Glossar

Anerkennungskultur
Anerkennung und Wertschätzung sind oft der wesentliche »Lohn« für das freiwillige, ehrenamtliche, bürgerschaftliche Engagement.

Menschen fühlen sich dann anerkannt, wenn ihre Leistung anerkannt wird. Es gibt mittlerweile vielfältige Formen der Anerkennungen. Sie reichen von traditionellen und neueren Formen der Würdigung und Auszeichnung bis hin zu Möglichkeiten der Partizipation in Organisationen, Vereinen und Einrichtungen sowie der Bereitstellung von sachlichen und finanziellen Ressourcen und Angeboten der Fortbildung und Qualifikation. Anerkennungskultur umfasst die Gesamtheit und die angemessene Mischung unterschiedlicher Formen der Anerkennung: ein Ganzes, das mehr ist als die Summe der Teile. Letztendlich drückt die Anerkennungskultur einer Organisation deren wertschätzende Haltung gegenüber den Freiwilligen aus.

Bürgerbegehren
Ein Bürgerbegehren ist der Antrag der Bürgerinnen und Bürger an die Gemeindevertretung, einen Bürgerentscheid durchzuführen.

Beim Bürgerbegehren tragen sich zunächst all diejenigen in Unterschriftenlisten ein, die möchten, dass ein Bürgerentscheid zu einem Sachverhalt im Regelungsbereich der Kommune stattfindet. Bürgerbegehren sind nicht dazu da, individuelle Einzelinteressen durchzusetzen. Bürgerbegehren dienen den Bürgerinnen und Bürger vielmehr dazu, Ratsbeschlüsse zu korrigieren bzw. Maßnahmen von allgemeinem Interesse durchzusetzen.

Bürgerentscheid
Ein Bürgerentscheid ist die Abstimmung der Bürgerinnen und Bürger über eine kommunalpolitische Sachfrage.

Wenn der Stadtrat, die Bezirksvertretung oder der Kreistag einer Gemeinde das Anliegen eines erfolgreich durchgeführten Bürgerbegehrens nicht übernimmt, kann ein »Bürgerentscheid« erfolgen. Die Bürgerinnen und Bürger gehen dabei – wie bei einer Wahl – zu den Abstimmungslokalen und geben ihre Stimme ab. Beim Bürgerentscheid gilt das Prinzip »Mehrheit entscheidet«, wobei in den meisten Bundesländern zudem Abstimmungsquoren erfüllt werden müssen. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid hat die gleiche Gültigkeit wie ein Ratsbeschluss.

Bürgergesellschaft
Das Leitbild der Bürgergesellschaft stützt sich auf bürgerschaftliches Engagement und eröffnet Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit für selbstorganisierte Mitgestaltung und Beteiligung.

Im deutschen wie im englischen Sprachgebrauch werden diverse Begriffe gebraucht: Zivilgesellschaft, Bürgergesellschaft, civil society, civic society. Die Wurzeln der Zivilgesellschaft als politisch-philosophischer Begriff gehen zurück bis in 18. Jahrhundert, wichtig für den heutigen Stellenwert von Zivil- und Bürgergesellschaft in Europa waren aber vor allem die Freiheits- und Demokratiebewegungen in Osteuropa. Zivilgesellschaft wurde so zum Schlüsselbegriff für das anti-diktatorische Bemühen, die Entmündigung durch den Staat zu beenden und neue Freiräume für gesellschaftliche Selbstorganisation zu schaffen.

Bürgerkommune
Das Konzept der »Bürgerkommune« will durch eine Erweiterung der Bürgerbeteiligung und des bürgerschaftlichen Engagements das Kräftedreieck und das Zusammenspiel zwischen Bürgerinnen und Bürgern, kommunaler Politik sowie Verwaltung neu gestalten.

Das Leitbild »Bürgerkommune« umfasst alle Lebensbereiche, die in lokalen Räumen organisiert sind, und alle Akteure, die unmittelbar auf das lokale Zusammenleben Einfluss nehmen. Dazu gehören z.B. örtliche Unternehmen, Selbsthilfegruppen, Vereine und andere Akteure des Dritten Sektors. Neben einer generellen Stärkung der (lokalen und kommunalen) Demokratie ist es Aufgabe der Bürgerkommune, den wichtigen Konsens zwischen dem Rat, der Verwaltung sowie den Bürgerinnen und Bürgern in Zukunftsfragen der kommunalen Politik und Entwicklung herzustellen und nachhaltig abzusichern. Den Kommunen wächst hierdurch eine Kraft zu, die ihnen in einer Zeit zunehmender demographischer und gesellschaftlicher Probleme eine erhöhte Attraktivität und eine unentbehrliche zusätzliche Legitimitätsgrundlage vermittelt. In einem transparenten und fairen Zusammenspiel von Bürgerschaft, öffentlicher Verwaltung und Gemeinderat entsteht so eine erhöhte Problemlösekapazität, die kein Beteiligter für sich allein zu Stande bringen kann.

