Texte schreiben
Wenn es darum gehen soll, wie man am besten einen Text schreibt, dann geht es in der Regel um Stil. Nur vorsichtshalber: Wir halten den Inhalt schon noch für wichtiger. Aber es stimmt schon, durch Bleiwüsten und Schachtelsätze lassen sich Leser ziemlich sicher abschrecken, und meistens werden Texte besser, wenn ihr einige Stilfehler vermeidet.
Ganz wichtig ist der Einstieg. Es gibt da eine ganze Reihe von Möglichkeiten, zum Beispiel den Z-Einstieg mit einem besonders guten oder auch besonders schlechten Zitat (das ihr dann kritisiert). Oder den F-Einstieg mit einer Frage, die sich sozusagen direkt an den Leser richtet. Weicher Stil geeignet ist, hängt natürlich auch von der Zielgruppe ab.
Am besten ist in der Regel aber schlicht ein Einstieg, bei dem die wichtigsten Punkte des ganzen Textes schon mal in höchstens zwei Sätzen zusammengefasst werden. Auf diese Weise kann der Leser recht schnell überblicken, ob ihn das gesamte Flugblatt z.B. überhaupt interessiert. Und wenn es ihn interessiert, kann er die einzelnen Thesen, Absätze oder was auch immer besser verstehen, wenn ihm zu Beginn bereits klar geworden ist, was das Ziel der ganzen Sache ist.
Im Folgenden einige Hinweise, worauf ihr bei der Textkorrektur besonders achten solltet:
- Schachtelsätze sind solche,
die, meistens ohne dass es der Autor oder der Korrekturleser,
wenn es letzteren denn gab, bemerkt haben, sehr viel komplizierter,
gemeint im Sinne von unübersichtlicher, geworden
sind, als es dem Inhalt nach notwendig gewesen wäre.
Warum das unangenehm ist, müsste offensichtlich sein.
- Ihr seid z.B. eine Jugendinitiative,
die etwas tun, etwas verändern will. Umso seltsamer
wirkt es, wenn ihr in schlechtem Behördendeutsch
immer im Passiv schreibt. Sätze wie »Durch
viele Jugendliche sind interessante Thesen vertreten worden«,
»Ein Bedarf wurde durch die Jugendbehörde festgestellt«
usw. haben in einem guten Text nichts verloren.
- In der gleichen Liga sind Substantivierungen
anzusiedeln. Das sind Formulierungen, in denen zwar eigentlich
von einer Handlung berichtet wird, dies aber mit einem
Substantiv ausgedrückt wird: »Das Ankommen
der Teilnehmer war von einer deutlichen Überlastung
der Seminarleitung begleitet.« Zu schreiben: »Als
die Teilnehmer ankamen, war die Seminarleitung zunehmend
überlastet«, ist die bessere Alternative.
- Achtung Füllwörter: Alsos und Dahers haben manchmal eine Berechtigung, tun häufig aber auch nur so, als würde da für irgendetwas die Ursache oder der Grund angegeben. »Bekanntlich« oder »wie schon gesagt« sind praktisch immer überflüssig.
Und ganz allgemein: Versucht nicht, stilistisch zu zeigen, was für tolle Mädels oder Kerle ihr seid. Entweder man merkt das an dem Inhalt eures Textes (oder dem Konzert, das angekündigt wird) – oder man merkt es halt nicht. Richtig unpassend sind Texte, in denen der Autor seinen Deutsch-Leistungskurs oder sein Soziologiestudium durchscheinen lässt, indem er atemberaubende Satzkonstruktionen oder Wörter aneinander reiht, die nie ein Mensch zuvor gehört hat.


