Stiftung Synanon 1 (2)

»Synanon« ist eine Suchthilfe-Gemeinschaft, die 1971 von Betroffenen für Betroffene in Berlin gegründet wurde. Die »Stiftung Synanon« unterhält diverse therapeutische Wohnprojekte und eine Reihe von Zweckbetrieben, über die sie ihre Arbeit zu über einem Drittel finanziert.
Entwicklungsgeschichte
»Synanon« hat eine lange und spannende Geschichte, die sich kaum in einem Absatz schildern lässt. Das »Synanon« -Modell stammt ursprünglich aus den USA und wurde Anfang der 70er Jahre in Deutschland übernommen. So wie jenseits des Atlantiks war »Synanon« in den Anfängen seiner deutschen Entwicklung als dauerhafte Lebensgemeinschaft angelegt, die bald auf über 500 Personen anwuchs. Heute versteht sich die Organisation dagegen als »Lebensschule«, in der in maximal drei Jahren ein Zyklus von Ausbildungs- und Therapieschritten durchlaufen wird. Während die »Synanon«- Bewohner/innen im ersten halben Jahr noch Sozialhilfe beziehen, müssen sie in der Folgezeit zu ihrem Unterhalt durch Arbeit in den Zweckbetrieben der Organisation selbst beitragen.
Die ersten und heute größten »Synanon« -Betriebe, Umzüge und Druckerei, wurden bereits mit Gründung der Organisation aufgebaut. Über die Jahre kamen die Bereiche Catering, Reinigung, Wäscherei, Vermarktung, Tischlerei, Töpferei und Elektrotechnik sowie ein Fachverlag mit Publikationen zum Thema Sucht und Drogen dazu. Angegliedert waren darüber hinaus bis 2000 zwei landwirtschaftliche Betriebe in Hessen und Brandenburg.
Das rapide personelle und finanzielle Wachstum von »Synanon« in den ersten 25 Jahren vollzog sich weitgehend ohne strukturelle Reifung der Organisation. Der stark auf die Gründerpersonen zugeschnittenen informellen Struktur des Vereins standen somit kaum formale Entscheidungs- und Kontrollmechanismen gegenüber. Zum Ende der 90er Jahre entwickelten sich mehrere Fehlinvestitionen auf diesem Hintergrund zu einem finanziellen Desaster, das »Synanon« in einem Schuldenloch von 80 Millionen Mark versinken ließ.
Durch ein umfangreiches Crash-Management kam die Organisation mit Hilfe des Kaufmanns Uwe Schriever innerhalb von drei Jahren wieder auf die Beine. In diesem Zusammenhang wurden auch die Geschäftsführung und der Vorstand von »Synanon« abgelöst und die Aufgaben des Vereins von der »Stiftung Synanon« übernommen.
Konstruktion
Die mit der Stiftungsgründung verbundene langfristige Festschreibung der Organisationszwecke und Prüfung durch die Stiftungsaufsicht sollte die interne Stabilität der Organisation stärken und die in der Öffentlichkeit entstandene Vertrauenslücke schließen. Zusätzlich wurde ein Kuratorium mit Unterstützern und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik eingerichtet. Die Geschäfte der Stiftung werden nach diesem Umbau nun dreifach geprüft – durch ein Wirtschaftsprüfungsbüro, durch das Kuratorium und durch die Stiftungsaufsicht.
Der selbsterwirtschaftete Anteil der Finanzierung von »Synanon« liegt derzeit bei 35 bis 40%; ein vergleichbarer Anteil ergibt sich aus Spenden und Bußgeldern. Der Rest wird durch die eingangs noch bezogenen Sozialhilfe-Sätze der Bewohner sowie durch Senatsförderungen und andere Zuwendungen finanziert. Nach einer entsprechenden Satzungsänderung baut die Stiftung nun auch ein Portfolio an Unternehmens-Beteiligungen auf, die allerdings nicht primär zusätzliche Einnahmen für »Synanon«, sondern vor allem Ausbildungs- und Arbeitsplätze für »Synanon« -Bewohner/innen nach dem Durchlaufen des Programms garantieren sollen.


