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Gönnen Sie sich mehrere Runden

Ein guter Text ist wie Rotwein: Er braucht Zeit um zu reifen. Nur den wenigsten fließen gelungene Texte einfach aus der Feder. Auch talentierte Autorinnen und Autoren arbeiten und feilen erst an Stil und Inhalt, bis das Ergebnis wirklich stimmt. Der Traum vom großen Wurf bei der ersten Fassung entpuppt sich meist als Illusion – spätestens für die Leserinnen und Leser.

Komplexe Tätigkeiten werden überschau- und handhabbarer, wenn wir sie in Teilschritte zerlegen. Das gilt auch fürs Schreiben. Sind Sie ein Mensch, den das kreative Chaos gruselt und der systematische Arbeitsweisen bevorzugt? Dann verteilen Sie die einzelnen Funktionen der Textarbeit auf mehrere Phasen, die Sie nacheinander abarbeiten. So reduzieren Sie Schritt für Schritt die Komplexität des Schreibprozesses.

Aber: Die Menschen sind verschieden. Wenn eine enge Struktur Ihre Kreativität eher einschränkt, sollten Sie sich die Arbeit damit nicht freiwillig erschweren. Zurzeit wird gern behauptet, alle Menschen kämen mit festen Systemen, Strukturen und Methoden besser durchs Leben. Testen Sie selbst, wie viel System Ihnen gut tut. Sofern Sie das kreative Chaos lieben, denken Sie daran: Manche Liebe macht unglücklich. Wenn Ihnen der Kopf nur noch schwirrt und der Überblick fehlt, sollten Sie Ihren Fähigkeiten ein solides System anbieten. Finden Sie Ihren individuellen Arbeitsstil beim Schreiben heraus. Eine äußere Struktur ist immer dann hilfreich, wenn Sie selbst die Klarheit missen.

Für einen strukturierten Schreibprozess können Sie sich acht Phasen gönnen. In jeder Phase beschränken Sie sich auf einzelne Aufgaben und lassen die anderen zunächst außer Acht:

Phase

Aufgabe

1.

Entspannen

Basis für Konzentration und Kreativität

2.

Sammeln

Ideen, Inhalte, Ziele, Perspektiven

3.

Gliedern

roter Faden, Dramaturgie, Aufbau

4.

Loslegen

der Rohtext, Inhalte ohne Form & Stil

5.

Besprechen

Reflexion, Blick von außen

6.

Verfeinern

Überarbeitung, Inhalt, Form & Stil

7.

Korrigieren

Tippfehler und anderes → Ergebnis

8.

Entspannen &
Genießen

Lohn & Motivation fürs nächste Mal

Am besten Sie begrenzen jedes dieser Arbeitspäckchen zeitlich. Planen Sie konkrete Abschlusstermine für jede einzelne Phase ein. Die Zeitstruktur erleichtert die Selbstdisziplin, z. B. um den Rohtext zügig zu verfassen und sich dabei nicht schon von stilistischen Feinheiten ins zeitliche Abseits verführen lassen. Ein beliebig nutzbarer Zeitpuffer am Ende des Schreibprozesses steigert die Chancen, Ihre Ziele zu erreichen. Denn auch hier gilt: Unverhofft kommt oft. Je bedeutsamer der Text, desto häufiger werden Sie die fünfte bis siebte Phase wahrscheinlich wiederholen.

Das entspannende Drumherum ist wichtiger als sein Ruf.

tipp

Machen Sie Pause, bevor Sie beginnen. Je schwerer die Schreibaufgabe, desto mehr Ruhe ist nötig, um sich inhaltlich einzustimmen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Mal genügt es, tief durchzuatmen, mal braucht es einen Spaziergang.

tipp

Kopfarbeit braucht Kreativität und Konzentration, also die richtige Mischung von Anspannung und Entspannung. Mit der Erholung vorab beginnt oft schon die inhaltliche Sammel-Phase

tipp

Pausen nutzen auch während der Arbeit am Text. Wenn Sie stecken bleiben, hilft es selten, sich festzubeißen. Ohne Muße wird die Muse Sie kaum küssen. Und mit etwas Distanz lösen sich manche Probleme fast von selbst.

tipp

Betrachten Sie auch die Belohnung nach getaner Arbeit als Teil des Prozesses. Denn mit ihr beginnt schon die Motivation fürs nächste Mal. Wenn Sie Ihren Erfolg bewusst wahrnehmen, stärkt das die Schreib-Sicherheit. Erinnern Sie sich gezielt an Ihre positiven Erfahrungen, um Befürchtungen und Zweifel realistisch zu relativieren. Wer um seine Kompetenzen weiß, hat weniger mit Hemmungen zu kämpfen.

Die folgenden Kapitel zeigen, wie Sie mit Struktur und Methode Blockaden abbauen, Inhalte sammeln, Texte gliedern, loslegen, reflektieren und redigieren. Probieren Sie aus, welche Methoden Ihnen liegen. Manches, was zeitaufwendig wirkt, führt unterm Strich zu weniger Arbeit. Denn immer wieder werden kostbare Stunden und Energien blockiert, indem Menschen ungeliebte Schreibjobs hinauszögern. Oder indem sie erst einmal lange in die falsche Richtung schreiben, bis ihnen klar wird, worum es eigentlich geht. Und wissen Sie, wie viel Zeit Menschen schließlich damit verschwenden, schlecht geschriebene Texte nach wenigen relevanten Informationen zu durchforsten.

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