Praxis Demokratiwerkstatt: Vom Schüler­gespräch über ein Lernortseminar bis zum Planspiel

An einem Tisch sitzen viele Jugendliche um eine große Karte. Die Jugendlichen haben Fähnchen vor sich stehen.

»Die Arbeit der Demokratiewerkstätten (DW) ist sehr vielfältig«, sagt Dr. Karsten Rudolf, Vorstandsvorsitzender des Büdinger Kreises e.V. (BK), wenn er von den Demokratiewerkstätten erzählt. »Als feste Institution der Jugendlichen in der Schule sind Verlauf und Formen so unterschiedlich wie sich die Jugendlichen selbst, die die DW selbstverantwortlich gestalten.«

Bereits im September 2002 hat sich eine DW völlig eigenständig die Wahl zum Hessischen Landtag zum Anlass genommen und einen Projektplan mit vier Teilprojekten entworfen, der an ihrer Schule umgesetzt werden sollte.  Eine Umfrage unter allen Schülern der Oberstufe mittels eines dreiseitigen, selbst erstellten Fragebogens, ein Schülergespräch mit den vier Direktkandidaten des Wahlkreises, eine überparteiliche »Wahlparty« in der Schule mit Übertragung der  Hochrechnungen sowie, als viertes Teilprojekt, das Angebot eines Forums über den Wahlausgang und die Landespolitik allgemein. Dieses Teilprojekt gestalteten die Schüler eigenständig als Planspiel zu drei landesspezifischen politischen Themen, bei dem ein kompletter, in zwölf Gruppen geteilter Jahrgang in Podiumsdiskussionen in die Rolle der im Landtag vertretenen Parteien und ihrer Positionen schlüpften durfte. »Das anschließende ausführliche Feedback war außerordentlich positiv. Sowohl die Lehrer als auch die Jugendlichen zeigten sich begeistert«, resümiert Alexander Wicker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BK.

So vielfältig der Verlauf, so verschieden sind die Anlässe der Demokratiewerkstätten. Eine andere DW wollte im Jahr 2002 das Anliegen ihrer Mitschüler aufgreifen und über den Irak-Konflikt informieren. Dazu sollte ein Wissenschaftler befragt werden. »Mit unserer Unterstützung konnte ein Gesprächspartner gefunden werden, der das Thema kompetent, aber auch jugendgerecht aufbereiten konnte«, beschreibt Alexander Wicker die Rolle des BK.

Welche Möglichkeiten in dem Konzept stecken und wieviel Sachverstand sowie Kreativität die Jugendlichen in der politischen Bildungsarbeit an den Tag legen, zeigt auch das Planspiel »Pol&Is« in Hanauer und Friedberger Gymnasien, das als Auftakt für Demokratiewerkstätten an den beteiligten Schulen diente.
»Wir dachten uns, dass es wichtig ist, auch Unterstufenschüler für Politik zu interessieren.«

»Es sind verdammt viele Faktoren zu berücksichtigen, um eine Region am Laufen zu halten« – so das Fazit von Schülerinnen und Schülern nach vier Tagen, in denen sie die Rollen von Politikern bei den Vereinten Nationen übernahmen und spielerisch den harten Politiker-Alltag erfahren konnten. Vor allem bei Konferenzen und Verhandlungen zeigte sich schnell, dass die Schülerinnen und Schüler, wie richtige Politiker, hart um jeden Kompromiss kämpften. Am Ende waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: »Politik ist komplexer als wir dachten.«

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