Schreiben heißt kommunizieren 1 (3)
Zwar muss nicht jeder Text für Ihre Gäste zum schillernden Fest werden, aber: Jeder Text ist ein Stück Kommunikation. Damit der schriftliche Monolog gelingt, will er gut vorbereitet sein. Schließlich steht das Ergebnis immer schon fertig auf dem Papier, bevor die Lesenden uns ihrerseits zu Erläuterungen oder Korrekturen einladen können.
Ähnlich wie die mündliche Kommunikation ruht auch die schriftliche auf einer soliden Basis aus Haltung, Inhalt und Form. Die tragenden Säulen eines guten Textes sind:

Zwischen den Zeilen: Texte spiegeln Haltungen
Wort für Wort schreiben alle Mitarbeitenden gemeinsam die Organisations-Geschichte(n). Dabei bringen sie Explizites ebenso zum Ausdruck wie Implizites. Nicht selten schimmert zwischen den Zeilen hindurch, was eigentlich nicht gesagt werden sollte: von zurückgehaltenem Ärger über Widersprüche zu den Organisations-Zielen bis zur »versehentlichen« Abwertung anderer.
In vielen kleinen Texten offenbaren sich Satz für Satz: a) Ihre Beziehung zu den Lesenden, b) Ihre Einstellung zu Ihrer Rolle und zur Funktion des Textes und c) Ihre persönliche und professionelle Haltung zu zentralen Fragen rund um Arbeitsfeld, Zielgruppen und Konzept Ihrer Organisation. Dazu drei Beispiele:
- Ihre Haltung zu den Leserinnen und Lesern: Sie formulieren einen Brief an einen wichtigen Kooperationspartner oder gar Finanzier, den sie für etwas inkompetent halten. Hegen Sie leichte Zweifel daran, den richtigen Tonfall getroffen zu haben? Zweifeln Sie! Suchen Sie die Stellen, die Sie verunsichern und stimmen Sie auch die Zwischentöne.
- Ihre Haltung zur Schreibaufgabe: Als Vorstand sollen Sie für Ihren Verein einen sehr fordernden Text verfassen. Aber im Grunde sind Sie ein zurückhaltender Mensch und würden sich lieber nicht so exponieren. Die Spannung zwischen Vereins-Job und Persönlichkeit kann im Text deutlich spürbar werden. Im Extremfall verwischen die politischen Forderungen dann zu höflichen Bitten.
- Ihre Haltung zum Thema: Sie haben die Aufgabe übernommen, ein Konzept für ein neues Projekt zu entwerfen. Aber letztlich denken Sie, dass das Ganze wegen der politischen Lage ohnehin baden geht. Womöglich wird dann schon der Text ins Wasser fallen.
»Nichts kann dich leichter überführen als ein Schreiben von deiner Hand« , warnte Niccolo Machiavelli (Macciavelli: »Vom Staat« , zitiert nach Harenberg 1997: 1071.). Was in Unter- und Zwischentönen durchklingt, kann ebenso subtil auf die Organisation zurückwirken. So wird das Schreiben im Alltag oft bedeutender als uns das Alltagsverständnis nahe legt.
Unbewusstes spielt dabei eine ebenso große Rolle wie in der mündlichen Kommunikation »von Mensch zu Mensch« . Nur: Beim Schreiben wird es schwarz auf weiß zu Papier gebracht. Auch deshalb leben bessere Texte von einer gründlichen Reflexion.
Hoppla: Versteckte Hierarchie und andere Ausrutscher
Wem haben Sie etwas zu sagen?
Besondere Vorsicht ist rund ums Thema Hierarchie geboten. Schreiben Sie so zu den Leuten, wie es Ihrer Beziehung entspricht. Hüten Sie sich vor hierarchisierenden Ausrutschern, fallen Sie nicht aus Ihrer Rolle. Leider geschieht dies leichter, als uns lieb ist. Schon der Ausdruck »Ich habe etwas zu sagen« ist doppeldeutig. Haben Sie etwas Wichtiges zu sagen oder haben Sie hier das Sagen?
Wollen Sie beispielsweise Termine mit anderen vereinbaren, dann schlagen Sie diese vor und bitten Sie um Rückmeldung. Setzen Sie niemanden vor vollendete Tatsachen. Es sei denn, Sie wären dazu legitimiert. Allzu schnell rutscht einer effizienten Organisatorin mit einem flotten Satz eine einseitige Setzung heraus: »Als Termin haben wir Tag X gewählt? Wir werden die Besprechung um 10.00 Uhr mit Ihnen durchführen.« Unter Partnern sind solche Anordnungen anmaßend, auch wenn sie nicht einmal böse gemeint sind.
Achtung Rollenwechsel: Als Autorin oder Autor nehmen wir eine besondere Rolle ein. Manchmal kann diese vom eigentlichen Job abweichen. Wer sich diesen Rollenwechsel vorab bewusst macht, kann sich manches Drehen und Winden beim Schreiben ersparen. Verfasst z. B. ein Pädagoge einen Bericht über »seine« Jugendlichen, so ändert sich vorübergehend seine Position: Er wechselt aus der Beziehung in die Beschreibung und Analyse. Gelingt dies nicht, so bleibt ein Text leicht darin stecken, Alltägliches schlicht zu reproduzieren. Für Außenstehende bringt er dann nur wenig Neues. Im schlechteren Fall wird das Geschriebene sogar zur ungewollten Selbst-Aussage, die mehr über den Pädagogen erzählt als über sein Thema.


