Praxis Perspektivenwerksstatt: »Berliner Platz« in Essen

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler stehen und knien zusammen vor einer Tafel, die ihre Probleme und Träume festhält. Drei von ihnen halten einen Banner mit der Aufschrift »Schüler planen mit«.

»Wir haben sicherlich ein halbes Jahr lang diese fünf Tage ›Perspektivenwerkstatt‹ vorbereitet«, erinnert sich Friedhelm Stärk an den Beginn der Planung des »Berliner Platzes« in Essen. Die Stadtplaner wollten eben nicht einfach irgendeinen Bebauungsplan in Auftrag geben, statt dessen schwebte ihnen »eine konsensorientierte Vision für eine integrierte städtebauliche Entwicklung« vor. Deshalb schlug Baudezernent Best der Stadt Essen vor, eine Perspektivenwerkstatt durchführen zu lassen.
»Das Interesse war von Anfang an groß, schon der Unterstützerkreis bei den Vorbereitungen umfasste sicherlich 40 bis 50 Personen, die überwiegend Institutionen vertraten«, so Stärk. Durch die zentrale Lage des Berliner Platzes waren viele Gruppen von Anfang an involviert, beispielsweise der Handel in der Innenstadt, die nahe Universität, aber auch die Kirchen und andere. Im Sommer 1998 begann die ehrenamtliche und informelle Planung. Sponsorengelder wurden gesammelt. Schon im Vorfeld wurde durch Plakataktionen, Zeitungsartikel und über die Institutionen des Unterstützerkreises eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit aufgebaut. Am Vortag der Perspektivenwerkstatt verschaffte sich das 20-köpfige auswärtige Team zu Fuß und per Bus einen Eindruck vom Planungsgebiet, bei dem mehr als 17 Experten und Politiker ergänzende Informationen vortrugen. Am Freitagmorgen begann dann die »heiße Arbeitsphase«. Für zwei Tage hatte die Stadt in ein eigens errichtetes Zelt am Berliner Platz eingeladen. In Arbeits- und Planungsgruppen wurden unterschiedliche Themen diskutiert und eine gemeinsame Zukunftsvision entwickelt. Dabei ging es zunächst darum, den IST-Zustand zu analysieren und zu bestehenden Problemen konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. An den folgenden Tagen war es Aufgabe des Teams, die Ideen und Lösungsvorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu sammeln und daraus eine realistische Vision für die Entwicklung des Gebiets zu schaffen.

Den Abschluss der Perspektivenwerkstatt bildete ein öffentlicher Vortrag, in dessen Verlauf für alle Mitwirkenden und Interessierten nochmals das Verfahren dokumentiert und die neue Vision vorgestellt wurde. »Insgesamt hatten mehr als 1300 Menschen mit großem Engagement teilgenommen«, freut sich Baudezernent Best. »Die Bürger haben überwiegend sehr positiv auf das Verfahren reagiert«, meint auch Stadtplaner Friedhelm Stärk. Beendet ist die Planung aber bisher nicht, da andere Probleme wie Finanzierung oder Bereitstellung von Grundstücken noch nicht gelöst werden konnten. Auch die Planung eines Einkaufscenters hat zu weiteren Verzögerungen geführt, zumal viele Bürger hiermit nicht einverstanden sind. »Auch bei anderen Großprojekten könnten wir uns Initiativen wie die Perspektivenwerkstatt vorstellen«, so Stärk, »allerdings waren die Kosten mit 300.000 DM zu hoch, um bei jeder Entscheidung ein solches Projekt durchführen zu können.«

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Stadt Essen
Amt für Stadtplanung und Bauordnung
Friedhelm Stärk
Deutschlandhaus
Lindenallee 10
D-45127 Essen
Telefon (02 01) 8 86 13 50
Telefax (02 01) 8 86 11 11
E-Mail: friedhelm.staerk@amt61.essen.de