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Bürgergesellschaft und Globalisierung 1 (2)

Der Wegweiser Bürgergesellschaft konzentriert sich in seiner ersten Entwicklungsstufe auf die Bundesrepublik Deutschland. Angesichts der beschriebenen Heterogenität von Bürgergesellschaft ist selbst dies an sich schon ein ambitiöses Unterfangen.

Zugleich erscheint diese zunächst aus rein praktischen Gründen vorgenommene Beschränkung angesichts wachsender internationaler Abhängigkeiten und Verflechtungen partiell anachronistisch. »Unsere Zeit kann als die Periode in die Geschichte eingehen, in der das Ausland verschwand« , heißt es in dem Bericht »Demokratie ohne Ausland« einer schwedischen Kommission, die sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf Staat und Gesellschaft befaßte.

literaturtipp

SNS - Demokratiådets Rapport 2001: Demokrati utan utland, SNS-Förlag 2001

Auch diejenigen, die allzu frühzeitigen Abgesängen auf den Nationalstaat eher skeptisch gegenüber stehen, können nicht bestreiten, dass ein immer größer werdender Teil für die Lebenswelt der Menschen relevanter Entscheidungen jenseits nationaler Grenzen und vielfach ohne direkte demokratische Einflußmöglichkeiten getroffen werden.

Um so wichtiger ist es auch für die Bürgergesellschaft, sich zu internationalisieren. Eine Weltbürgergesellschaft gibt es zwar bisher ebenso wenig wie eine Weltgesellschaft oder einen Weltstaat, und gemessen an der Weltbevölkerung ist der Anteil derjenigen, die sich auf internationaler Ebene engagieren, gewiß sehr marginal.

Eine solch relativierende Sichtweise allein gibt jedoch ein falsches Bild von der Bedeutung, die Bürgergesellschaft schon heute gerade auch für die internationale Ebene hat. Zum einen leisten überall zivilgesellschaftliche Organisationen z.B. durch den alltäglichen Austausch mit Partnerorganisationen in anderen Ländern oder durch ihr Engagement für internationale Solidarität mehr für die Völkerverständigung, als es Staaten jemals leisten könnten.

Zum anderen lebt die internationale Bürgergesellschaft in einer Vielzahl von themen- und bereichsbezogenen Netzwerken und Zusammenschlüssen, die während der letzten Jahrzehnte weltweit entstanden sind.

Das Yearbook of International Organizations zählte im Jahr 2000 nicht weniger als 52.230 internationale Organisationen. Ihre Zahl hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt; bei der ersten Zählung im Jahr 1909 hatte sie bei 213 gelegen. Als international wird dabei eine Organisation gerechnet, wenn sie in mindestens drei verschiedenen Ländern vertreten, selbständig und von dauerhaftem Charakter ist.

6.556 der Organisationen waren zwischenstaatlicher Art (IGO). Zieht man sie ab, bleiben allein 45.674 registrierte internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO), ganz zu schweigen von der großen Zahl nicht registrierter Organisationen und informeller oder situativer Netzwerke.

Anzahl internationaler OrganisationenGrafik mit der steigenden Zahl internationaler Organisationen (1909 - 2000)
nach Union of International Associations www.uia.org
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