Stiftungen allgemein
Stiftungen sind wichtige Geldgeber für viele gemeinnützige Initiativen und Projekte. Das Grundprinzip einer Stiftung ist, dass Kapital (das sog. Stiftungsvermögen) dauerhaft für einen bestimmten Zweck zur Verfügung gestellt wird. Aus den Erträgen des Stiftungsvermögens werden dann die laufenden Ausgaben bestritten.
Nur bei knapp der Hälfte der in Deutschland existierenden Stiftungen kann man auch tatsächlich (Förder-) Anträge stellen. Die Anzahl der fördernden Stiftungen sagt allerdings nur wenig über das Finanzvolumen und gar nichts über die Antragschancen bei den einzelnen Stiftungen aus. Die einhundert größten Stiftungen vergeben etwa zwei Drittel der von Stiftungen insgesamt ausgeschütteten Fördergelder. Geschätzt erreicht das Fördervolumen von Stiftungen in Deutschland etwa ein Zehntel der Einnahmen aus Spenden (Fundraising Akademie 2002).
Diese Relativierungen sagen allerdings nichts über die Bedeutung aus, die viele Stiftungen als wertvolle Förderer von Neuerungen in unserer Gesellschaft wahrnehmen. Deshalb können sie gerade auch für innovative Projekte ideale Partner sein. Im Unterschied zu anderen Fördermöglichkeiten (etwa beim Sponsoring) sind zudem die Gefahren, von einem Förderer vereinnahmt zu werden, geringer. Stiftungen sind durchweg mehr an der Förderung der Sache als an der Förderung des eigenen Erscheinungsbildes interessiert.
Gerade weil Stiftungen sehr beliebte Partner sind, werden sie aber auch mit Anträgen und Bitten überhäuft. Mitarbeiter/innen fast aller fördernden Stiftungen stöhnen im PC-Zeitalter über die immense Antragsflut und die hohe Zahl von Irrläufern. Auf Seiten der Antragsteller/innen ist der Frust über standardisierte Absagebriefe ähnlich hoch. Bevor man sich also die Mühe der Antragstellung macht, sollte man sich über Förderrichtlinien und eventuelle Programmschwerpunkte von einigen ausgewählten Stiftungen informieren. Die Vorauswahl kann man nach regionalen Gesichtspunkten treffen (viele Stiftungen fördern nur Initiativen in der eigenen Region) oder aber nach fachlicher Schwerpunktsetzung. Sinnvoll kann aber auch eine telefonische Voranfrage sein, um zu klären, ob beispielsweise das geplante Projekt überhaupt förderfähig ist, was bei der Antragstellung zu beachten ist und ob es Antragsformulare und spezielle Fristen gibt.
Bevor ein umfangreicher Antrag erstellt wird, empfiehlt es sich – vor allem in nicht formalisierten Antragsverfahren bei Stiftungen – einen Entwurf von zwei oder drei Seiten einzusenden, der das geplante Projekt kurz vorstellt und sich an bestimmten Leitfragen orientiert.
Auch eine Information über die ungefähre Bearbeitungszeit bis zur Entscheidung ist wichtig, um die eigenen Zeitpläne darauf abzustimmen. Eine rückwirkende Förderung ist fast immer ausgeschlossen. Die Förderpraxis von Stiftungen ist ähnlich wie ihr Fördervolumen sehr unterschiedlich. Allgemeine Statistiken darüber oder über die Bewilligungsquote gibt es nicht. Zumeist dürften Stiftungen aber dazu neigen, lieber mehrere kleinere Projekte zu fördern, als die gleiche Summe einem einzelnen Großprojekt zu geben.
Stiftungen prüfen immer den jeweils beantragten Einzelfall. Daher sollten Sie darauf achten, dass neben der notwendigen Übereinstimmung mit den Förderrichtlinien und der Dringlichkeit des Bedarfes, bei der Bewertung einer Maßnahme oft ihr Modellcharakter (mögliche Übertragbarkeit, Beispiel für Problemlösung), die Vorlage eines realistischen und nachvollziehbaren Gesamtfinanzierungskonzeptes und bei längerfristigen Projekten die Sicherung der Folgefinanzierung wichtige Entscheidungsgründe sind.
Beim Finanzierungskonzept spielen in der Regel auch der Eigenanteil und andere Einnahmequellen eine große Rolle. Wenn man selbst keine Mittel bereitstellen oder im Projekt erwirtschaften kann, ist dies zumindest erklärungsbedürftig. Andere Zuwendungsgeber sind nicht nur wichtig, weil eine Vollfinanzierung durch nur eine Stiftung selten ist, sondern unterstreichen auch die Qualität des Projektes, weil es schon von anderen als förderungswürdig anerkannt wurde. Und: Wie beim Sponsoring gilt auch für Stiftungen, dass Förderer und Geförderte zueinander passen müssen und ein wechselseitiges Vertrauensverhältnis besteht. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei persönliche Kontakte und Überzeugung.
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