswesens in der Bundesrepublik Deutschland. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgt durch das zuständige Finanzamt. Mit dem »Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements« vom 10. Oktober 2007 wurden auch die Bestimmungen zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit verändert. Beispielhaft genannte gemeinnützige Zwecke wurden durch einen abgeschlossenen Kanon solcher Zwecke ersetzt, in dem die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements neu aufgenommen wurde.

Lokale Agenda 21
Der Begriff »Lokale Agenda 21« verweist auf ein Handlungsprogramm, das Kommunen in Richtung Nachhaltigkeit bzw. Zukunftsfähigkeit entwickeln soll.

»Global denken, lokal handeln!«: Mit diesem Leitsatz der Umweltbewegung lässt sich die Kernidee der Lokalen Agenda 21 zusammenfassen. Die Entwicklung der Kommunen soll in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der privaten Wirtschaft geschehen. Eine Lokale Agenda 21 umfasst somit strategische Elemente, die zur Förderung von Bürgerengagement erörtert und praktiziert werden: z.B. die sektorübergreifende (trisektorale) Kooperation von heterogenen Akteuren (aus Staat, Wirtschaft und Bürgergesellschaft) zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in sozialen, ökonomischen und ökologischen Handlungsfeldern. Vorbild für dieses kommunale Handlungsprogramm ist ein 1992 von den damaligen Mitgliedern der UNO verabschiedetes globales Programm, die sog. Agenda 21. Dieses Programm enthält Maßnahmen in zahlreichen Politikfeldern, um die Lebens- und Wirtschaftsweise der menschlichen Spezies zukunftsfähig zu gestalten. Die Agenda 21 spricht außer den internationalen Institutionen und den Nationalregierungen alle politischen Ebenen an.

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