Praxis eDemocracy: Vernetzte Region Neuseenl@nd

Mit der »Vernetzten Region Neuseen­l@nd« haben sich die Initiatoren viel vorgenommen. Denn das innovative Vorhaben des Landkreises Leipziger Land soll die flächendeckende Vernetzung von 41 Schulen, 26 kommunalen Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen, ca. 1.800 Unternehmen und schließlich etwa 30.000 Haushalten erreichen. Die Region erhofft sich davon nicht nur eine völlig neue Qualität der Infrastruktur, die den Unternehmen der I&K-Branche ein außergewöhnliches Experimentierfeld liefert. Mit dem Projekt sollen auch kommerzielle Interessen zum Nutzen der Region mobilisiert werden, um den ca. 150.000 Einwohnern berufliche Perspektiven zu bieten.

Der 750 km² große Landkreis im Westen des Freistaates Sachsen gehörte zu den bis zur politischen Wende 1989/90 in Ostdeutschland am stärksten industrialisierten Gebieten. Mit dem Ende der dominierenden Bergbauära erlebte er einen beispiellosen Strukturbruch. 1990 rechnete man mit rund 56.000 Arbeitsplätzen im Montanbereich – heute sind es um die 5.000. Seit der Wende gab es daher in der Region einen ständigen Diskussionsprozess unter engagierten Akteuren. Er führte über drei Regionalkonferenzen zur Bildung von Organisationen wie dem Kommunalen Forum Südraum Leipzig. Beteiligt waren an diesem Prozess Bürgerinnen und Bürger, Behörden, Institutionen und die Agenda-Gruppe. Rund 80 Personen erarbeiteten so sieben Kernprojekte, die sich der Regionalentwicklung und dem Regionalmarketing widmeten.

Im Rahmen des Regionalmarketing wurde das Projekt »Vernetzte RegionNeuseel@nd« entwickelt. Dahinter steckt die Überlegung, dass die Beherrschung moderner Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts der Schlüssel ist, um den neuen Anforderungen des Arbeitsmarkts begegnen zu können. Außerdem geht es darum, Unternehmen Anreize für Ansiedlungen zu schaffen, die sie in dieser Form anderswo nicht finden. Die SL Südraum Leipzig GmbH setzt sich nun für die Umsetzung des Projekts ein. Bereits 1999 wurden dazu  EU-Fördermittel beantragt. Denn letztlich zielt die Idee darauf ab, im Sinne des EU-Sondergipfels von Lissabon eine europäische Modellregion zu schaffen.

»Das Vorhaben fand anfangs wenig Resonanz bei den Bürgern«, erinnert sich Christine Hoffmann von der Südraum Leipzig. Für die Bürgerinnen und Bürger war der Nutzen anfangs schwer fassbar. Doch das sollte sich ändern. Heute ist das Projekt auf vier Jahre konzipiert. Zwischen 2002 und 2005 sollen die unterschiedlichen Nutzergruppen im Intranet Neuseenl@nd vernetzt und mit dem Internet verbunden werden. Der innovative Charakter des Intranets Neuseenl@nd besteht darin, dass die Nutzer mit einfachen Endgeräten (Tastatur, Bildschirm) über eine Chipkarte Zugang zu einem persönlichen »virtuellen« PC erlangen, der als reservierter Bereich in einem regionalen Datacenter existiert. Entsprechend der unterschiedlichen Nutzergruppen gliedert sich das Projekt in verschiedene Bereiche: Schulvernetzung (MEDIOS), Pilotprojekt (InnoNetz), Geoinformationssystem, e-Government und andere. Die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger sei inzwischen sehr hoch, sagt Christine Hoffmann. »Diese Energie werden wir nutzen und durch den Ideenreichtum der Bürgerinnen und Bürger sicher weitere Unterprojekte kreieren«, ist sie sich sicher.

Am weitesten fortgeschritten ist derzeit die Vernetzung der Schulen. Das sächsische Förderprogramm MEDIOS ermöglichte bereits 40 Schulen mit Hard- und Software zu versorgen. Damit haben nun ca. 16.000 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, nach völlig neuen Methoden zu lernen und den Computer als normales Arbeitsmittel zum Wissenserwerb zu nutzen.

Zu den wichtigsten Vorhaben zählt aber die Gestaltung des so genannten »gläsernen Rathauses«. Ziele sind dabei die Erhöhung der Effizienz und Transparenz der Verwaltung bei gleichzeitiger Verbesserung der Dienstleistungen für die Bürger. »Dabei bietet eine Art »Intranet« für jeden Ort die besten Möglichkeiten zur breiten Integration der Bevölkerung, weil es die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger direkt betrifft und an ihnen ausgerichtet werden wird«, sagt Christiane Hoffmann. Bei der Umsetzung setzen die Südraum Leipzig GmbH und die anderen Akteure auf die aktive Unterstützung der Bevölkerung mit Hinweisen, Anregungen, aber auch Angeboten zur Nutzung bereits teilweise vorhandener Möglichkeiten und Ressourcen – von Räumlichkeiten bis zu ehrenamtlichen Trainings.

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