Konzepterarbeitung
Wie fangen wir an?
Angenommen, Ihre Initiative oder Ihr Projekt verfügt weder über eine ertragreiche Fundraising-Praxis noch über ein entsprechendes Konzept, will aber zu beidem kommen. In welchen Arbeitsschritten könnte dies praktisch geschehen?
Der folgende Vorschlag geht davon aus, dass in Ihrer Initiative bislang keine Fundraising-Erfahrungen vorliegen, es kein tragfähiges Finanzierungskonzept gibt und ein solches nun ohne externe Hilfe entwickelt werden soll.
Zunächst muss sich die Initiative darüber verständigen, ob überhaupt die Erarbeitung einer Fundraising-Konzeption erforderlich ist und wie viel Zeit, Energie und ggf. Geld sie (vorläufig) dafür investieren will.
Zur Vorbereitung einer solchen Entscheidung könnten ein bis zwei Treffen den Fragen zur Situationswahrnehmung gewidmet werden. Selbstverständlich sollten diese Fragen für die spezifische Initiative und Situation modifiziert und ggf. ergänzt werden.
- Was ist heute unser Existenzzweck? Welche Leitbilder verfolgen wir?
- Wo und in welcher gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Umwelt befinden wir uns heute?
- Was bieten wir der Öffentlichkeit, unseren Mitgliedern und Spender/innen?
- Wollen wir auch morgen das sein, was wir heute sind?
- Nehmen uns unsere potentiellen Öffentlichkeiten in derselben Weise wahr, wie wir uns selbst wahrnehmen?
- Erkennen sie unsere Arbeit an und unterstützen unsere Ziele für morgen?
- Welche Gründe kann es für unsere potentiellen Öffentlichkeit(en) geben, gerade uns mittels Spenden oder auf andere Weise zu unterstützen? Welche Gründe sind einzigartig?
- Welches Finanzvolumen werden wir benötigen, um unsere Ziele zu für die nächsten ca. zwei bis fünf Jahre zu erreichen?
- Welcher Finanzbedarf hat erste, zweite, dritte usw. Priorität?
- Stehen die Menschen in unserer Organisation hinter unseren Leitbildern und unserem Selbstverständnis und verstehen sie unsere strategischen Zielvorstellungen?
- Sind unsere hauptamtlichen Mitarbeiter/innen bereit, für unsere Arbeit im allgemeinen oder für bestimmte Projekte zu spenden?
- Sind unsere ehrenamtlich aktiven Mitglieder bereit, für unsere Arbeit im allgemeinen oder für bestimmte Projekte zu spenden?
- Mit wem stehen wir im Wettbewerb? Unterscheiden wir uns von Mitbewerbern? Was ist unsere Besonderheit? Wo sind wir einzigartig?
- Wie vermitteln wir unserer Öffentlichkeit am besten unsere Besonderheiten, strategischen und operativen Ziele?
Werden diese Fragen eindeutig und positiv beantwortet, können auf dieser Grundlage u.U. schon die Finanzierungsmöglichkeiten analysiert, die entsprechende Fund-Raising-Strategie formuliert und deren Umsetzung in Angriff genommen werden. Sind eindeutige und positive Antworten nicht möglich, empfiehlt es sich, systematisch und von Anfang an die einzelnen Schritte des oben vorgestellten Fundraising-Kreislaufes abzuarbeiten.
Fundraising-Konzeption erarbeiten
Für die Erstellung einer Fundraising-Konzeption kann sich die Initiative bzw. eine von ihr beauftragte Projektgruppe an mehreren Wochenenden und Abenden treffen. Zur Begleitung, Strukturierung und ggf. Moderation dieser Arbeitstreffen sollten sich möglichst zwei Personen aus der Initiative bereit finden.
Sinnvollerweise bereiten sich Einzelne auf bestimmte Fragen besonders vor, indem sie sich z.B. die entsprechenden Bücher, Broschüren oder Artikel, die für das Thema der Initiative wichtig sind, besorgen und durcharbeiten.
Darüber hinaus können Initiativmitglieder zur eigenen Qualifizierung an Fortbildungen zu Themen wie »Fund Raising«, »Öffentlichkeitsarbeit« usw. teilnehmen. Die Konzeptionsentwicklung kann dann in Anlehnung an den Fundraising-Kreislauf z.B. in folgenden Arbeitsschritten erfolgen:
Selbstverständnis, Situationsanalyse, Ziele
Programmentwicklung
Budget und Markteinschätzung
Präsentation des bisher Erarbeiteten vor einer größeren Gruppe
Auswertung der Präsentations-Diskussion und Schlussfolgerungen sowie Aufgabenverteilung für den weiteren Prozess
Recherche, Analyse und Auswahl der verfügbaren und erreichbaren Finanzierungsarten und -quellen
Formulierung der Fundraising-Strategie
Präsentation der Strategie vor einer größeren Gruppe und Diskussion mit Ideensammlung zur Umsetzung
Auswertung der Präsentations-Diskussion und Schlussfolgerungen und Aufgabenverteilung für den weiteren Prozess
Entwurf und Auswahl von Fundraising-Maßnahmen und Erarbeitung der dazugehörigen Kommunikationsstrategie und -Maßnahmen
Präsentation der ausgewählten Fundraising-Maßnahmen und der Kommunikationsmedien vor allen lnitiativmitgliedern und nahe Stehenden einerseits zur Überprüfung und andererseits zur Motivation, sich an der Umsetzung zu beteiligen
Maßnahmen vorbereiten, Medien produzieren, ggf. Trainings bzw. Rollenspiele »Nach Geld fragen« usw. durchführen
Spenden usw. einwerben
Ergebnisse auswerten und Schlussfolgerungen daraus ziehen
Spenden usw. erneut werben
Wenn Sie diesem Vorschlag folgen (was Sie selbstverständlich nicht müssen), beträgt der Zeitaufwand für Treffen (mindestens) sechs Wochenenden und zwanzig Abende. Zwischen den Abend- bzw. Wochenendtreffen müssten Detailrecherchen durchgeführt und Informationen zusammengetragen werden.
Mit einem entsprechenden Vorlauf, d.h. von der Grundsatzentscheidung bis zum Beginn dieses Prozesses, kann es realistischerweise neun Monate (oder auch ein Jahr) dauern, bis mit der praktischen Umsetzung des Fundraisings begonnen werden kann.
Wenn es dann tatsächlich und mit Erfolg beginnen kann, ist diese Zeit nicht zu lange. Denn es geht – wie oben schon erwähnt – bei diesem Vorschlag um die Konzeption einer dauerhaften oder zumindest längerfristigen Finanzierung ohne irgendeine vorhandene Grundlage. Dies gelingt nicht von heute auf morgen und kann sich selbst mit professioneller externer Hilfe über Monate hinziehen, denn: Fundraising ist kein Krisenkonzept, das auf die Schnelle Geld besorgt.
Welche Möglichkeiten gibt es noch?
Initiativen, die bereit sind, miteinander zu kooperieren, können diesen Prozess parallel durchlaufen und sich gegenseitig beraten. Denn eine (wenn auch nicht die einzige) wichtige Qualität von ansonsten zu bezahlenden Berater/innen ist die des externen Blicks von außen.
Zwei oder drei Initiativen können auch ihre für sich genommen bescheidenen Mittel zusammenlegen, um für bestimmte Phasen gemeinsam Berater/innen für eine Fortbildung bzw. Beratungswerkstatt einzuladen. So können relativ hohe Beratungshonorare auch für kleinere Initiativen erschwinglich werden.


