Stiftungszweck: Checkliste
Wenn Sie sich für einen Stiftungszweck entschieden haben, sollten Sie als nächstes folgende Überlegungen anstellen:
- Lässt sich der Stiftungszweck mit den zu erwartenden Stiftungserträgen verwirklichen?
Machen Sie sich klar, wie viele Mittel realistisch zur Erreichung der Stiftungsziele benötigt werden. Bedenken Sie, dass sowohl die Vermögensverwaltung als auch die Stiftungsverwaltung Kosten verursachen. Nichts gegen anspruchsvolle Ziele! Aber wenn die Erträge des Stiftungsvermögens völlig außer Verhältnis stehen zu dem, was Sie erreichen wollen, dann wird schon die Stiftungsbehörde bei der Anerkennung Schwierigkeiten machen.
Die Entwicklung neuer Lehrmethoden in Sonderschulen lässt sich nicht mit einem Stiftungsvermögen von 200.000 Euro bewältigen (operative Tätigkeit). Andererseits ist jeder Betrag sinnvoll, wenn es um die Förderung bestehender gemeinnütziger Einrichtungen geht (fördernde Tätigkeit). Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass eine operativ arbeitende Stiftung, also eine Stiftung, die ihre Zweck durch eigene Projekte verwirklicht, wesentlich kostenintensiver ist, als eine reine Förderstiftung. Als Mindestgröße für eine operative Stiftung mit eigenem Personal und Geschäftsstelle sollte von einem Mindestvermögen von 10 Millionen Euro ausgegangen werden. - Trifft der Zweck auf einen konkreten Bedarf?
Die Frage nach dem konkreten Bedarf ist sehr bedeutend. Denn auch der Sektor der Gemeinnützigkeit hat einen „Markt“. Die Erforschung des Gebietes, in dem sie tätig werden wollen, ist daher dringend anzuraten. Welche Bereiche werden zukünftig besonders stark auf Hilfe angewiesen sein? Welche Krankheiten sind dabei, sich stark zu verbreiten? Wo entwickeln sich soziale oder gesellschaftliche Defizite? Wo ist Aufklärung besonders notwendig, weil die Problematik noch nicht genügen bekannt ist? Denken Sie dabei auch an die Zukunft und lassen Sie sich von Experten beraten, die sich in dem betreffenden Feld auskennen. Sprechen Sie auch einmal mit potenziellen Empfängern der Leistungen Ihrer Stiftung und fragen Sie, ob die geplante Förderung überhaupt gebraucht wird und erwünscht ist. Sondieren Sie außerdem, welche Aktivitäten und Projekte andere Anbieter verfolgen.
Es ist möglich, dass der von Ihnen angestrebte Zweck bereits durch andere Organisationen hinreichend abgedeckt wird, so dass Ihr Engagement nicht den gewünschten Effekt erzielen kann oder in der Vielzahl der Angebote untergeht. Suchen Sie deshalb Nischen, in denen Ihre Stiftung wirken kann. Dies gilt besonders für Stiftungen, die auf Zustiftungen und weitere Zuwendungen angewiesen sind. - Trägt der Zweck auf Dauer?
Eine Stiftung ist auf Dauer angelegt. Deshalb sollte der Stiftungszweck, an den das Stiftungsvermögen gebunden ist, auch dauerhaft aktuell bleiben. Es empfiehlt sich daher, die Stiftungszwecke nicht zu eng zu formulieren, so dass die Arbeit der Stiftung gegebenenfalls an veränderte Verhältnisse angepasst werden kann. Denn ist der Stiftungszweck zu einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht mehr zu realisieren, so muss die Stiftung aufgelöst oder mit einer anderen Stiftung verbunden werden. Haben Sie hingegen einen Zweck im Auge, der mit Sicherheit nur befristet sinnvoll oder notwendig sein wird, wie z. B. die Ausstattung von Schulen mit Internetzugängen, so steht Ihnen auch die Möglichkeit einer Verbrauchsstiftung offen.Zweckformulierung
Bei der Zweckformulierung müssen Sie einen Kompromiss finden: Auf der einen Seite soll Ihre Stiftung flexibel auf Veränderungen reagieren können. Auf der anderen Seite sollen die Stiftungsorgane ja auch nicht einfach machen, wozu sie Lust haben. Prüfen Sie daher die Zweckformulierung darauf, wie viel Spielraum sie eröffnet. Auf welche Ideen könnte ein Vorstand in zehn oder zwanzig Jahren kommen, wenn er nichts als die Satzung kennt? Entspricht das Ihren Vorstellungen? - Was machen die Anderen?
Der gemeinnützige Sektor hat gerade in den letzten Jahren eine starke Professionalisierung erfahren. Es besteht ein breites Angebot gemeinnütziger Leistungen durch die unterschiedlichsten Träger. Zwischen ihnen herrscht eine Konkurrenz um Spenden, Zustiftungen und öffentliche Aufmerksamkeit sowie um inhaltliche Kompetenz. Unterschätzen Sie diesen Faktor nicht!
Wenn Sie vorhaben, in einem Bereich tätig zu werden, der bereits von anderen Organisationen besetzt ist, sollten Sie das Gespräch mit diesen Organisationen suchen. So können Sie herausfinden, wo Bedarf nach weiteren Leistungen besteht oder ob Kooperationen möglich sind. Auch hier gilt: Finden Sie Ihre Nische! Die Stiftung lässt sich auf diese Weise besser in der Öffentlichkeit präsentieren, so dass Sie leichter Spenden und finanzielle Zuwendungen einwerben können.
entnommen aus:
Petra Meyer, Christian Meyn, Karsten Timmer:
Ratgeber Stiften, Band 1: Planen - Gründen - Recht und Steuern
Gütersloh (Verlag Bertelsmann Stiftung) 2003, S. 42 – 44