Bürgerschaftliches Engagement
Bürgerschaftliches Engagement ist freiwillig, nicht auf materiellen Gewinn gerichtet, gemeinwohlorientiert, öffentlich bzw. findet im öffentlichen Raum statt und wird in der Regel gemeinschaftlich bzw. kooperativ ausgeübt.

In der öffentlichen Diskussion werden die Begriffe Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, Selbsthilfe oder freiwilliges Engagement, auch wenn sie im engeren Sinn verschiedene Formen des Engagements charakterisieren, häufig synonym zu bürgerschaftlichem Engagement verwendet. Die Enquetekommission »Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements« des Deutschen Bundestages hat 2002 für den Begriff inhaltliche Kriterien entwickelt: Bürgerschaftliches Engagement ist freiwillig, nicht auf materiellen Gewinn gerichtet, gemeinwohlorientiert, öffentlich bzw. findet im öffentlichen Raum statt und wird in der Regel gemeinschaftlich bzw. kooperativ ausgeübt. Bürgerschaftliches Engagement kann sowohl dauerhaft und kontinuierlich als auch kurzfristig und spontan angelegt sein.

Bürgerstiftung
Eine Bürgerstiftung ist eine selbstständige und unabhängige Institution zur Förderung verschiedener gemeinnütziger Zwecke in einem geographisch begrenzten Wirkungsraum.

Eine Bürgerstiftung ist eine selbstständige und unabhängige Institution zur Förderung verschiedener gemeinnütziger Zwecke in einem geographisch begrenzten Wirkungsraum, die einen langfristigen Vermögensaufbau betreibt und ihre Organisationsstruktur und Mittelvergabe transparent macht. Das Ziel einer Bürgerstiftung ist es, einer größeren Zahl von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen (Corporate Citizens) zu ermöglichen, ihre spezifischen Beiträge zum Gemeinwohl unter einem gemeinsamen Dach zu verfolgen. Bundesweit sind mehr als 300  Bürgerstiftungen (Stand Frühjahr 2011) aktiv.

Corporate Citizenship
Das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen, die sich über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus für gesellschaftliche Belange in ihrem Umfeld einsetzen, wird als »Corporate Citizenship« bezeichnet.

Dabei geht es um die Erzielung eines Nutzens für das Gemeinwesen wie für das Unternehmen. Die möglichen Themen- und Handlungsfelder von Corporate Citizenship sind ebenso vielfältig wie die unternehmerischen Herangehensweisen bzw. Engagementformen.

Direkte Demokratie
Direkte Demokratie bezeichnet eine demokratische Herrschaftsform, bei der politische (Sach-)Entscheidungen unmittelbar vom Volk in Abstimmungen getroffen werden.

Direktdemokratische Entscheidungen können prinzipiell sowohl von den Bürgerinnen und Bürgern als auch von den Parlamenten initiiert werden. In Deutschland ist die Direktdemokratie auf Kommunal- und Landesebene weit verbreitet (Bürger- bzw. Volksentscheide). Eine bundesweite Volksabstimmung ist lediglich bei der Neuordnung des Bundesgebietes vorgesehen. Direktwahlen von Amtsträgern (z. B. Bürgermeistern oder Regierungschefs) gehören nicht zur direkten, sondern zur repräsentativen Demokratie.

Dritter Sektor
Der »Dritte Sektor« umfasst alle Organisationen, die sich weder der Marktsphäre (Erster Sektor) noch der staatlichen Sphäre (Zweiter Sektor) zuordnen lassen.

In modernen Industriegesellschaften deckt der Dritte Sektor ein weites Spektrum von Organisationen ab. Organisationen des Dritten Sektors sind nicht Gewinn orientiert (daher auch der synonym verwendete Begriff Nonprofit-Sektor), sondern dienen den gemeinnützigen Zielen ihrer Mitglieder oder auch Dritter. Sie werden von ehrenamtlich Tätigen getragen und verfügen oftmals über eine hauptamtliche Infrastruktur, da die gemeinnützigen Ziele zumeist nicht ausschließlich durch freiwillig Aktive verwirklicht werden können. Die Finanzierungsstruktur des Dritten Sektors basiert auf mehreren Säulen. Neben der Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden sind Organisationen des Dritten Sektors auf Zuwendungen staatlicher Institutionen sowie auf Sponsoringmittel angewiesen. Der Einsatz von Fundraising-Instrumenten zur Finanzierung der Arbeit im Dritten Sektor hat sich in den letzten Jahren differenziert und professionalisiert, weil der Finanzierungsdruck durch den partiellen Rückzug der öffentlichen Zuwendungen gewachsen ist.

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