Praxis Szenariotechnik: Aurich

»Nicht die strategische Unternehmensplanung oder Stadtentwicklung war beim Workshop in Aurich gefragt«, sagt Peter Weinbrenner, der das Seminar durchführte, »sondern ausschließlich der lerntheoretische Hintergrund einer schüleraktivierenden, kommunikativen Methode, die jungen Menschen hilft, die immer kompliziertere Welt besser zu verstehen und sich aktiv an einer humanen, sozial- und umweltverträglichen Zukunftsentwicklung zu beteiligen«. Dabei waren am 2. und 3. Juni 1994 Lehrerinnen und Lehrer zusammengekommen, die mit der Methode bekannt gemacht wurden, indem sie selbst sie anwendeten.

Zwei Dutzend Personen sitzen um einen Tisch, auf dem viele Zettelstapel liegen..

20 Pädagoginnen und Pädagogen hatten sich eingefunden, um über das Thema »Auto 2010« nachzudenken. Nach einer kurzen Begrüßung wurde gleich mit einem Brainstorming die Problemanalyse begonnen. Welche Einflussfaktoren bestimmen unseren Verkehr und welche Einflussbereiche gibt es, fragten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Ergebnisse wurden strukturiert und an eine Ergebnistapete angebracht.

Um die Problembegriffe nachvollziehbarer zu machen, wurde eine »Mindmap« verwendet. »Der Vorteil dieser Darstellung ist, dass hier bereits im ersten Schritt die systematischen Zusammenhänge zwischen den Problembegriffen deutlich werden«, erklärt Peter Weinbrenner. Um in Gruppen weiterarbeiten zu können, wurden die Ergebnisse auf vier Einflussbereiche, »Politik«, »Wirtschaft«, »Mensch« und »Technik« reduziert, die je drei Einflussfaktoren unterlagen. Entscheidend bei der Szenariotechnik ist aus Sicht von Peter Weinbrenner aber »nicht so sehr das Ergebnis, sondern dass der Grad der Beeinflussung in der Gruppe diskutiert wird und sich die Teilnehmer auf ein gemeinsames Ergebnis verständigen«. So entstand in Aurich beispielsweise das Negativszenario für den Einflussbereich Technik: Danach werden die Motoren immer stärker, Kaufhäuser bieten Basismodelle an, die man sich als Sportmodell ausbauen lassen kann, um während der Woche zu bestimmten Zeiten an Straßenrennen in der Stadt teilzunehmen. Einwegfahrzeuge werden empfohlen, Recycling wurde wegen Unwirtschaftlichkeit abgeschafft und um den Emissionen zu entgehen, tragen die Fahrer Sauerstoffzelte mit sich. Dem entgegen stehen Positivszenarien mit Car-Sharing, hoher Benzinsteuer, der Förderung alternativer Verkehrsmittel etc. Von diesen Ideen lässt sich herleiten, wer für diese Entwicklung verantwortlich ist oder etwas beitragen kann. Da ist jeder Einzelne gefragt, der zum Beispiel eine Fahrgemeinschaft bilden könnte. Aber auch der Staat, der für die Besteuerung verantwortlich ist oder eine Stadt oder Gemeinde, die ihren ÖPNV besser ausbauen und Radwege anlegen könnte.

In einem Saal sitzen Zuhörer in mehreren Stuhlreihen.

Ein gutes Ergebnis, findet Peter Weinbrenner, denn »Szenarien sind weder Prognosen, bei denen auf quantitative Informationen aus Gegenwart und Vergangenheit zugegriffen wird, noch realitätsferne Utopien und Phantasien.« Statt dessen entwerfen die Teilnehmer ein positives und ein negatives Extremszenario. Daraus wird das »Trend-Szenario« entwickelt, um die heutige Situation im gewünschten Sinn weiterzuentwickeln.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Prof. Dr. Peter Weinbrenner
Universität Bielefeld
(emeritiert)
E-Mail: pweinbrenner@aol.com