Praxis Planungswerkstatt: Friedberg – Bürgerorientierte Stadtentwicklung

Bürgerinnen und Bürger stehen dicht gedrängt und beugen sich über Modellstädte und betrachten Karten an Stellwänden.

Die Stadt Friedberg stand unter Druck, die Innenstadt hatte stark an Attraktivität verloren gegenüber den Einkaufszentren außerhalb auf der »Grünen Wiese». Diese Situation wollte die Stadt nicht mehr länger akzeptieren und beschloss, die historische Altstadt Friedbergs umzugestalten. Im April 2002 startete ein offener Planungsprozess mit einer Stadtführung, an der sich fast 150 Bürger/innen beteiligten. Sie identifizierten die Brennpunkte der Stadt, sammelten und diskutierten bereits Lösungsvorschläge. Diese waren die Grundlage für die  Offene Planungswerkstatt, Kernstück des offenen Planungsprozesses. Ein ganzes Wochenende lang trafen sich Bürger/innen, ehrenamtliche Vertreter gesellschaftlicher Gruppen, Vertreter aus Verwaltung und Politik und fachkundige Planer. Ergebnisse der moderierten Arbeitsgruppen waren unter anderem mögliche Standorte für ein Bürger- und Kulturzentrum und die Vernetzung der innerstädtischen Grünflächen. Die Vorschläge wurden bereits einen Tag später auf einem Architektenworkshop zusammengefasst und eine Woche später bei einer Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert.

Aus diesem Planungsprozess heraus beschloss der Stadtrat schon sechs Wochen später ein Maßnahmenpaket. Ziel war, der Öffentlichkeit schnelle Erfolge zu präsentieren und den Schwung aus dem Prozess weiter- zutragen. Die Friedberger Allgemeine schrieb: »Tatsächlich herrscht mit dem Fortschreiten des offenen Planungsprozesses eine Aufbruchstimmung in Friedberg, wie man sie schon lange nicht mehr gespürt hat. Es rührt sich was in dieser Stadt.« Zu den Sofortmaßnahmen gehörte zum Beispiel die Umgestaltung der geplanten Altstadt-Tangente, außerdem kümmert sich ein neuer Verein um die Einrichtung des Bürger- und Kulturzentrums und der Wochenmarkt wurde wieder an seinen historischen Platz verlegt. Darüber hinaus wurde anhand der Ergebnisse aus dem Planungsprozess die Rahmenkonzeption für die Stadtsanierung aktualisiert. Weitere Projekte stehen an.

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