Praxis Aktivierende Befragung: Chemnitz-Hutholz

»Wo drückt der Hut? Wo sitzt er gut?« Unter diesem Motto führte das Stadtteilprojekt »Hutholz« im Januar/Februar 2002 eine Aktivierende Befragung in Hutholz-Süd, einem Teilbereich des Chemnitzer Stadtteiles Hutholz, durch. Durch die Befragung sollten der aktuelle Bedarf und die Probleme der Bewohnerinnen und Bewohner erfasst werden. Außerdem wollten die Interviewer die Sicht der Bürgerinnen und Bürger auf den Stadtteil und seine Gegebenheiten kennen lernen. Zudem sollte der Kontakt zu den Menschen neu aufgebaut bzw. vertieft und das Stadtteilprojekt »Hutholz« und seine Arbeit bekannter gemacht werden. Darüber hinaus war ein Ziel, die Bewohnerinnen und Bewohner »zu aktivieren«, d.h. ihnen einen neuen Anstoß zu geben, sich in die Belange ihres Stadtteiles einzumischen. Weiterhin wurde geplant, Ergebnisse der Befragung in die Arbeit des Stadtteilprojektes »Hutholz« und dabei insbesondere in die Gestaltung des zu diesem Zeitpunkt entstehenden Nachbarschaftszentrums einzubeziehen.

Eine Plattenbausiedlung hinter Bäumen.
Plattenbausiedlung in Chemnitz-Hutholz

Der Stadtteil Hutholz gehört zum Heckert–Gebiet, der drittgrößten Plattenbausiedlung in den neuen Bundesländern. Die Bebauung erfolgte in überwiegend fünf- und sechsgeschossiger Plattenbauweise. Die Wohnungen in diesem Gebiet waren bis nach der Wende (1992/1993) sehr begehrt. Seitdem ist die Bevölkerung um fast zwei Drittel zurückgegangen. Heute wohnen im Stadtteil noch ca. 6900 Bewohnerinnen und Bewohner. Im Bereich Hutholz-Süd wohnten zum Zeitpunkt der Befragung ca. 2100 Menschen.

Zwei Frauen beschriften Plakate.
Zusammentragen der Ergebnisse

Die Befragung wurde von den Mitarbeiterinnen des Stadtteilprojektes sowie Praktikantinnen von der TU Chemnitz, insgesamt sechs Personen, durchgeführt. Da das Stadtteilprojekt »Hutholz« als Projekt der Gemeinwesenarbeit seit 1998 im Stadtteil tätig ist und über vielfältige Kontakte zu den »Experten« des Stadtteiles verfügt, wurde auf den Teil der Expertenbefragung im Rahmen der Aktivierenden Befragung verzichtet. Zur Vorbereitung der Befragung gehörten u.a. intensive Öffentlichkeitsarbeit (Presseartikel, Aushänge in den Häusern und Anschreiben an die Bewohnerinnen und Bewohner), die Schulung der Interviewer und die Kontaktaufnahme mit den Vermieterinnen und Vermietern.

Plattenbauten hinter Bäumen. An der Straße parken Autos.

Während der Befragung wurden 559 Haushalte aufgesucht. Von diesen wurden 358 angetroffen und insgesamt 211 Gespräche geführt, davon waren 153 Einzelgespräche, 58 Gruppengespräche (zwei und mehr Personen). Hinzu kommen 62 ausgegebene Fragebögen, über die sich 23 Personen beteiligten. In die Befragung brachten die Bewohnerinnen und Bewohner Themen wie Infrastruktur, Situation des Stadtteiles und der verschiedenen Generationen im Stadtteil, Freizeitverhalten und -bedürfnisse, Stadtumbau sowie damit verbundene Vorstellungen, Ideen und Zukunftsängste ein. Darüber hinaus nannten die Anwohnerinnen und Anwohner konkrete Ideen zum geplanten Nachbarschaftszentrum.

Zwei Frauen sitzen an einem mit Papier bedecktem Tisch. Eine von ihnen notiert etwas auf einem Zettel.

Die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner auf die Befragung war zum größten Teil äußerst positiv. Die Ergebnisse der Befragung geben wichtige Hinweise auf notwendige und von vielen geforderte Veränderungen im Stadtteil »Hutholz«. Viele Anregungen, Ideen und Vorschläge zeigten, neben Sachkompetenz (Bewohnerinnen und Bewohner als Experten »ihres« Stadtteiles) und der Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, gangbare Wege und mögliche Ansatzpunkte zur Umsetzung von punktuellem Rückbau, gezielter Sanierung und Modernisierung sowie für den Erhalt und die Verbesserung des Wohnumfeldes auf. Der Wille, sich aktiv in die Belange des Stadtteiles einzubringen wurde deutlich. Verschiedene Bewohnerinnen und Bewohner, die damals befragt wurden, bringen sich heute in die Arbeit der Bürgerinitiative Hutholz ein, engagieren sich im Nachbarschaftszentrum oder in anderen Bereichen des Stadtteiles bzw. nutzen Stadtteilprojekt und Nachbarschaftszentrum. Die Befragung und deren Ergebnisse stellen bis heute eine Bereicherung und wichtige Handlungsgrundlage für die Mitarbeiterinnen des Stadtteilprojektes dar.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Stadtteilprojekt »Hutholz« der Sächsischen Sozialakademie e.V.
Manuela Lehnert
Walter-Ranft-Straße 72a
D-09123 Chemnitz
Telefon (03 71) 2 62 90 05
Telefax (03 71) 4 00 57 74
E-Mail: Stadtteilprojekt.Hutholz@chemonline.de