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Der »Kultur-Clash« 1 (3)

In nahezu allen untersuchten Fällen steht die Spannung zwischen der gemeinnützigen und der unternehmerischen Logik bei der Analyse kritischer Punkte an erster Stelle. Der »Kultur-Clash« spannt sich dabei nicht nur zwischen den Polen »Ideal« und »Markt« auf, sondern spielt sich im Dreieck von ideeller, marktbezogener und staatlich-bürokratischer Logik ab, da sich die gemeinnützige Organisationskultur nicht nur aus dem Milieu der »ideellen Szene«, sondern auch aus dem zum Teil übernommenen bürokratischen Denkmodell der Verwaltung speist. Die Unterschiede dieser Muster zur unternehmerischen Kultur bestimmen dabei das Potential an Reibung, das beim Aufbau von Geschäftsbetrieben in einer gemeinnützigen Organisation entsteht.

Die »Immun-Reaktion« des gemeinnützigen Organismus gegen ein unternehmerisches Projekt nimmt in dem Maße zu, wie das Projekt in der Organisation als Fremdkörper wahrgenommen wird, sich also nicht aus einem transparenten inneren Prozess heraus entwickelt hat. Das gleichzeitige Auftreten von »Antikörpern« aus der Sphäre der ideellen Szene (z.B. Vorbehalte gegen Kommerzialisierung) und des Verwaltungsdenkens (z.B. Vorbehalte gegen unternehmerische Risiken) ist dabei vorprogrammiert.

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Exkurs: Intermediäre Organisationen – Neben dem (ökonomisch geprägten) Begriff des »Nonprofit-Bereichs« und dem (soziologisch geprägten) Begriff des »Dritten Sektors« spielt seit einiger Zeit auch das politisch akzentuierte Konzept des »Intermediären Bereichs« von Adalbert Evers (1990) eine wichtige Rolle...

Die folgende Zusammenstellung gibt eine kurze Übersicht, in welchen Bereichen Konflikte zu erwarten sind, und wo sich kulturelle Brücken von einer Sphäre in die andere schlagen lassen.

  • Struktur: Während in der Sphäre der Gemeinschaft informelle Zusammenhänge vorherrschen, die auf sozialen Netzwerken aufbauen, sind im staatlichen wie auch im Unternehmensbereich Formalstrukturen als Organisationsform dominant. Der mit dem Aufbau von Geschäftsbetrieben verbundene Marktimpuls passt insofern strukturell mit dem bürokratischen Kulturanteil gemeinnütziger Träger zusammen. Dennoch kann die Geschäftsgründung von der Flexibilität und Ressourcenvielfalt informeller Strukturen profitieren.

  • Aufgabenspezialisierung: Ein weiterer Bereich, in dem sich bürokratische und marktbezogene Logik treffen, ist die Aufgabenspezialisierung. Während in der Sphäre der Gemeinschaft eine hohe Aufgabendiffusion herrscht, in der Beteiligte multiple, oder gar universelle Rollen einnehmen, herrscht in der bürokratischen und unternehmerischen Logik eine hohe Aufgabenspezialisierung vor. Aus diesen unterschiedlichen Anforderungen ergibt sich oft ein Konflikt zwischen Universalisten und Spezialisten beim Aufbau von Geschäftsbetrieben.

  • Risikobezug: Die Risiko-Einstellung ist einer der Punkte, in dem die marktbezogene Logik mit den Logiken von Gemeinschaft und Bürokratie am stärksten auseinanderfällt. Während im Bereich der Bürokratie ein Risikotabu herrscht, das sich aus dem Gebot der Stabilität und Planbarkeit herleitet, ist der informelle Bereich oft von Risikoaversion geprägt, die sich aus kollektiven Abstimmungsprozessen ergibt. Unternehmerisches Handeln ist im Gegensatz dazu auf riskante Entscheidungen angewiesen, da der Gewinn vom Risiko lebt.

  • Motivation:  Ein grundlegender Unterschied zwischen den Sphären findet sich im Bereich der Motivation. Während das Klischee vom Altruismus im Nonprofitbereich und Egoismus im Profitbereich ohne Zweifel zu kurz greift, lässt sich sagen, dass die ideelle Szene zu einem hohen Grad von der Eigenmotivation der Beteiligten (»intrinsische Motivation«) lebt, während in der Marktlogik jenseits des unternehmerischen Eigeninteresses Anreizsysteme zwischen den Interessen von Organisation und Individuum vermitteln (und so die »extrinsische Motivation« stärken). Anreizsysteme sind auch in der bürokratischen Sphäre verbreitet, allerdings setzt die bürokratische Logik gleichzeitig auf Pflichterfüllung.

  • Zielsystem: Auch wenn die Gewinnmaximierung in der unternehmerischen Logik nicht immer das einzige Ziel ist, nimmt sie doch eine dominante Stellung im Zielsystem marktwirtschaftlicher Unternehmen ein. Demgegenüber sind sowohl in der Gemeinschaft als auch in der staatlichen Sphäre multidimensionale Zielsysteme vorherrschend, in denen ideelle bzw. sachbezogene Ziele überwiegen. Diese Reibung kann aufgelöst werden, indem die Gewinnmaximierung bei Modellen der Eigenmittel-Erwirtschaftung zum abhängigen Ziel im Rahmen der Förderung ideeller Organisationsziele wird.

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