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Abwägen der Argumente 1 (6)

In den meisten Fällen geht die Initiative zu einer Geschäftsgründung von einer engagierten Person im Träger aus oder entsteht im Gespräch zwischen Einzelnen. Die Rolle dieser Initiatoren ist entscheidend, um das Projekt gegen die natürlichen Widerstände und Trägheitsschwellen in der Organisation zum Leben zu erwecken. Viele Projekte, die in Planungsrunden von oben entstehen, versanden oder laufen auf, weil sich in der Organisation kein Gefühl der Teilhabe einstellt und sich somit keine Energie hinter der Idee formiert. Dennoch muss auch bei einer enthusiastisch vertretenen Initiative gut erwogen werden, welche Gründe für und gegen die Geschäftsgründung sprechen, um realistische Ziele für das Unterfangen abstecken zu können. Dabei sind zunächst zwei grundlegende Fehlannahmen als Motive der Gründung auszuschließen.

Fehlannahme Nr. 1: Geschäftsbetriebe bringen schnelles Geld

Während diese Annahme auf einmalige Verkaufs-Kampagnen möglicherweise zutrifft, ist bei regulären Geschäftsbetrieben mit einer Anlaufzeit von drei bis vier Jahren zu rechnen, bevor überhaupt Überschüsse erwirtschaftet werden. Meist sind dabei auch nach der Startphase die Synergien, die sich im Zusammenspiel der verschiedenen Arbeitsbereiche ergeben, bedeutender als die direkte Querfinanzierung der ideellen Arbeit. Hierbei stellt sich immer die Frage: Kann der Träger eine bessere ideelle Wirkung erzielen, wenn er die Ressourcen, die eine Geschäftsgründung erfordert, anders einsetzen würde? Wie dieses Verhältnis auch aussehen mag – in keinem Fall sind Geschäftsgründungen eine geeignete Strategie, um einen Träger aus akuter Finanzkrise herauszuholen.

Fehlannahme Nr. 2: Geschäftsbetriebe machen unabhängig

Obwohl klar ist, dass Organisationen mit mehreren Standbeinen weniger abhängig von einzelnen Förderern sind als solche, die auf eine Quelle setzen, ist dies nicht mit Unabhängigkeit zu verwechseln. Oft genug stoßen Träger bei ihren Aktivitäten auf dem freien Markt auf einen Handlungsdruck durch Kundschaft und Konkurrenz, der die Beziehung zu den härtesten Geldgebern noch in den Schatten stellt. Diese Fremdbestimmung durch den Markt stellt innerbetrieblich nur eine Verlagerung der Abhängigkeit dar, die die Umsetzung der Organisationsziele nicht unbedingt weniger, sondern vor allem anders beeinträchtigt.

beispiel

In einer ersten Diskussionsrunde kann geklärt werden, dass für das sozio-kulturelle Zentrum »Corso« die Gründung eines Tagungshauses kein hinreichender Krisenplan ist. Auch die Vorstellung, dass die Overhead-Struktur des Zentrums mit der Geschäftsgründung »autark« wird, stellt sich bald als Wunschdenken heraus. Der Tagungshausbetrieb ist von so hoher Konkurrenz geprägt, dass Aufbau und Verwaltung des Betriebs mit hoher Wahrscheinlichkeit Energie von den anderen Programmbereichen des Zentrums abziehen werden. Dies muss nicht heißen, dass von der Geschäftsgründung per se abzuraten ist. Die Ziele der Gründung müssen jedoch über das Finanzierungsmotiv hinaus gedacht werden. Kurzfristig sind zudem weitere finanzielle Rettungsmaßnahmen angebracht.

Argumente für die Geschäftsgründung

Trotz der genannten Einschränkungen gibt es viele gute Gründe für den Aufbau von Projekten zur Eigenmittel-Erwirtschaftung. Sie lassen sich grob einteilen in die positive Wirkung auf die ideelle Arbeit, die finanzielle Stärkung der Träger und die Verbesserung ihres Zielgruppenbezugs.

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