Loslegen und weiterkommen: Wie der Text wächst 1 (5)
Haben Sie alle Informationen beisammen, die Gliederung fertig, einen schönen Spaziergang gemacht, alle Schreibhemmungen überwunden und wollen nun endlich loslegen? Wunderbar, das ist die beste Voraussetzung. Je umfangreicher oder komplexer der zu schreibende Text, desto nützlicher können folgende Hilfsmittel sein:
Der Zeitplan. Ob ein Text gut ist, ist stets eine relative Frage. Sie können zu fast jedem Thema eine kurze Notiz verfassen oder eine Dissertation. Entscheidend ist der Faktor Zeit. Zum Ende hin wird diese bei vielen Menschen bekanntlich kontinuierlich knapper. Soll die Deadline nicht zum Herzinfarkt führen: Nutzen Sie Ihre Zeit planvoll. Legen Sie fest, wie viele Stunden, Tage oder Wochen Sie jeder Phase des Schreibprozesses geben. Rechnen Sie rückwärts: vom Abschlusstermin bis zum heutigen Tag:
- Wann soll alles fix und fertig sein? Und wie viele Seiten sollen es werden?
- Wie viel Zeit benötigen Sie für die Abschlusskorrektur?
- Wie lange brauchen Sie für die letzte inhaltliche Überarbeitung?
- Welchen Zeitraum reservieren Sie ggfs. für Rückmeldungen von anderen Leuten? Am besten, die freundlichen Test-Leserinnen und -Leser erfahren möglichst bald von ihrem Glück, um realistische Lese- und Besprechungszeiten zu reservieren.
- Soll dem »neutralen Blick« der anderen eine Phase für die eigene Überarbeitung vorausgehen (oder eine folgen)?
- Bis zu welchem Termin muss also der gesamte Rohtext stehen?
- Welche Abschluss-Termine ergeben sich dadurch für jedes einzelne Kapitel?
Planen Sie vor allem reichlich Zeit für die Überarbeitung ein. Überlegen Sie, mit wie vielen Seiten Text Sie sich in diesem Zeitraum tatsächlich intensiv auseinander setzen können. Schieben Sie die Zeiten so lange hin und her, bis es passt. Das heißt: bis Sie das unter den gegebenen Umständen optimale Ergebnis für sich gefunden haben. Bleibt insgesamt weniger Zeit als Ihnen lieb ist? Dann prüfen Sie:
- ob das Projekt so überhaupt machbar (oder zu stornieren) ist,
- ob der Abgabetermin nicht doch zu verschieben ist,
- ob andere Ihnen einen Teil der Arbeit abnehmen können oder
- arrangieren Sie sich mit dem, was in dieser Zeit möglich ist. Dann wird es eben kein Meisterwerk, aber immerhin: eine angemessene Sache für die Zeit, die zur Verfügung steht. Auch diese Einsicht kann Ihnen viel Druck nehmen und das Schreiben erleichtern.
Konkrete Etappenziele: Nehmen Sie sich vor, was Sie pro Schreibetappe in jedem Fall schaffen möchten: mindestens zwei Seiten oder das erste Kapitel oder zwei Stunden ohne mich abzulenken. Stecken Sie sich ein persönliches Ziel! Seien Sie dabei realistisch und lieber großzügig als ehrgeizig. Wenn Sie mehr schaffen, als Sie geplant haben, ist der Erfolg noch schöner.
Auf einen definierten Punkt hinzuarbeiten gibt Struktur. Jeder erreichte »Meilenstein« motiviert die meisten Menschen weiterzukommen. (Es sei denn, sie zählen zu denen, die sich auch durch lange Prozesse am liebsten wild und evolutionär ans ferne Ziel treiben lassen.) Kleine Etappen machen auch weite Wege überschaubar – und attraktiver: Zu dem einen großen Ziel kommen viele kleine und mittlere hinzu. Jede Etappe birgt den Gewinn, Ihr Tagesziel erreicht zu haben. So sind Sie immer wieder mit der Arbeit fertig, auch wenn der gesamte Text noch am Anfang steht.
Beginnen Sie in der Mitte. Die Einleitung schreibt sich leichter am Ende, wenn der Hauptteil bereits steht. Dann wissen Sie konkret, in was Sie überhaupt einleiten möchten. Beginnen Sie also mit dem ersten Kapitel. Geistesblitze für Einleitung und Schluss sollten Sie natürlich dennoch jederzeit notieren.
Die Augen schreiben mit. Schauen Sie sich die wichtigsten Notizen an, die Sie zum aktuellen Kapitel verfasst haben. Am besten Sie hängen sie an eine Pinnwand oder direkt über den Schreibtisch. Visualisiertes lässt sich leichter nutzen, wenn es nicht in dicken Stapeln ruht.
Sorgen Sie für weitere schöne Ansichten. Eine angenehme Schreib-Umgebung und schöne -Utensilien können die Arbeit attraktiver gestalten. Und natürlich: alles runter vom Tisch, was nicht dazu gehört. Zum Schreiben brauchen Sie nicht nur Freiraum im Kopf, sondern auch am Arbeitsplatz.
Lassen Sie sich bitte nicht stören! Wenn eben möglich: Türe zu, Anrufbeantworter an und: Los!


