Praxis Planning for Real®: Stolzenhain/Brandenburg

»Jedes neue Projekt ist eine Herausforderung, denn jeder Ort ist anders«, so Claudia Schwarz von Technet Berlin, »aber ein ›Planning for Real‹ in einem kleinen Dorf, wo zwar jeder jeden kennt, man selbst aber von außen kommt, das war eine besondere Herausforderung.« Dabei ist gerade das Leben in ländlichen Gegenden in Ostdeutschland, wie in dem kleinen Ort Stolzenhain in Brandenburg, heute nicht mehr so attraktiv. »Seit der Wende ist hier nicht mehr viel passiert«, meinten die Bewohnerinnen und Bewohner von Stolzenhain. Doch das sollte sich durch das »Planning for Real« ändern.

Mehrere Frauen diskutieren hinter einem Stadtteilmodell stehend.

Der erste Schritt war klar: Es musste Unterstützung im Ort gefunden werden. Daher wurden zwei ABM-Stellen zur Verfügung gestellt, die mit zwei Frauen aus dem Dorf besetzt wurden. Sie nahmen zunächst Kontakt zu den Bürgermeisterämtern der umliegenden Gemeinden, sowie zu Gruppen und Organisationen des Ortes auf. Bereits bei einem ersten Bürgergespräch äußerten viele Bewohnerinnen und Bewohner konkrete Wünsche. Bei dem Treffen wurde auch deutlich, dass es viele Clubs und organisierte Gruppen gab, diese jedoch kaum Kontakt untereinander hatten. Nach etwa einem Monat fand eine große Auftaktveranstaltung statt, um das Projekt im Ort bekannt zu machen, aber auch, um die Ergebnisse der ersten Bürgertreffen in größerer Runde diskutieren zu können. Die Kinder einer Tagesstätte bauten danach ein Modell des Ortes. Nun wurden zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten (z.B. Supermarkt, Tagesstätte) Gespräche über das Modell geführt. Nach weiteren drei Monaten fand dann eine Veranstaltung in der ehemaligen Schule statt. Mehr als 40 Einwohnerinnen und Einwohner aller Altersgruppen beteiligten sich daran. Zunächst wurden Vorschlagskarten angelegt und diese dann sortiert. Schwerpunkte waren die Themen Verkehr, Kinder und Jugend, Sport und Gesundheit.

Das Thema Gesundheit wurde von den beiden ABM-Kräften direkt angeschoben, indem sie Fahrradtouren und einen Tai-Chi-Kurs organisierten. Außerdem förderten die Frauen die Nachbarschafts- und Kulturarbeit im Ort, initiierten und unterstützten Aktivitäten des zuständigen Amtes und recherchierten Projekte zu den Themen Gesundheit, Recycling und soziale Dienstleistungen. Denn »Selbsthilfe-Kontakte zu schaffen, das war das eine Ziel der Aktion«, so Claudia Schwarz von Technet Berlin. »In der Politik gab es dagegen anfangs große Skepsis gegenüber dem Projekt. Viele Ziele wurden einfach nicht als realistisch angesehen«. Doch nachdem erst einmal konkrete Pläne auf dem Tisch lagen, gelang es Stolzenhain in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen zu werden, so dass nun auch finanzielle Mittel von außen beantragt werden konnten. Auf diese Weise konnte nun etliche Projekte bereits umgesetzt werden. »Inzwischen hat sich in Stolzenhain einiges geändert«, meint auch Claudia Schwarz.

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Ingrid Bonas
Claudia Schwarz
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