Praxis Stadtteilforen: Tübingen

»Ich glaube, dass es Stadtteilforen einfacher haben, sich innerhalb der Stadtverwaltung und des Gemeinderats Gehör zu verschaffen, als ein sonstiger Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern», sagt Marianne Gaiselmann, Koordinatorin für Stadtteilforen beim BürgerBüro Tübingen.  Aber um diesen Stellenwert zu erreichen, sei auch ein gegenseitiger Lernprozess von Verwaltung und Bürgerseite nötig. Immerhin wurden die Stadtteilforen in Tübingen bereits 1995 ins Leben gerufen. Zuvor hatte die Sozialverwaltung der Stadt die Entwicklung im Ort besorgt beobachtet. Auseinandersetzungen wurden gar nicht mehr öffentlich geführt, statt dessen kapselten sich Gruppen oder ganze Siedlungen voneinander ab, es gab kaum noch einen Austausch der Bürgerinnen und Bürger. Dieses Problem sollte durch die Stadtteilforen gelöst werden.
Bei der Einteilung der Stadt in fünf Räume wurden weniger die planerisch ausgewiesenen Stadtteile, sondern mehr die Identifikationsräume der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt. Um die Kluft zwischen Verwaltung und Bewohnerinnen und Bewohnern besser zu überbrücken, wurden anfangs Mediatoren eingesetzt. Jeder Stadtteil hatte nun eine Koordinatorin oder einen Koordinator, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützte, Sitzungen vorbereitete, Kontakt zu den Menschen und den Behörden hielt. Inhaltlich hielten sich diese Koordinatoren jedoch streng zurück. Die Stadtverwaltung verstand sich in diesem Prozess lediglich als Initiator, der die Gesamtkoordination übernahm und die Rahmenbedingungen stellte. Innerhalb der Foren entwickelten sich Arbeitskreise, die jeweils eine Sprecherin oder einen Sprecher ernannten. In den Arbeitskreisen wurden konkrete Probleme, wie zum Beispiel das Thema Verkehr, angesprochen und Lösungen diskutiert. Die Sprecherinnen und Sprecher kamen dann mit dem Koordinator zusammen, um über die weitere Planung und das Vorgehen zu reden. Schließlich wurde viermal im Jahr ein Plenum aller Arbeitskreise veranstaltet, die öffentlich abgehalten werden und jedermann offen standen. Zu besonders brisanten Themen wurde außerdem zu Veranstaltungen eingeladen, an denen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung und Politik teilnahmen.

Bis heute bestehen mehrere Stadtteilforen und Planungsgruppen. Sie alle verstehen sich nicht als Gegner des Stadtrats, sondern wollen mit diesem zusammenarbeiten und dessen Arbeit ergänzen. »Für Tübingen hat sich das Modell auf jeden Fall bewährt«, meint Marianne Gaiselmann.  Allerdings schwanke das Interesse der Bürgerinnen und Bürger recht stark. »Während dieser Durststrecken hat es sich als sehr sinnvoll erwiesen, dass die Stadtteilforen durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin des BürgerBüros unterstützt und begleitet werden. Dies gewährt eine Kontinuität, die sonst nur schwer zu gewährleisten ist«, betont die Koordinatorin. Die Mietkosten für das Büro trägt die Stadt, die Personalkosten werden derzeit durch ein Landesprogramm Baden-Württembergs getragen. Doch »gerade in Zeiten knapper Kassen« dürfe nicht an der Bürgerbeteiligung gespart werden, finden die Mitarbeiter/innen des BürgerBüros.

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BürgerBüro Tübingen
Koordinationsstelle Stadtteilforen
Marianne Gaiselmann
Bei der Fruchtschranne 6
D-72070 Tübingen
Telefon (0 70 71) – 21 315
Telefax (0 70 71) – 252298
E-Mail: buergerbuero-tuebingen@t-online.de
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