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Freiwillige in Leitungsaufgaben

Eine ehrenamtliche Leitungsaufgabe braucht Zeit und Qualität. Sowohl in kleinen Vereinen wie auch in großen Verbänden sind mit der Vorstandsarbeit als einer Form des freiwilligen Engagements besondere Anforderungen verbunden:

  • Der Zeitfaktor spielt eine ganz entscheidende Rolle. Es muss mit der Illusion aufgeräumt werden, eine Leitungsaufgabe sei in einer vierstündigen Sitzung pro Monat zu erledigen.

  • Ein Vorstand muss insgesamt über die Qualitäten verfügen, die notwendig sind, um seiner Verantwortung entsprechen zu können.

  • Nicht jedes Mitglied des Vorstandes muss über alle Qualitäten verfügen. Erst die Vielfalt von beruflichen und persönlichen Kompetenzen, Interessen und Erfahrungen macht den »guten» Vorstand aus, der Vielfalt, Offenheit und Toleranz repräsentiert und lebt.

  • Es muss transparent sein und öffentlich gemacht werden, was es bedeutet, Verantwortung für einen Verein oder einen Verband und seine Mitgliedsorganisationen zu übernehmen. Nur eine realistische Darstellung der Anforderungen an leitende Ehrenamtler/innen kann Enttäuschung, Überforderung und Rückzug in Grenzen halten.

Wenn sich in Vereinen und Organisationen Strukturen grundlegend  verändern, verändern sich damit auch die Anforderungen an freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Am Beispiel der Entwicklung einer Initiative oder Selbsthilfegruppe zu einer Einrichtung mit bezahlten Kräften wird deutlich, wie sich freiwilliges Engagement zwischen Selbsthilfe und Sozialunternehmen verankert:

Häufig war/ist eine Selbsthilfegruppe Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Einrichtung mit angestellten, bezahlten Kräften. Immer dann, wenn sich das Aufgabenspektrum einer Gruppe hin zu öffentlicher Beratung und Anlaufstelle für Hilfe Suchende erweitert, wird rasch die Grenze von Selbsthilfe zur Fremdhilfe überschritten. Mit den damit verbundenen erhöhten Anforderungen an Kontinuität, Öffnungszeiten, Umfang der Beratungsarbeiten, Erhöhung des Verwaltungsaufwandes werden bald die Ressourcen und Möglichkeiten des freiwilligen Engagements überlastet. Eine Vereinsgründung mit den Instrumenten ehrenamtlicher Vorstand und bezahlte Mitarbeiter/innen soll dann die gewünschte Entlastung bringen.

Mit der Erleichterung durch die eingestellte Kraft kommt es zu Veränderungen der Aufgaben- und Arbeitsteilung, entsteht eine Strukturveränderung, die neue Kompetenzen notwendig macht. Die gegenseitigen Erwartungen entwickeln sich zwischen zwei Polen:

  • Wunsch nach Arbeitsentlastung
  • Ständige/r Ansprechpartner/in im Büro
  • Beratung und Unterstützung in der fachlichen Arbeit des Vereins und
  • Klar umrissener Arbeitsauftrag, der die Handlungsspielräume und Grenzen beschreibt
  • Kompetente Ansprechpartner/innen im Vorstand, die die Sach‑ und Fachanliegen führen und Entscheidungen treffen
  • Persönliche Wahrnehmung, Lob und Kritik
  • Wahrnehmung von Personalführungsaufgaben durch den Vorstand.

Zusätzlich sind vielleicht noch weitere freiwillige Mitarbeiter/innen zu »managen«, Aufgaben zu verteilen, abzusprechen und zu kontrollieren, Finanzen zu budgetieren, Abrechnungen zu machen und vieles mehr.

Als Vorstand Arbeitgeber/in zu sein, verlangt neue Kompetenzen und Kenntnisse. Mit der Einstellung des/der ersten Angestellten verlieren Selbsthilfezusammenschlüsse i.d.R. ihre »Unschuld« – und begeben sich auf den Weg zu einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen.

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