Bürgergesellschaft: Vision, Realität und Geisteshaltung 3 (3)
Wie schwierig eine Abgrenzung im einzelnen sein könnte, mag die nachfolgende Abbildung andeuten.
vgl. Zetterberg, Hans L.: Civila samhället, demokratin och välfärdsstaten, In: Trägardh, Lars: Civilt samhället kontra offentlig sektor, Stockholm 1995.
Öffentlicher Raum

Die Struktur der Abbildung wurde von Hans L. Zetterberg übernommen. Zetterberg verwendet jedoch eine andere Einteilung und andere Kategorien.
Eine über die Definition hinausgehende starre Grenzziehung – von wem und mit welcher Legitimation? – erscheint aber weder notwendig noch möglich.
Für den Wegweiser ist sie nicht notwendig, weil er bewußt als offenes Informationssystem angelegt ist. Sie wäre aber praktisch auch nicht möglich, weil die Bürgergesellschaft aus einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Organisationen, Zusammenschlüsse, Initiativen, Projekten und ihren vielfältigen Vernetzungen untereinander und mit der Außenwelt besteht. Dies impliziert auch, daß ein und dieselbe Organisation in manchen Fällen innerhalb und in anderen außerhalb der Bürgergesellschaft angesiedelt werden kann.
Damit ist aber auch gesagt, daß sich Bürgergesellschaft bei aller wünschenswerten Vernetzung und Kooperation traditioneller verbandlicher Organisierbarkeit entzieht. Einen »Gesamtverband Bürgergesellschaft e.V.« kann es nicht geben.
Dies muß aber kein Nachteil sein. Die Heterogenität, die auch für die Themen, Inhalte und Ziele gilt, macht gerade die Lebendigkeit und Stärke der Bürgergesellschaft aus. Ihre Offenheit schützt sie gegen Stagnation, Bürokratisierung und Oligarchisierung und ermöglicht ihr eine flexible Anpassung an unterschiedliche Problemlagen und Organisationsbedarfe, wozu auch situationsspezifische Koalitionen mit wechselnden Partnern aus Markt und Staat gehören.
Vieles spricht folglich dafür, Bürgergesellschaft nicht als einen Zustand, sondern als einen dynamischen Prozeß zu verstehen.
vgl. Reinert, Adrian: »Bürgergesellschaft als Prozeß. Wege der Engagementförderung« In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Heft 2/2000


