Spendenbriefe 1 (2)
Ein Spendenbrief ist auch eine Art von Förderantrag und sollte den Spender und die Spenderin davon überzeugen, dass es wichtig und sinnvoll ist, auch einen kleineren Betrag für die vorgeschlagene Problemlösung zu geben. Deshalb sollte man darauf achten, auch größere Projekte beispielhaft in kleine, nachvollziehbare Schritte aufzuteilen: Mit 30 Euro kann einem Kind eine Grundausstattung an pädagogischem Spielmaterial zur Verfügung gestellt werden, mit 100 Euro kann Werkzeug für eine mobile Schuhmacherei gekauft werden, die einer Person auf Dauer Arbeit verschafft oder wenn 15 Menschen je 50 Euro geben, kann ein Fahrrad mit Anhänger für die Kooperative gekauft werden.
Drehen Sie die drei W´s (Wer, Was, Warum) einmal um: Beginnen Sie mit dem Warum und kommen Sie dann auf die anderen W´s zu sprechen.
- Warum sprechen Sie gerade Herrn X oder Frau Y an? Machen Sie den regionalen oder inhaltlichen Bezug deutlich: der/die Angeschriebene kennt Ihre Arbeit schon lange, sie wohnt im Stadtteil, der eine Partnerschaft mit Ort Y hat, sie hat an Ihrer Tagung teilgenommen, sie hat Material angefordert etc.
- Was Sie mit der erbetenen Spende bewegen, lösen, lindern wollen und
- Wer Sie
sind mit einer Erläuterung, weshalb gerade Sie der Garant
für eine effektive und kompetente Problemlösung sind.
Gestalten Sie den Brief optisch übersichtlich, mit einigen attraktiven Schlagworten (im Betreff, im P.S.), damit aus dem »Überfliegen« ein »Lesen« wird. Dabei sollten Sie illustrativer, aber dennoch sachlicher Information gegenüber übertrieben emotionalisierten »Tränendrüsenargumenten« den Vorzug geben.
Besonders kleine Organisationen ohne genügend Finanzmittel für eine große Spendenkampagne besitzen ein enormes Plus: Sie kennen viele ihrer Spender und Spenderinnen persönlich. Diesen Vorteil sollten Sie unbedingt nutzen und die Anrede möglichst direkt gestalten. Je mehr personenbezogene Informationen Sie mit hereinbringen, umso wahrscheinlicher, dass die Angeschriebenen auch zum Spender werden – vor allem, wenn Sie diese wiederholt anschreiben und den vorherigen Brief erwähnen (»das in unserem Brief an Sie vom ... beschriebene Problem konnten wir so und so lösen und bitten Sie jetzt um eine Unterstützung der Nachsorge, die die Lösung nachhaltig sichern hilft...«).
Checkliste Spendenbriefe
- Reizt der Umschlag zum Öffnen? Oder sieht er nach Postwurfsendung aus? Briefmarke ist besser als ein Freistempler, ein Slogan, ein Logo ein Bild, ein Aufkleber, wecken die Neugier.
- Ist der Brief nicht zu lang? Maximal zwei Seiten, eineinhalbzeilig und optisch aufgelockert überfordert er die Leser nicht.
- Ist eine persönliche Anrede sinnvoll? Serienbriefe machen persönliche Anreden einfach, manchmal ist es aber ehrlicher, dass man ein Rundschreiben auch als solches zu erkennen gibt.
- Ist die Überschrift / das Betreff einladend? Sie muss Neugier wecken, ohne mit der Spendenforderung oder dramatischen Katastrophen zu drohen. Ein positives Angebot an die Leser beispielsweise.
- Fesselt der Beginn des Briefes? Sie sollten hier den Leser überraschen, an etwas anknüpfen, was er kennt, was ihn interessiert.
- Wer hat den Brief unterschrieben? Immer der ranghöchste Vertreter der Organisation, das unterstreicht die Bedeutung, die Ihre Organisation der Bitte beimessen.
- Gibt es ein Photo? Dies kann ein prominenter Unterstützer (Bürgermeisterin, Sportlerin, Politikerin) oder aber auch ein Nutzniesser, eine Betroffene sein, die mit einer kurzen positiven Bildunterschrift persönlich wirbt. Oder Sie unterstreichen die Glaubwürdigkeit des Unterzeichners mit einem Bild von ihm / ihr selbst.
- Haben sie ein Postscriptum, ein P.S.? Es gehört zu den herausragenden und beachteten Merkmalen im Brief und sollte den Inhalt in einem Appell nochmals eindrücklich wiederholen.
- Hat Ihr Brief Anlagen? Es eignen sich Informationsbroschüren (Faltblätter) genauso wie die Kopie eines Zeitungsartikels. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein kleines Geschenk beizulegen (Kinderzeichnung, Postkarte, Aufkleber).
- Ist der Brief in einfach und gut lesbaren Stil geschrieben? Kurze Sätze, keine Fachausdrücke, illustrierende Beispiele erfolgreicher Problemlösungen statt komplizierter Konzepte und Ziele.
- Ist es ein persönlicher Brief? Haben Sie klar gemacht, dass Sie ganz persönlich voll und ganz hinter dem Anliegen stehen und das mit einem Beispiel verdeutlicht?
- Haben Sie um Antworten, Anregungen jenseits der finanziellen Spende gebeten? Bieten Sie den Austausch an, laden Sie zur Mitarbeit ein – dies zeigt, dass Ihnen nicht nur Geld willkommen ist und es Ihnen um die Sache geht.
Weiler, Torsten: Praxis Fundraising, Bonn 1998, S.74–78


