Das Thema gehen wir endlich an! 1 (2)
Ein Internet-Ratgeber für kleine und mittlere Organisationen und Nichtregierungsorganisationen? Ist das nicht fast so etwas wie ein Widerspruch, wie ein anachronistisches oder gar freches Angebot? Schließlich sind es doch gerade solche Organisationen, die das Internet seit Jahren sehr erfolgreich innovativ und aktivierend nutzen. Hunderttausende Globalisierungs- oder Kriegsgegner gingen inzwischen, ausschließlich über das Netz organisiert, auf die Straße. Tausende von Protestmails überschwemmten politische Akteure aus allen Lagern, vom Gemeinderat bis hin zum Weißen Haus. Unterschriftensammlungen – auch zu abseitigen Themen – bringen zehntausende Menschen dazu, ihren Namen im Internet unter ein gemeinsames Dokument zu setzen. Positive Beispiele gibt es massenhaft. Tatsächlich entstand das Netz zum Kommunizieren, und nicht, wie man heute manchmal glauben mag, um Dinge zu verkaufen. Damit entspricht das Internet der Netzwerkstruktur vieler kleiner Grassroot-Organisationen, Bürgerinitiativen oder ideeller Zusammenschlüsse.
Die Analyse ist richtig und falsch. Tatsächlich haben gerade Nichtregierungsorganisationen (NRO) früh, schnell und innovativ das Netz für ihre Zwecke entdeckt. Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt sich: Hauptsächlich große Einheiten und solche mit junger Mitglieder-Struktur nutzen das Internet verlässlich vorbildlich. Natürlich besitzen amnesty international, attac oder greenpeace hervorragende Auftritte – sie haben entweder das Geld oder das Personal (oder beides) um hochgradig professionell zu sein, um Agenturen marktgerecht zu bezahlen oder um eine Armada von Freiwilligen zu mobilisieren. Aber ein Großteil des Bürgerengagements findet nach wie vor nicht in Massenorganisationen statt, sondern in lokal und thematisch begrenzten Zusammenschlüssen aktiver Bürger. Diese verfügen eher selten über eine ausgereifte und gut ausgestattete Struktur. Das Internet setzen sie dabei aus Scheu oder Nichtwissen eher zurückhaltend für die Arbeit ein. Den Internetauftritten kleinerer Organisationen mangelt es häufig an klaren Vorstellungen und Zielsetzungen. Das Ergebnis: Ein Grossteil dieser Internet-Sites ist überflüssig.
An die Aktivisten dieser kleineren und mittelgroßen Organisationen richtet sich der vorliegende Ratgeber. Damit betreten wir Neuland: Ein Ratgeber für den Einsatz des Internets für weniger finanzkräftige Vereine, Stiftungen oder lose Kampagnen-Zusammenschlüsse ist auch im Jahr 2003 noch nicht geschrieben worden – denn diese Klientel bringt in der Regel kein Geld, kein Business. In den Regalwänden voller New-Economy-Literatur finden sich allenfalls kleine Kapitel über den positiven Internet-Einsatz so mancher Grassroot-Vereinigungen. Auch die kleinen Organisationen mussten jede Menge Lehrgeld bezahlen – im NRO-Bereich wurde in den späten 90er Jahren viel Geld in überdimensionierte, unpassende oder schlechte Internetauftritte investiert. Viele dieser Internet-Investitionsruinen fristen heute ihr Dasein an vergessenen Orten innerhalb des Netzes.
Vielleicht haben Sie eine solche verfehlte Internet-Site? Die vernichtende Selbst-Analyse ist vorgenommen, doch es fehlt der Elan, sich der Sache erneut anzunehmen? Vielleicht haben Sie auch noch keinen eigenen Internetauftritt, doch irgendwer liegt Ihnen in den Ohren, dass dies schleunigst geschehen müsste. Dabei wissen Sie gar nicht, ob sich der Aufwand in Ihrem Fall lohnt und wie viel Arbeit später auf Sie zukommt. Oder Sie haben bereits einen Etat, um diesmal doch eine Agentur einzuschalten – aber so richtig beraten konnte Sie noch niemand, wie Sie vermeiden, von den jungen Anzugträgern über den Tisch gezogen zu werden, die mit einschüchternden technischen Begriffen nur so um sich werfen? Wenn Sie gerade innerlich nur ein einziges Mal genickt haben, sind Sie hier richtig.


