Zielgruppen finden 1 (2)
Schön wär's ja, wenn das alles eine Frage bewusster Entscheidungen wäre, bei denen es nur auf die Sache ankommt und sonst auf nichts: Wen welche Einladung anspricht, wer sich auf einer Veranstaltung wohl fühlt und wen sie nervt, wer einen Text versteht und wer nicht. Tatsächlich ist es aber komplizierter.
Nicht alles ist für alle geeignet. Es müssen Schwerpunkte gesetzt werden, entschieden werden, welche Zielgruppen für die Initiative, die Aktion wichtig sind, welche vernachlässigt werden können. Es ist unmöglich, es allen recht machen zu können. Die Entscheidung für eine Zielgruppe hängt mit dem Ziel zusammen und hat Auswirkungen auf die eigene Argumentation. Dazu kommt: Viele Zielgruppen vertragen sich schlecht miteinander.
zwei Beispiele für unterschiedliche Zielgruppen
Wissen, Information oder auch eine politische Grundhaltung können also eine Voraussetzung dafür sein, dass Leute überhaupt etwas mit den geplanten Veranstaltungen oder Materialien anfangen können. Noch wichtiger sind in der Regel Voraussetzungen, die eher unterschwellig funktionieren. So ist Sprache ein ganz wichtiger Ausschlussmechanismus. Was ein schwieriger oder unverständlicher Text ist, hängt nicht nur von der Sachinformation, sondern auf der einen Seite von der Wortwahl und dem Stil ab, auf der anderen Seite von der Übung und der Gewohnheit der Adressaten. Wörter können unbekannt sein oder auch nur komisch wirken, trocken, verdreht oder eingebildet.
Und das gleiche gilt für die Optik: Wer Material von der Initiative, dem Verein, der Organisation sieht (oder auch die Personen selbst), macht sich ein Bild von der Gruppe und entscheidet danach, ob er sich Interessantes von ihr erwartet oder nicht. Und weil der Besuch einer Veranstaltung immer auch etwas mit Vertrauen zu tun hat, kann so eine Stilfrage darüber mitentscheiden, ob Leute kommen? oder lieber auf dem Sofa bleiben. Der sicherste Weg, so etwas zu überprüfen ist ein Testdurchlauf mit Leuten, die nicht zu der eigenen Gruppe gehören.


