Praxis Zukunftswerkstatt: Kids im Kiez

»Anstrengend aber schön war es«, erinnern sich die Schüler der Jens-Nydahl-Grundschule an ihre Kinderkonferenz. Die Mühe hat sich gelohnt, immerhin hatten sie bewiesen, dass Kinder ebenso konstruktiv wie Erwachsene ihre Umwelt gestalten können. Organisiert wurde die Konferenz vom Deutschen Institut für Urbanistik.

Im Vorfeld stand eine Projektwoche an der Jens-Nydahl-Grundschule, denn die Kinder sollten ihre Konferenz auch selbst gestalten. Die 27 Schülerinnern und Schüler der vierten Klasse setzten sich mit ihrer Lehrerin, Brigitte Gajewski, mit dem Motto »Rund um die Schule, rein in die Höfe« auseinander. Ausgerüstet mit Kameras, Karteikarten und Stiften zogen die Kinder los, um ihr Viertel kritisch unter die Lupe zu nehmen. Mit blauen und roten Plastikmessern wurden schöne und hässliche Bereiche markiert, die Ergebnisse wurden auf Karteikarten aufgeschrieben und mit Fotos belegt. Dann diskutierten die Schüler in ihrer Klasse ihre Eindrücke. Dabei wurden auch Ideen gesammelt, wie man die Gegend schöner gestalten könnte. Einen Monat später war es dann soweit: »Kids im Kiez« verkündete ein Plakat über dem Schuleingang. Die Kinder waren nun Gastgeber für mehr als 80 Besucherinnen und Besucher der Kinderkonferenz. Dabei übernahem sie verschiedenste Aufgaben und kümmerten sich um Namensschilder, Anwesenheitslisten, aber auch Saft- und Kuchenbüfett. Dann stellten die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse die Ergebnisse ihrer Projektwoche vor. Mona Kafrawi und Kausser Ramada, die beide die 4. Klasse der Schule besuchen, waren mit dem Verlauf der Konferenz zufrieden: »Es sind viele Leute gekommen, sogar Politiker haben sich angehört, was wir zu sagen hatten. Wir haben Bilder von den Höfen gezeigt, in denen wir spielen. Und vom Schulhof. Da konnten die Erwachsenen sehen, was uns gefällt und was wir nicht gut finden.« Natürlich musste manch einer der Wünsche ein Traum bleiben, zum Beispiel die Wasserrutsche mit Pool oder die Achterbahn. Aber in der Diskussion mit den Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern zeigte sich schnell, dass vieles sofort oder mittelfristig umgesetzt werden konnte, beispielsweise das Auswechseln kaputter Fensterscheiben. Schließlich signalisierte die Senatsverwaltung die Bereitstellung von Mitteln, um den Schulhof ausbessern zu lassen.

Nun bildete sich eine Arbeitsgruppe, in der Vertreterinnen und Vertreter der Schule, des Quartiersmanagements und ein Planungsbüro erste ausbaufähige Arbeitsstrukturen entwickeln sollten. Für Ingeborg Beer vom Deutschen Institut für Urbanistik kommt es nun darauf an »die Bewertungen und Anregungen der Kinder zu vertiefen«. Dies soll nicht nur im Fall der Schule geschehen. »Auch mit anderen Gruppen sollen Zukunftswerkstätten durchgeführt werden«, sagt sie. »Die Kinderkonferenz in Kreuzberg war ein echtes Bilderbuchprojekt, weil von Anfang an alles geklappt und sich so viele engagiert haben. Direkt nach der Konferenz wurde es so möglich, Fördergelder aus dem Bundesprogramm ›Soziale Stadt‹ für die Umsetzung zu bekommen.« Einen weiteren Erfolg gab es für die Konferenz. Die Ergebnisse waren in einer Broschüre dokumentiert worden, die den Förderpreis »Der Goldene Floh 2002« gewann.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Dr. Ingeborg Beer
Deutsches Institut für Urbanistik
Straße des 17. Juni 112
D-10623 Berlin
Telefon (0 30) 3 90 01-26 7
E-Mail: info@ingeborg-beer.de
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