Praxis Szenariotechnik: Szenariokonferenz Görlitz/Zgorzelec

»Deutsche und Polen haben gemeinsam über Ideen gebrütet. Am Ende stand das klare Bekenntnis, die Zukunft der Europastadt gemeinsam zu planen«, so sah das Fazit des Architekturprofessors Hans Petzold nach zwei Tagen Szenariokonferenz aus. Dabei war auch klar, dass diese Szenariokonferenz nur ein Schritt auf dem langen Weg des Projekts »Europastadt Görlitz/Zgorzelec – Stadt 2030« sein konnte. Noch sind viele konkrete Fragen zu klären. Dennoch zeigte sich Architekturprofessor Hans Petzold nach dem Treffen im November 2002 zufrieden.

Menschenauflauf in einem Foyer

Seit 1945 werden die beiden Städte durch die deutsch-polnische Grenze geteilt. Mit der Erweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 scheint nun die Chance gekommen, in Zukunft als Modellregion wieder gemeinsam aufzutreten. Um dieses Ziel zu erreichen, beteiligten sich die Städte an dem Ideenwettbewerb »Stadt 2030«, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgelobt wurde. Zunächst ging die Initiative von den Verwaltungen beider Städte aus. Doch mit der Szenariokonferenz sollte der Kreis der Beteiligten erweitert werden. Dazu wurden vor allem Expertinnen und Experten, Entscheidungsträgerinnen und -träger und gesellschaftlich relevante Gruppen eingeladen. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Polen und Deutschland kamen dann am 26./27. November 2002 im Dom Kultury, dem Kulturhaus von Zgorzelec, zusammen. Sie diskutierten zunächst über die Zukunft des Grenzraums und die demographische und wirtschaftliche Entwicklung. Welche Zukunft hat das Projekt und welche Schwerpunkte sollten gesetzt werden? Zu diesen Fragen wurden zahlreiche Expertinnen und Experten gehört, vor allem Stadtplanerinnen und –planer, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Bei der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass die Beteiligten ein gemeinsames Regionalmarketing befürworteten. Ziel müsse eine Regionalplanung für Görlitz/Zgorzelec und das Umland sein. Dann wurde in Arbeitsgruppen über Schwerpunkte wie »Kultur und Tourismus«, »Umwelt und Soziales« oder »Wirtschaft« diskutiert.

Sechs Herren sitzen an Konferenztischen, einer von ihnen spricht mit aufgestütztem Arm.

Auch wenn die Ergebnisse dieser Konferenz noch wenig greifbar waren, bildete sie doch einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu »Europastadt 2030«, meint Axel Trost vom Projektbüro. Denn hier wurden die Grundzüge des Leitbildes entwickelt und der Wille bekräftigt, diesen Prozess nicht nur fortzuführen, sondern auch auszuweiten. Um die Bürgerinnen und Bürger der Region besser zu beteiligen, wurde die Durchführung einer Perspektivenwerkstatt beschlossen, die im Mai 2003 stattgefunden hat. Außerdem wurden inzwischen zahlreiche Workshops mit verschiedenen Interessengruppen durchgeführt.

Der Prozess der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec wird auch beim Projektende nicht abgeschlossen sein. Aufgrund des präsentierten Zwischenstands kann die Arbeit an der gemeinsamen Vision für die Doppelstadt danach innerhalb der beiden Stadtverwaltungen und auch außerhalb von ihnen in der Bevölkerung von Görlitz und Zgorzelec fortgeführt werden.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Andreas Schaaf
Stadtplanungsamt/Stadt2030, Stadtverwaltung Görlitz
Hugo-Keller-Str. 14
D-02826 Görlitz
Telefon (0 35 81) 67 15 33
E-Mail: stadt2030@goerlitz.de

Schlussbericht