Berichte
Auch bei Zwischen-, Jahres- oder Abschlussberichten dürften die Finanziers die wichtigste Zielgruppe bilden. Die oben geschilderte Haltungsfrage gilt weitgehend auch für diese Textsorte. Doch die werbende Überzeugung weicht der nun angesagten Rechenschaft. Haben Sie die Ihnen zur Verfügung gestellten Gelder effizient und antragsgerecht verwendet? Wem haben Sie damit genutzt? Welche Effekte hatte Ihre Tätigkeit?
Hier gewähren Sie Einblick in Ihre Arbeit und in Ihre Leistungsfähigkeit. Das fühlt sich manchmal ärgerlich an, ist jedoch Teil des Geschäfts. Die finanzierenden Stellen haben darauf nicht nur ein Recht, sondern sind zu dieser »Abnahme« verpflichtet. Schließlich tragen sie die Verantwortung für die an Sie vergebenen Mittel.
Für Sprache und Inhalt gilt:
- Informieren Sie prägnant und sachlich (eben: berichtend!),
- so knapp wie möglich ist, ohne unverständlich zu werden,
- über Prozesse und Resultate und
- bewerten Sie die Ergebnisse und Entwicklungen.
Selbstkritisch realistische Berichte werden oft gefordert und selten gewagt. Denn »Klappern gehört zum Handwerk«. Wer im Geschäft bleiben will, darf sich keine Blöße geben und tut am liebsten so, als liefe alles bestens. Das meint zumindest weitgehend der Volksmund. Vielleicht gelingt Ihnen dennoch das Kunststück konstruktiver Selbstkritik. Seien Sie sich ein »critical friend«: Betonen Sie das, was gut gelaufen ist. Patzer und Probleme lassen sich auch positiv als »Entwicklungspotenzial« deuten – oder als wichtige Symptome für kritisches Potenzial. Reine Berichts-Lyrik kann die Leserinnen und Leser auch verärgern.
Oft wissen diese relativ wenig von der Praxis vor Ort und vom alltäglichen Kontakt mit den Zielgruppen. Dann erhält Ihr Bericht neben der Rechenschaft auch fortbildende Funktion und sollte komprimiert die Essenz Ihrer Erfahrungen vermitteln. Er wird zugleich zur Expertise von »der Basis« für Planung und Politik: Welche Trends erkennen Sie und welche Konsequenzen wären sinnvoll? Hier veröffentlichen Sie gegenüber der entscheidenden Zielgruppe, was im Sinne Ihrer Aufgaben und Klientel gesagt werden muss.
Dazu sollte der Text in Aufbau und Sprache:
- »didaktisch« sein, also Wissen vermitteln, schnelles, bedarfsorientiertes Lesen ermöglichen,
- Verantwortung für die Interessen, Bedürfnisse und Perspektiven Ihrer Klientel einnehmen,
- das Wichtigste klar herausstellen, rund um Ausgangsbasis, Aktivitäten und Konsequenzen: Was wurde warum auf welcher Basis von wem für wen mit wem gemacht? Was stellte sich dabei heraus? Was sollte zukünftig mit welcher Priorität gemacht und bedacht werden?
- nahe liegende Wege und Alternativen anbieten.
Erstellen Sie sich ein festes Schema, das Sie regelmäßig nutzen und falls erforderlich modifizieren können. Das erleichtert Ihnen und den Lesenden die Arbeit.


