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Eine-Welt-Laden mbH Jena 1 (2)

Logo Eine-Welt-Laden in Jena: bemalte Häuserfront

Der Jenaer Eine-Welt-Haus e.V. ist ein entwicklungspolitischer Verein, der sich für Solidarität, Austausch und Verständigung im Nord-Süd-Kontext einsetzt. An den Verein angegliedert ist ein Eine-Welt-Laden, über den fair gehandelte Produkte vertrieben werden. Die Arbeit des Eine-Welt-Hauses wird über die Einnahmen des Ladens mitfinanziert.

Entwicklungsgeschichte

Das Eine-Welt-Haus wurde 1990 als gemeinsame Idee verschiedener Gruppen der unabhängigen Solidaritäts-Bewegung der DDR gegründet. Mit Unterstützung der Stadt entstand damals im Jenaer Stadthaus das Eine-Welt-Haus, unter dessen Dach sich verschiedene Engagierte, Initiativen und Vereine sammelten. Als zentrale Aufgabenfelder nahm der Verein die Bereiche Bildungsarbeit, Entwicklungszusammenarbeit und den »Fairen Handel« ins Visier.

Bereits zwei Jahre nach seiner Gründung legte das Finanzamt dem Eine-Welt-Haus nahe, seine wirtschaftlichen Aktivitäten (den Vertrieb fair gehandelter Produkte) auszulagern, um die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht zu gefährden. Für die Auslagerung wurde die Form des »Nicht eingetragenen Vereins mit beschränkter Haftung« gewählt. Der Aufbau des »Eine-Welt-Laden mbH« erfolgte mit verhältnismäßig geringen Investitionen. So wurde die Arbeit zunächst durch Ehrenamtliche übernommen, die Ware überwiegend auf Kommissionsbasis in Bestand genommen. Die Mitgliedschaft in der FAIRE Warenhandels-Genossenschaft, die als Mittler zwischen Importorganisationen und Weltläden fungiert, ermöglichte zudem günstige Einkaufs- und Lieferkonditionen.

Mit dem Rückgang des ehrenamtlichen Engagements und den wachsenden Umsätzen im Laden wurde der Druck zur professionellen Struktur immer stärker. Als der Umsatz 1994 eine Höhe von 300.000 DM erreicht hatte, entschloss man sich, eine hauptamtlichen Stelle für den Laden einzurichten. Zwei Jahre später kam eine Geschäftsführerstelle hinzu, die den ehrenamtlichen Vorstand des Ladens entlasten sollte. Heute wird das Geschäft von den Hauptamtlichen gemanagt, während ehrenamtliche Arbeit auf den Verkauf im Laden beschränkt ist.

Konstruktion

Der »Nicht eingetragene Verein mit beschränkter Haftung« ist im Körperschaftsrecht nicht als eigene Rechtsform vorgesehen und ist eine juristische Kuriosität. Als Verein hat er dieselbe Gremienstruktur wie ein e.V., mit dem Unterschied, dass die Vorstände nicht öffentlich registriert werden müssen. Die Haftungsbeschränkung, die Schutz im Schadens- oder Insolvenzfall gibt, wird dabei allein durch Satzungsklauseln festgelegt. Nach neuerer Rechtsprechung wird diese satzungsmäßige Regelung allerdings in Frage gestellt, womit – wie bei nicht-eingetragenen Vereinen üblich – im Zweifelsfall alle Mitglieder persönlich für etwaige Forderungen haften. Der Eine-Welt-Laden hat dieses Risiko durch Versicherungen weitgehend begrenzt.

Die meisten Mitglieder des Eine-Welt-Haus e.V. sind gleichzeitig Mitglieder des Eine-Welt-Laden mbH. Durch diese Konstruktion der Doppelmitgliedschaft soll vor allem die Mitgliederkontrolle über den ausgelagerten Betrieb gewährleistet werden. Die Geschäftsführung des Ladens wird dabei von der Mitgliederversammlung bestätigt, entscheidet im täglichen Geschäft allerdings eigenständig.

Der Geldtransfer zwischen Laden und eingetragenem Verein erfolgt nicht als Ausschüttung, sondern findet im Rahmen eines Sponsoring-Vertrages statt, über den der Laden einzelne Projekte des Eine-Welt-Hauses fördert. Da Sponsoringausgaben allerdings eine umsatzbezogen definierte Obergrenze haben, beträgt diese direkte Unterstützung nur 2.000 bis 3.000 Euro im Jahr. Ein indirekter Transfer findet darüber hinaus durch die Übernahme von Miet- und Nebenkosten für die gemeinsam genutzten Räumlichkeiten (durch Untermietvertrag an den Laden mbH) und durch eine Anteilsfinanzierung der technischen Ausstattung statt.

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