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Zum Abgewöhnen: Textkiller 1 (2)

Tipps für miserable Texte (frei nach Tucholsky)

Fangen Sie stets so an, dass kein Mensch versteht, worauf Sie hinauswollen. Verwirren Sie Ihre LeserInnen mit Hinweisen auf alles, worüber Sie sich leider nicht äußern werden. Spannen Sie sie mit nichts sagenden Allgemeinplätzen auf die Folter und nutzen Sie so viele Umschweife wie möglich.

Denken Sie niemals darüber nach, für wen Sie schreiben. Wer denkt denn beim Lesen an Sie?! Wenn Sie schon alles aufschreiben, sollen die anderen sich wenigstens anständig Mühe geben, Sie zu verstehen.

Wissen ist Macht. Teilen Sie es mit niemandem! Verbergen Sie es hinter Fremdwörtern, Schachtelsätzen und zahllosen unwichtigen Hinweisen.

Machen Sie partout keine Absätze. Das spart Papier, sieht seriöser aus und schreckt die ersten 50 Prozent der Leute schon mal ab.

Am besten, Sie reihen möglichst viele Sätze irgendwie aneinander. Vor allem: Vermeiden Sie stets, Zusammenhänge zu verdeutlichen. Sollen die LeserInnen doch selbst sehen, was sie damit anfangen.

Oder zeigen Sie deutlich, zu welch komplizierten Gedanken Sie fähig sind: Schachtelsätze, Einschübe in Klammern und imposant lange, phonetisch interessante Substantivketten mit möglichst vielen, zur Not auch selbst erfundenen Fremdwörtern sind hierfür sehr nützlich.

Hängen Sie auch die ganz Hartnäckigen ab. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Wiederholen Sie sich, so oft Sie können. Hierfür können Sie prima den Thesaurus Ihres PC-Programms verwenden.

Setzen Sie so viel voraus, wie irgend möglich. Schüchtern Sie die Lesenden ordentlich ein. In der Regel genügen undeutliche Anspielungen auf historische Ereignisse und unbekannte Persönlichkeiten, um den Leuten zu zeigen, dass sie für Ihren Text einfach nicht die Vorbildung haben.

Werden Sie niemals konkret. Dann kann Ihnen auch niemand etwas vorwerfen. Eine große Hilfe sind hierbei das grammatische Passiv und zahllose Substantive.

Langweilen Sie die Leute mit unpassenden Anekdoten und Exkursen.

So umständlich Sie Ihren Text eingeleitet haben, der niemals richtig begonnen hat: Sparen Sie sich jeden Schluss. Hören Sie doch auf, als wäre nichts gewesen.

Feierabend!

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