Praxis Demokratiwerkstatt: Hanau und ihr Planspiel »Civitas«

»Wir dachten uns, dass es wichtig ist, auch Unterstufenschüler für Politik zu interessieren. Das schien uns mit einem Planspiel am ehesten möglich«, so beschreibt Albert Möller, Mitglied der Polit-AG an der Hohen Landesschule Hanau, den Beginn von »Civitas«. Gemeinsam mit Lehrerin Brunhild Fues wurde das Rollenspiel »Civitas« entwickelt. Ziel des Spiels ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich in das bestehende demokratische System hineinversetzen und grundlegende Prinzipien der Politik kennen lernen. Dabei sollte jedoch genügend Freiraum für Kreativität und Phantasie bleiben. Wichtige Institutionen der Demokratie, wie Parteien, freie Presse und Parlament, müssen jedoch einbezogen werden.

Auf einer Bühne an Stehtischen stehen vor einem dunklen Vorhang sechs Politikerinnen und Politiker.

Zu Beginn des Spiels schlossen sich die Schülerinnen und Schüler zu Gruppen (Parteien) zusammen, die sich durch ihre Positionen und Meinungen zu einem Problem bildeten. Jede Partei musste nun mit ihrem begrenzten Budget versuchen, das Problem zu lösen oder eine dazu notwendige Mehrheit im Parlament zu bekommen. Über zehn Unterrichtsstunden mussten die Jung-Politiker ihre Lösungen überzeugend präsentieren, Kompromisse finden und auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren, die die Problemlösung erschweren sollten. Begleitet wurde ihr Spiel von der ständigen Berichterstattung der Spiel-Presse. Am Ende wurde das Spiel nachbesprochen. Das »erfolgreichste« Team wurde zum Sieger gekürt.

Egal ob Sieger oder Verlierer, für die Schülerinnen und Schüler stand am Ende fest, dass sie alle gewonnen hatten. »Das Spiel hat unheimlich Spaß gemacht«, so die allgemeine Meinung, und auch darin waren sich alle einig – gelernt hatten sie auch etwas. Zum Beispiel, dass Politik viel schwieriger ist, als sie gedacht hatten, aber auch, dass es nicht immer darum geht, die eigene Meinung durchzuboxen, sondern lieber Kompromisse zu finden. Aus Sicht des Büdinger Kreises, der die Demokratiewerkstätten konzipiert und organisiert, sind solche Veranstaltungen im Unterricht dringend notwendig. Denn »das Ziel politischer Bildung – den Aktivbürger oder zumindest den interventionsfähigen Bürger herauszubilden – wird oft leider nicht erreicht«. Demokratiewerkstätten mit Planspielen wie »Civitas« oder anderen Veranstaltungen können da den Unterricht wirkungsvoll ergänzen.

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