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Der Kiez zum Anfassen Eine Aktivierende Befragung mit einem Stadtteil-Modell 1 (2)

Ausgangslage/ Rahmenbedingungen

Im Frühjahr 1999 wurden in Berlin im Rahmen des Bund-Länder-Programms »Soziale Stadt« 15 Gebiete mit »besonderen Entwicklungsbedarf« definiert. Um diese Gebiete zu stabilisieren und eine integrierte Quartiersentwicklung zu fördern, wurden vom Berliner Senat und den jeweiligen Bezirksämtern so genannte »Quartiersmanagements« eingerichtet. Quartiersbezogenheit, Prozesshaftigkeit und Bewohnerorientierung bilden die Basis für das intermediäre Verfahren »Quartiersmanagement«.

ein 3D Modell an einer Strasse mit Menschen, die befragt werden
Aktivierende Befragung mit einem Modell

Eines dieser 17 Berliner Quartiersmanagementgebiete ist der Sparrplatz-/ Sprengelkiez im Bezirk Mitte. Dort wird das Programm Quartiersmanagement von der Stiftung Sozialpädagogisches Institut und dem Verein Kommunales Forum Wedding durchgeführt. Im Sparrplatz-/ Sprengelkiez leben ca. 15.000 Menschen. Der Anteil nicht-deutscher Bewohner/innen liegt durchschnittlich bei 38%. Die Bevölkerungsdichte ist sehr hoch. Es ist eine Trennung der sozialen Gruppen bzw. Einwohner/innen unterschiedlicher kultureller oder ethnischer Herkunft zu beobachten. Die Bewohner/innen im Stadtteil sind hinsichtlich Qualifikation, Erwerbsbeteiligung und Einkommen im städtischen Vergleich schlecht gestellt. Das Gebiet ist fast ausschließlich durch Wohnbebauung, insbesondere Altbauten mit niedrigem Wohnstandard und Mängeln im Wohnumfeld geprägt. Die Versorgung mit wohnungsnahen Grün- und Freiflächen ist defizitär. Auch die soziale Infrastruktur ist durch Unterversorgung gekennzeichnet.

Zielsetzung und Möglichkeiten der Aktivierenden Befragung

kniedene Frau befragt eine muslimische Frau und schreibt alles auf
Der Kiez zum Anfassen – Eine Aktivierende Befragung mit einem Modell

Im Umfeld der Aktivitäten des neu eingesetzten Quartiersmanagement Sparrplatz wurde die Idee der Durchführung einer »Aktivierenden Befragung« geboren. Durch umfangreiche Gespräche mit Bewohner/innen, in denen ihre Sicht als Expert/innen für den Kiez im Mittelpunkt stand, sollte eine solide Arbeitsbasis für das Quartiersmanagement geschaffen werden.

Wie lebt es sich wirklich im Sparrplatz-/ Sprengelkiez? Was gefällt den Bewohner/innen im Kiez, was gefällt ihnen nicht? Was gibt es für Vorschläge und Ideen den Kiez l(i)ebenswerter zu gestalten, die Situation im Kiez zu verbessern? Inwieweit sind die Bewohner/innen bereit, dabei selbst aktiv mitzuwirken und unter welchen Bedingungen?

Um mit den Bewohner/innen ins Gespräch zu kommen, haben wir uns entschieden, mit einem Modell des Kiezes zu arbeiten. Das Modell weckte auf Grund seiner Größe automatisch die Aufmerksamkeit und Neugier der vorbeilaufenden Personen und ermöglichte so in vielen Fällen einen unkomplizierten, zwanglosen Gesprächseinstieg. Die Gespräche boten außerdem eine gute Gelegenheit, Bewohner/innen den Ansatz des »Quartiersmanagement« näher zu erläutern und sich als Team des Quartiersmanagement persönlich vorzustellen.

Besonderheiten in der Vorgehensweise

Die Gespräche zwischen Bewohner/in und Befrager/in im Sparrplatz-/ Sprengelkiez fanden auf der Straße statt, wurden also im öffentlichen Raum geführt. Insgesamt wurden mit 351 Bewohner/innen Gespräche geführt. Das Team der Befrager/innen stand dazu an ca. 15 verschiedenen Stellen im Kiez.

Blickfang war während der Befragung ein aufgebautes Pappmodell vom Kiez. Der Kiez zum »Anfassen« in Modellform stellte nicht nur eine Hilfe zur Veranschaulichung dar, sondern erleichterte und förderte den Gesprächseinstieg. Das Modell als Medium half sprachliche Hemmnisse zu überwinden.

Bewohner/innen und Befrager/innen (oder auch Bewohner/innen untereinander) kamen miteinander ins Gespräch, ohne dass eine »klassische« Gesprächssituation von Person zu Person die Gespräche dominierte. Der Kiez stand wortwörtlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Am Kiez-getreuen Modell konnten benannte Punkte mühelos »begriffen« und der praktische Bezug zu den benannten Themen hergestellt werden.

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