Planning for Real

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Planning for Real ist ein gemeinwesenorientiertes und mobilisierendes Planungsverfahren. Im deutschen Sprachgebrauch kann es übersetzt werden mit »Aktiv für den Ort«, »Nehmen wir unseren Ort in die eigenen Hände« oder »Planung von unten«. Planning for Real wurde 1977 in Großbritannien von Dr. Tony Gibson das erste Mal durchgeführt und in Unterstützung von Neighbourhood Change entwickelt.

Ausgangspunkt für die Entwicklung des Verfahrens waren zwei grundlegende Beobachtungen. Die eine Beobachtung betrifft Kommunikationsschwierigkeiten zwischen verschiedenen Menschen und Gruppen: Häufig stellt die Art und Weise, wie Entscheidungsprozesse in Diskussionsrunden oder Versammlungen herbeigeführt werden, ein Hindernis dar, um gemeinsam Handlungen umsetzen zu können.
Die andere Beobachtung bezieht sich auf den Umgang mit Ressourcen. Um Entwicklungsprozesse mit voranzutreiben oder zu beeinflussen, benötigen die am Ort lebenden und arbeitenden Menschen ein gemeinsames Wissen über die Verfügbarkeit und die Bereitstellung von Ressourcen.

Mit dem Verfahren Planning for Real wird die Zielsetzung verfolgt, die Beteiligungsmöglichkeiten von Bewohner/innen bei der Entwicklung und Verbesserung ihres Stadtteils oder ihrer Region zu erweitern und zu fördern. Dies geschieht in einer besonderen Art und Weise, indem die Bewohner/innen als Expert/innen anerkannt und als Akteure für den eigenen Entwicklungsprozess am Ort ermutigt werden, zu handeln. Insbesondere wird durch Planning for Real die Kommunikation und eine Atmosphäre gemeinsamen Handelns zwischen den Nachbar/innen untereinander sowie mit Expert/innen und örtlichen Interessengruppen unterstützt. Die verschiedenen lokalen Akteure bringen ihre spezifischen Anliegen, Problemsichten und Lösungsvorschläge miteinander in Verbindung. Planning for real ist ein Hilfsmittel, mit dem ein phantasievoller und komplexer Entwicklungsprozess initiiert und unterstützt werden kann.

Anwendungsfelder

Lokale Ökonomie: Planning for Real in der Praxis

Die Methode Planning for Real kann in sehr unterschiedlichen Bereichen angewendet werden: z.B. Wohn- und Wohnumfeldverbesserung, Nutzungskonzepte für Gebäude, bauliche und landschaftliche Gestaltung, Entwicklung von Stadtteilen und ländlichen Regionen oder Entwicklung von neuen Beschäftigungs- und Tätigkeitsfeldern. Konkrete Anwendungsfelder sind u. a. Planungsprozesse zur Gestaltung eines Spielplatzes, Innenraumgestaltung, Erarbeitung von Grundlagen für den Aufbau von Projekten zur Verbesserung des Stadtteils, Entwicklung einer Konzeption für ein Jugend-, Gemeinschafts- und/oder Nachbarschaftshaus.

Mit dem Verfahren bezieht man sich immer auf eine Gemeinschaft, die ihr Wohn- und Arbeitsumfeld durch Überlegungen und Taten verändern möchte. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Verfahren von kleinen oder großen Gruppen begonnen wird. Die Aktivierung und Mobilisierung der Menschen vor Ort und neue Formen der Zusammenarbeit verschiedener Akteur/innen werden verbunden mit dem Ziel, Handlungsgrundlagen für Aktivitäten und Beschäftigung zu schaffen.

Die Methode Planning for Real

Ausgangspunkt ist, dass Bewohner/innen eines Gebietes einen Veränderungsbedarf formulieren.
Mit Hilfe eines dreidimensionalen Pappmodells, das den zu verändernden Stadtteil, Ort oder die Region im Ist-Zustand darstellt, wird eine Verständigung unter möglichst vielen der am Ort lebenden und arbeitenden Menschen über bestehende Mängel, aber auch über ihre Ideen und Vorschläge zur Veränderung der Situation angeregt.
Auf der Grundlage einer Stadtteil- oder Ortsanalyse, die von den Bewohner/innen selbst durchgeführt wird, erfolgt eine realistische Einschätzung über Kenntnisse, Fähigkeiten und Sichtweisen der Bewohner/innen. Dies geschieht mit Hilfe eines Nachbarschaftshilfebogens.
Bei sogenannten Ereignis-Veranstaltungen werden Ideen und Veränderungsvorschläge mit Hilfe non-verbaler Hilfsmittel, sogenannter Vorschlagskarten, gesammelt.
In der Zusammenarbeit mit Experten und Expertinnen werden unter Zuhilfenahme von »Zeittafeln« und »Prioritätenlisten« in Arbeitsgruppen sowohl konkrete Maßnahmen herausgearbeitet, die in kleinen Schritten möglichst bald umgesetzt werden können, als auch langfristige Strategien festgelegt.

Arbeitsschritte

Das Verfahren Planning for Real gliedert sich in einzelne Schritte, die verschiedene Beteiligungs- und Kooperationsmöglichkeiten eröffnen:

1. Schritt: Es trifft sich eine Gruppe aus der Nachbarschaft

Das Verfahren beginnt mit dem Zusammentreffen einer Gruppe von Bewohnern/innen. Diese geben öffentlich bekannt, dass sie eine Veränderung ihres Ortes, ihres Stadtteils als notwendig erachten und laden andere Bewohner/innen ein, sich daran zu beteiligen. Anstatt Veränderungswünsche und Ideen lange mit sich allein herumzutragen und sie dann irgendwann zu vergessen oder auch zu verwerfen, wird mit diesem ersten Schritt ein Anfang gesetzt, Veränderungswünsche und Ideen zu sammeln und sich darüber in einer Gruppe auszutauschen.

2. Schritt: Die Menschen aus der Nachbarschaft bauen ein Modell ihres Ortes oder des zu gestaltenden Objektes

Der Gegenstand, der im Mittelpunkt der Veränderung steht, wird nachgebildet. Wenn das Schaffen besserer Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt steht, ist es naheliegend, sich davon ein gemeinsames »Bild« zu machen. Das Modell ist ein visuelles Mittel, um den gemeinsamen Handlungsprozess zu ermöglichen und zu erleichtern. Es soll kein Ausstellungsstück für eine ruhige Ecke, sondern ein ständiges, gut handhabbares Arbeitsmittel sein.